PJ Harvey: Die traurige Singer/Songwriter-Königin

Sie ist so britisch wie Pfefferminz-Schokolade, Fish & Chips oder Linksverkehr: Polly Jean Harvey. Eine zierliche Schönheit Anfang 30, die sich mit ihren tiefromantischen Songs zur Drama-Queen und Pop-Poetin aufschwang, als absolut medienscheu gilt und die weichsten Lippen des Showbiz hat. Sagt zumindest ex-Lover Nick Cave. Und der ist ihr beinahe erschreckend ähnlich. Vorab einige Anmerkungen zu PJ Harveys Musik. Auf ,Stories From The City, Stories From The Sea‘ ist im Grunde genommen alles zu hören, was ein modernes, hangearbeitetes, rockendes Singer/Songwriter-Album auch als düsteres Sound-Erlebnis zum Genuss macht: PJ Harvey, deren musikalische Karriere übrigens 1991 als Gitarristin & Sängerin in Trio-Besetzung begann, hat auch diesmal wieder, wie schon bei ihren früheren Alben, eine Menge Instrumente selbst eingespielt: Sie beherrscht neben genial schrammelndem Rhythmusgitarrenspiel (Fender Telecaster, Strat oder Rickenbacker 12-String), gelegentlichem Akustikgitarreneinsatz (Gibson J200 & J45) auch ihren Fender Jazz Bass, und sie greift in die Tasten. Auch hier klingt’s dann meist vintage (Oberheim-Synth, Fender-Rhodes- & Wurlitzer-E-Pianos), dabei aber nicht unbedingt retro. Natürlich schwingt da einiges an Velvet-Underground-Düsterniss mit, aber sauber übersetzt ins Britische, Europäische, Gegenwärtige. Übrigens: Auch solche Produktionen werden von aufgeschlossenen wie poetisch-sensiblen MusikerInnen heute (zumindest teilweise) am Computer gemacht – mit ProTools, Logic Audio, Harddisk-Recording eben. Mehr erzählte Polly Jean im Interview mit Marcel Anders.

story: marcel anders
fotos: mercury

 

Mehr zu diesem & anderen Themen in der neuen Gitarre & Bass. Ausgabe 12/2000 ist ab Freitag, 17. November im Handel.

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