Tina Weymouth

Tina Weymouth

The Heads-Bassistin talks

Tina Weymouth hat es endlich kapiert. "Es ist doch alles Marketing", meint die 46jährige mißmutig. "Duke Ellington, Frank Zappa oder Miles Davis waren nie nur Ein-Mann-Bands; sie haben mit vielen verschiedenen Sängern und Solisten gearbeitet. Aber die Marketingstrategen für Rockbands haben es natürlich viel lieber, wenn eine Band immer den gleichen Sänger hat. Da haben sie es einfacher, ein Image zu schaffen und zu erhalten."

Acht Jahre nach dem achten und letzten Talking-Heads-Album ,Naked‘ haben Tina Weymouth und Schlagzeuger/Ehemann Chris Frantz wieder zusammen mit dem Gitarristen und Keyboarder der Talking Heads, Jerry Harrison, Musik gemacht – allerdings ohne Ex-Frontmann David Byrne. Und gleich vorweg – dieses bewährte Dreigestirn, das sich beziehungsreich The Heads nennt, ist wie damals auch eine eingeschworene Gemeinschaft. "Viele Leute haben damals in den Anfangstagen der Talking Heads gesagt, daß wir mit David nichts zuwege bringen würden", seufzt Tina. "Sie sagten, daß er einfach schrecklich wäre – aber gerade deshalb haben wir ihn geliebt und ihn gerne als Band begleitet. Heute ist die erste Reaktion der gleichen Leute von damals: ,Was? Ihr macht weiter, aber ohne David? Das wird doch nie was!‘ Ist das nicht absurd? Wir waren nie nur die Drohnen, die ihre Königin umschwirrten, wir waren immer ein Team. Ich meine, wenn eine Person ausreichen würde, um eine erfolgreiche Band zu machen, warum hat dann z. B. Ric Ocasek (von The Cars, der Übers.) nicht eine große Solo-Karriere gestartet?"

Sogar während der Blütezeit des Punks gab es wenige Bands, die mit sowenig Aufwand soviel erreichten. Als ein ehemaliger Blaskapellen-Trommler, ein hyper-exzentrischer Sänger und eine neuzeitlich orientierte Bassistin, alles Klassenkameraden der Rhode Island School Of Design, ihre ersten Auftritte 1975 in New York als Talking Heads absolvierten, waren sie schon weiter gekommen, als viele es ihnen vorausgesagt hatten.

Davor gründeten Byrne und Frantz an ihrer Schule die Band Artistics. "Die Artistics waren eine richtig gute Band, der allerdings keiner zuhören konnte", lacht Tina. "Sie spielten einfach unglaublich laut. Aber ich fand sie toll und habe sie immer in meinem alten Plymouth Valiant durch die Gegend gefahren." Doch die New Yorker Bassisten teilten Tinas Begeisterung überhaupt nicht, und so taten sich Byrne und Frantz schwer bei der Suche nach einem geeigneten Tieftöner.

In The Beginning...

Tina: Im September 1974 sind wir drei in New York in eine Wohnung gezogen, und schon bald bat mich Chris, mit dem Bass-Spielen anzufangen. Wir wohnten ganz in der Nähe des CBGBs (legendärer New Yorker Club, der Übers.), und Chris ging fast jeden Abend dorthin, um sich nach einem Bassisten umzusehen. Es gab zwar eine Menge guter Leute, aber keiner war interessiert, bei den Talking Heads einzusteigen. Dann fing er an, mir die Alben von Suzi Quatro vorzuspielen. Natürlich, sie war ganz nett und so – aber anhand von Bob-Dylan-Songbooks hatte ich mir das Gitarre-Spielen beigebracht und Bass-Spielen lag für mich erst mal nicht an. Es erschien mir einfach nicht realistisch. Ich habe – nur um Chris diesen Gefallen zu tun – mit dem Bass angefangen und dachte, ich höre sofort damit auf, wenn sie einen richtigen Bassisten gefunden haben.

G&B: Dann warst du also eine blutige Anfängerin, als du bei den Talking Heads anfingst?

Tina: Oh ja (lacht). Ich habe mir bei "We Buy Guitars" in der 48sten Straße (bekannter Gitarrenladen in NY, der Übers.) einen Bass gekauft und ihn in wöchentlichen Fünf-Dollar-Raten abgezahlt, und Chris und David begannen richtig hart mit mir zu arbeiten. Chris war sehr ermutigend und hilfsbereit. Manchmal war es zwar komisch, wenn dein Freund dich anbrüllte, aber er ist halt immer ein großer ...hmm – Sklaventreiber gewesen. Und David war einfach wundervoll, so streng er auch war – er hatte überhaupt keine Geduld mit mir (lacht).

Ein anderer, der mir sehr viel half, war der (Jazz-Trompeter) Don Cherry. Seine Familie lebte in unserem Haus, und er war mir wirklich eine große Hilfe. Wahrscheinlich hätte ich ohne Don schon bald entmutigt aufgehört; es war toll, daß jemand da war, der mich überredete, nicht alles hinzuschmeißen...

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