Michael Brooks

Nick Cave

John Lee Hooker

Metal Molly

van Morrison

Tilman Rossmy

Thunder

The Tubes

The Urge

Chris Whitley
 

 

MICHAEL BROOK
Albino Alligator
rough trade/4ad

,Albino Alligator‘ ist eine weitere Filmmusik des erfolgreichen World-Music-Produzenten und klangbewußten Gitarristen Michael Brook. Der kanadische Künstler aus dem Dunstkreis Brian Enos schafft mit seiner "Infinite Guitar" (einer Brookschen Erfindung, die es angeblich nur in dreifacher Ausführung gibt, und neben Brook noch von U2s The Edge und Daniel Lanois verwendet wird) sehr atmosphärische, geheimnisvolle Sounds. Da der zugehörige Film ein insgesamt recht angespannter Thriller ist, und Brook eine "beunruhigende" Musik dazu realisierte, hat er seinen Original-Soundtrack für das Album noch einmal überarbeitet, um, wie er sagt, "substantiellere, plattentauglichere Versionen zu schaffen". Herausgekommen sind dabei intensive, experimentelle, szenische Klangbilder mit interessanten, originellen Gitarren-Parts. (ds)

NICK CAVE & THE BAD SEEDS
The Boatman’s Call
intercord/mute

Wer ein Faible für melancholische Songs hat, dem sei dieses Album nahegelegt. Nick Caves Neues besteht ausschließlich aus wunderschönen, ganz sparsam instrumentierten Songs, und ist in seiner ganzen Kargheit ungemein intensiv. Neben eingängigen Klängen und brillanten Lyrics gibt‘s sparsamste Gitarren von Mick Harvey und Blixa Bargeld. (ds)

JOHN LEE HOOKER
Don’t Look Back
virgin

Das Cover-Foto zeigt Blues-Ikone John Lee mit obligatorischer Brille und Hut auf einer Verandabank sitzend. Dazu trägt er eine Krawatte mit Sternchen, die Hochwasserhose offenbart ein Sockenpaar im gleichen Muster. Hooker beweist Humor und nimmt die mit dem Blues verbundenen Klischees scheinbar nicht ganz so ernst, wie oftmals sein Klientel. Diesem werden die überwiegend ruhigen und stimmungsvollen Songs der neuen Platte gefallen. Sympathischerweise wurde bei den Aufnahmen mal ein leicht verunglückter Schluß, ein falscher Piano-Akkord oder Hookers an manchen Stellen gnadenlos verstimmte Gitarre einfach auf dem Band gelassen. Allerdings fällt dies kaum ins Gewicht, da wieder einmal prominente Kollegen mit eingespielt haben, u. a. Los Lobos und Van Morrison. (am)

METAL MOLLY
Surgery For Zebra
rough trade/silvertone

Was Metal Molly selbst als "sick pop with sane moments" bezeichnen, offenbart sich beim Durchhören ihrer Debüt-CD als echt schräger, frischer, knackiger, irrsinniger Pop mit brachialen Brat-Gitarren. Die drei jungen, speziell inspirierten Vögel aus Belgien bescheren dem interessierten, offenen Hörer einen adrenalindurchtränkten, skurrilen, kompakten, freaky Sound, der so dynamisch und anstrengend ist, daß er sich nicht zum ruhigen Entspannen eignet. Dafür sind sie aber so anregend wie XTC, und erinnern zwischendurch an King Crimson. Ein Reinhören lohnt sich also. (ds)

VAN MORRISON
The Healing Game
polydor

Apropos Van Morrison, auch er ist mit einem neuen Album am Start. Der Meister der ruhigen Töne wird von einer hervorragenden Band begleitet, u. a. sind Sänger Georgie Fame und Saxophon-As Pee Wee Ellis dabei. Die Songs zwischen Soul, Country, Gospel und Blues transportieren eine entspannte und schöne Stimmung, die nicht zuletzt durch die Live-Atmosphäre der CD erzeugt wird – ein tolle Platte. Die von Morrison geschriebene Nummer ,The Healing Game‘ findet sich auch auf dem neuen Hooker-Album (s. o.). Also schnell noch mal die Version von Hooker zum 1:1-Vergleich angehört... Das Ergebnis: zwei Leute singen den Blues, beide überzeugend und mit dem gewissen Etwas. (am)

