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Es gibt Künstler, die verfügen über einen unverkennbaren Wiedererkennungswert. Man erkennt sie am Körperbau (Meat Loaf), am Haarschnitt (Billy Corgan) oder am Make-Up (Boy George). Andere erkennt man am Lachen (David Lee Roth), am Outfit (Angus Young) oder am Gang (Chuck Berry). Chris Whitley erkennt man an seinen Rauchzeichen: Was immer der Halbindianer in seinen Roll-Ups abkokelt es stinkt erbärmlich! Zum Glück gibt es noch keine geruchsechten CDs. Denn auch Whitleys neues Album ,Terra Incognita ist ziemlich starker Tobak... "Ich fühle mich nirgends verwurzelt. Ich stamme aus einem namenlosen Ort", meinte der 37jährige Gitarrist in unserem ersten Gespräch. Und die Rolle des rastlosen Tramps mit der Dobro auf dem Rücken, der an irgendeinem der endlos langen US-Highways steht, nimmt man ihm sofort ab. Seit Kindesalter zog er mit seinen Eltern durch den Süden der USA, hörte als Teenager Jimi Hendrix, Howlin Wolf und Johnny Winter. Dessen Song ,Dallas inspirierte ihn, selbst zur Gitarre zu greifen. Mit zwanzig beschloß er sein Glück als Straßenmusiker zu suchen. Einmal Europa und wieder zurück hieß die Reiseroute dann hatte Chris Whitley seinen ersten Plattendeal und sein Debutalbum ,Living With The Law im Kasten. Nach ,Din Of Ecstasy (1995) folgt nun das dritte Werk: ,Terry Incognita. Chris Whitley spricht während des Interviews leise, aber bestimmt. Er wirkt introvertiert, wie ein typischer Einzelgänger, ist aber alles andere als ein Misanthrop... Introducing... G&B: Du hast dich nie dafür interessiert, was andere Leute über deine Musik sagen, scherst dich nicht um Charts und bist selten in den Medien präsent. Ist es nicht schwer, mit diesen Prinzipien im Musikbusiness zu überleben? C.W.: Wie kann man gute Musik spielen, wenn man sich die ganze Zeit darüber Gedanken macht, was die Leute darüber denken könnten? Das würde als Konsequenz irgendwann alles beeinflussen, was du tust. Ich mache Musik nicht aus kommerziellen Gründen. Klar, liebe ich es, wenn die Leute meine Songs mögen. Aber ich könnte nichts anderes spielen. Ich würde mich nur selbst belügen. G&B: Das führt uns zum Thema Aufrichtigkeit in der Musikbranche... C.W.: Ehrlichkeit ist ein Bestandteil deines Make-Ups. Ich bin nicht immer ehrlich. Aber es gibt einen bestimmten Teil in mir, der muß so ehrlich sein, wie es nur geht. Denn sonst wüßte ich nicht, warum ich das hier tue. G&B: Ich habe vor kurzem ein nettes Zitat gefunden: "Chris Whitley ist ein aufgewühlter Charakter, eine Mischung aus altmodischer Religion, schmutzigem Sex, einer Menge Leid und Schuld. Nick Cave würde töten, um so zu sein, wie er". C.W.: (lacht) Ich weiß nicht, so etwas schreiben die Leute eben. Ich mag das nicht. Als ich anfing, Musik zu machen, wollte ich nur mich selbst ausdrücken aus purem Egoismus. Klar ändert sich das, wenn du bekannter wirst. Aber ich denke, mein neues Album hat wenig mit "Leid" und "Schuld" zu tun. Ich hoffe jedenfalls, daß ich mich immer weiterentwicklen werde. Ich mache jetzt seit 23 Jahren Musik. Die meisten Leute kennen meine Songs jedoch gerade mal seit fünf Jahren. Das ist ein Unterschied... Stefan Wach Mehr von diesem Interview gibt es in Gitarre & Bass 07/97 ab dem 13. Juni im Zeitschriftenhandel! |