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Joe Satriani berichtet vom Gipfel Auf der A3 ist Stau, auf dem K3 ist es ruhiger, aber da ist die Luft auch dünner, die B3 ist der Schrecken des Keyboard-Roadies, R4 ein Schock für Auto-Ästheten, G7 ist Dominante und Gipfeltreffen und R6, R3 und auch R1 gibts im Automaten. Ja, und? Auch G3 hat was mit Spaß zu tun: Hinter dem Kürzel verbergen sich das Gitarristen-Trio Steve Vai, Eric Johnson und Joe Satriani sowie Bassist Stu Hamm und Drummer Jeff Campitelli. Die Band war im vergangenen Jahr in den USA auf Tour, bei dieser Gelegenheit wurde ein Live-Album mitgeschnitten (es erscheint im Mai), das man ohne Frage als musikalischen Kick wie auch als pädagogisch wertvoll bezeichnen kann. Denn wann hat man schon mal drei stilbildende Gitarristen so nahe beisammen, und dabei auch noch so ordentlich kanalgetrennt? Eric Johnson links, Steve Vai rechts und der Satriani Josef in der Mitte des Stereo-Spektrums, da weiß man also immer genau, wer was wann wo und wie angestellt hat. Aber mal ernsthaft: ,G3 Live In Concert vermittelt tatsächlich echte Gig-Atmosphäre. Zuerst sind die drei Stars jeweils mit eigenem Material zu hören, danach folgt die Jam-Abteilung mit allen Dreien plus Begleiter. Das Album beginnt mit drei Stücken von Joe Satriani: ,Cool #9, ,Flying In A Blue Dream und ,Summer Song hierzu später mehr. Es folgt der Auftritt von Eric Johnson (mit ,Zap, ,Manhattan und ,Camels Night), der an dieser Stelle noch sensibler und graziler wirkt; während Satriani richtig abrockt, erinnert Johnson, wenn er mit verzerrtem Ton spielt, immer eher an den Fusion-Geiger Jean-Luc Ponty, als an irgendeinen anderen Gitarristen dieses Planeten. Und dann kommt Meister Vai, ebenfalls mit drei Nummern: ,Answers, ,For The Love Of God und ,The Attitude Song ein ziemlich virtuoser wie hektischer Set. Es kommt was kommen mußte: die gemeinsame Gitarren-Orgie. Obwohl bei solchen Monstertreffen oft zu Recht befürchtet wird, daß die Musik für Licks & Tricks geopfert wird, kann man hier eine Menge Kreativität & Disziplin erleben. Die drei Instrumentalisten gehen sehr amerikanisch an die Sache ran, ihr gemeinsamer Auftritt ist der perfekte Höhepunkt einer durchdachten Show. Angefangen mit dem Don-Nix-Klassiker ,Going Down (mit Satriani als Sänger), anspruchsvoll fortgeführt mit ,My Guitar Wants To Kill Your Mama (hier singen Steve Vai und Gast Mike Keneally) und anachronistisch abgefeiert mit "Eric Johnson sings ,Red House" gelingt dem Trio ein Spannungsbogen zwischen Substanz und Entertainment. Das liegt nicht zuletzt an den beiden hervorragenden Begleitern, die zu Höchstleistungen angetrieben wurden; Hamm und Capitelli erzeugen ein absolut dichtes Fundament, das aber immer lebendig und flexibel wirkt, und das gerade Satriani gewaltig inspiriert hat. So souverän war er selten zu hören. Ebenso locker lief er auf der Frankfurter Musikmesse herum, ungestreßt signierte er hunderte Autogrammkarten am Stand seines Werbepartners Ibanez, ließ sich alle zwanzig Sekunden fotografieren, und lächelte. Macht Erfolg relaxed? Bei Satriani könnte das der Fall sein: Mehr als 7 Millionen verkaufte Platten, sechs Grammy-Nominierungen, zuletzt für ,(Youre) My World in der Rubrik "Rock Instrumental Performance" da muß man sich keine Gedanken mehr machen, wenn man bei Aldi in der Schlange steht. Da Erfolg aber bekanntlich nicht von alleine kommt, und beim Nasebohren auch noch niemand Öl gefunden hat, wird sich Joe seine akzeptable Biografie wohl hart erarbeitet haben. Weitere Fakten unten. Erste Frage an den Experten: "Welche Gitarristen haben dich zuletzt beeindruckt?" Joe: Andy Timmons! Er ist ein großartiger Gitarrist, zur Zeit spielt er mit Simon Phillips. Und Charlie Hunter (s. G&B 9/95), er gehört zu den ganz großartigen Gitarristen; außerdem ist er ein ziemlich intelligenter Mensch. Ich kenne ihn schon sehr sehr lange... Lothar Trampert Mehr zu diesem und anderen Themen, sowie eine ausführliche Biografie in G&B 6/97. Jetzt am Kiosk! |