TILMAN ROSSMY
Selbst
rough trade/l’age d’or

Das ist die wahre alternative deutsche Schlagermusik. ,Selbst‘ unterhält den toleranten Schlager-Fan massenhaft mit Ohrwürmern und herrlich näselnd-schwülstig gesungenen, originellen, unverkrampften und manchmal auch bescheuerten deutschen Texten, in denen es schwerpunktmäßig um Frauen und Philosophie geht. Wofür sich Heinz Rudolf Kunze trotz hörbarer Mühen einen abbricht und es dabei trotzdem nicht schafft, das gelingt Tilman Rossmy spielend: unpeinliche, witzige und unterhaltsame Schlager zu singen. Sehr gelungene Scheibe des Ex-Sängers von "Die Regierung". (ds)

THUNDER
The Thrill Of It All
raw power

Zum Quartett geschrumpft präsentiert die britische Band Thunder ihr insgesamt fünftes Album. Auch hier gibt’s wieder Hardrock der guten alten Machart im Stile von Led Zeppelin oder Aerosmith, allerdings ist die Band im Sound einiges cleaner und die Arrangements sind ziemlich vorhersehbar. Trotzdem kommt Thunders Rock locker rüber und verbreitet ungetrübte Party-Stimmung, wenngleich manche Songs zu gefällig wirken. Bemerkenswert sind die gesanglichen Qualitäten von Daniel Bowes und die Licks und Riffs der Gitarristen Ben Matthews und Luke Morley, die Jimmy-Page-Fans die Freudentränen in die Augen treiben werden. (am)

THE TUBES
Genius Of America
edel

Die "White Punks On Dope" sind zurück. Nach zehn Jahren präsentieren The Tubes ein neues Studio-Album – und verlernt haben sie nichts. Die Musik bewegt sich zwischen Rock und Pop, und überzeugt durch abwechslungsreiche Arrangements sowie eingängige Hooklines. Damit‘s nicht zu glatt wird, streut die Band zwischendurch einige schräge Momente ein, die den nötigen Pep bringen. Eine gelungene, kraftvolle Platte. (am)

THE URGE
Receiving The Gift Of Flavour
sony/epic

The Urge konnten schon kürzlich im Vorprogramm von Korn begeistern. Während letztgenannte einen fast schon experimentellen Sound besitzen, kann man The Urge eher zum "traditionellen" Crossover zählen. Funkige Metal-Licks, Reggae-Beats, Soul, Punk, Ska-Bläsersätze und Hardrock werden zu einer gelungenen Mischung verschmolzen, die einfach abgeht und Spaß macht. Der Gesang von Steve Ewing erinnert an Living Colour und 24-7 Spyz, überhaupt kann eine Nähe zu diesen beiden Bands nicht geleugnet werden. Gegen Ende der CD nervt der punkige Anteil in den Songs zwar etwas, trotzdem eine coole Band! (am)

CHRIS WHITLEY
Terra Incognita
sony/columbia

Chris Whitley gehört nicht zu den ganz leicht konsumierbaren Singern/Songwritern. Obwohl man seinen Stücken anhört, daß er aus dieser Tradition kommt, geht er vom Ansatz her in eine ähnliche Richtung wie z. B. Jeff Buckley. Ihren Reiz beziehen die teils rockigen, teils ruhigen Stücke aus Kontrasten: Mitten in einen monotonen Strophenteil kracht plötzlich eine verzerrte Gitarre, ein Banjo-Intro wird mit einer Feedback-Gitarre unterlegt usw. Die Instrumentierung ist mit Gitarre, Bass, Drums, Gesang und ein paar zusätzlichen Sounds recht einfach gehalten. Über allem hängt Whitleys Gesang, der der Musik einen eigenwilligen Charakter verleiht. Starke Platte. (am)

 

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