Workshop
Effektiv: Colorsound-Effektpedale

Herzlich willkommen im Jahr 2004. Mittlerweile sind wir ja alle von der Technik verwöhnt. GPS-navigiert laufen & fahren wir in der Gegend herum, bei letzterer Tätigkeit sogar einige Techniksüchtige noch zusätzlich mit Handy am Walkman-geschädigten Ohr oder sie drücken eifrig ihr neues Tamagotchie (= MMS-Touch-Screen-Handy). Viele Zeitgenoss(inn)en verwandeln sich auch zusehends durch gezieltes Silicon-Modifying langsam zu Hilfs-Borgs; in Werbeshows, die wenigstens noch ab und zu durch Programm-ähnliches unterbrochen werden, wird von nationalen Kommerz-Gurus fast stündlich ein talentfreier Superstar ausgespuckt. Und – last but not least – tragen immer mehr Musiker ihre neuen DSP-Maschinen, die eine Zeitreise durch die letzten 50 Jahre der Sound-Geschichte per Tastendruck erlauben, wie eine Monstranz vor sich her. Doch: Das war nicht immer so!

Damals
Gegen Ende der 1960er Jahre des vergangenen Jahrtausends hatte der Gitarrist noch eine bescheidene Anzahl von kleinen 9-Volt-Geräten vor sich auf dem Boden stehen, um in lästiger Fußarbeit diese bei Bedarf zuzuschalten. Aber es gab auch bürgerliches HiTech! Das Fernsehen war gerade bunt geworden und man musste sich noch richtig quälen bei der Entscheidung, welches der beiden (!) verfügbaren Programme denn nun gewählt werden sollte. Und da kam es schon einer Frechheit gleich, dass der Mond, den der Mensch erstmals betrat, sich trotz analoger Farbbildröhren hartnäckig in schlichtes Grau hüllte. Mit der neuen Silizium-Technologie lernten die ersten 4-Bit-Prozessoren laufen – aber auch (endlich!) die Jugend. Denn schon wieder wurden sie von alten (regierenden) Männern an irgendeiner Kriegsfront – die es anscheinend immer irgendwo gibt – beordert und dort (schändlich) verheizt.

Aber die Hippies wehrten sich! Jimi Hendrix zerfetzte stellvertretend für seine Generation elektronisch-musikalisch auf brutalste Weise die Nationalhymne ‚Star Spangled Banner‘ auf dem Woodstock-„Love, Peace & Happiness"-Festival, ein wirklich eindrucksvolles (wortloses) Zeitdokument. „Make Love, Not War" lautete damals allerorts der Schlachtruf. Es wurde, nebenbei bemerkt, auch eine sprühende Demonstration der mannigfaltigen Möglichkeiten, die in einer Fender Stratocaster schlummern.

Das musikalische Zerfetzen besorgte Jimi mit Seele, Kopf & Fingern, das Elektronische wurde unter anderem von einem Zwei-Transistor-Schaltkreis mit Namen FuzzFace realisiert. Dies Gerät hat der englische Konzernriese Arbiter Ende 1966 auf dem britischen Markt eingeführt. Es war, genauer betrachtet, ein frecher Klon des ToneBender MkI, welcher von Solasound gefertigt wurde. Leicht modifiziert war dieser Schaltkreis auch bei Vox ab ca. 1965 erhältlich. In G&B-Ausgabe 05/02 habe ich in meiner mehrteiligen Hendrix-Reihe einen kurzen Einblick auf das FuzzFace gewährt, daher überspringe ich zunächst den Vox ToneBender MkI und starte sogleich mit seinem Nachfolger, dem ToneBender Pro(fessional) MkII.

Tone Bender Professional Mk II
Der um den Jahreswechsel 1965/1966 erschienene ToneBender Professional MkII (s. Abb.1) entstand aus dem Wunsch heraus, gegenüber seinem Vorgänger MkI mehr Gain und mehr Fuzz-Effekt zur Verfügung zu haben. Dieser war noch zweistufig ausgelegt, nun musste also Dreistufiges her. Wie oft zu dieser Zeit ging man von bereits konfektionierten Schaltkreisen, den so genannten Schaltungsapplikationen, aus. In diesen wurden von den Werks-Ingenieuren der Halbleiterhersteller Schaltungen bereits im Vorfeld ausgerechnet und den Anwendern damit viel formale Herleitungs- und Rechenaufwand in dieser noch von Tabellen und Rechenschiebern geprägten Zeit erspart. Abgesehen davon war diese Transistortechnik brandneu und nur eine kleine Minderheit kannte sich in diesem Formel-Dschungel der Hybridparameter schon aus ...

Mehr zu diesem & anderen Themen in der neuen Gitarre & Bass!
Ausgabe 03/2004 ist ab Freitag, den 20. Februar im Handel.

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