B.Allison

Prefab Sprout

Claus Boesser-
Ferrari

Gilby Clarke

C.Evora

Sugar Ray

Galactic
Cowboys

David Garfiel &
Friends

High and
Lonesome

A.Holdsworth

Krautrock

The Tony Williams
Lifetime

Didier
Lockwood

Primal Screen

Radiohead

[Schotta!]

 

PRIMAL SCREAM
Vanishing Point
sony/epic creation
Mit ihrem letzten, 1994 erschienen Album lagen sie stilistisch noch im Retro-Nebel zwischen den Black Crowes und anderen Stones-Verwertern, gehörten dabei aber zu den intelligentesten dieser Art. Inzwischen haben Primal Scream die Art von Sound(s) entdeckt, die z. B. auch bei Bowie alte Songs zeitlos machen. Das vom gleichnamigen Seventies-Roadmovie inspirierte Werk dreht sich mehr um Grooves, Samples, Effekte und Farben als um klassische Riff-Songs, ist verspielter, offener und fantasievoller als man von dieser Band erwarten konnte. Und wenn dann trotzdem ganz selten mal der „ganz normale Song" kommt, ist dessen Wirkung um so intensiver. Klar – Primal Scream hängen sich an einen Trend, aber erstens an den richtigen, und zweitens bleiben sie sich treu. Noch Fragen? Album des Monats. (lt)

RADIOHEAD
OK Computer
emi/parlophone
Das dritte Album der englischen Formation macht aus ihnen immer noch keine richtige Pop-Band. Schön! Bizarre Gitarren-Sounds, Schwebeklänge, rollende Baßfundamente und diese Stimme von Thom Yorke, die immer etwas näher am Abgrund an der Brücke neben der Nervenheilanstalt zu sein scheint, als im Rock-Circus. ,Exit Music (For A Film) klingt, als wäre es ein Abschiedsgeschenk für Jeff Buckley; und ,Karma Police hat vom Songwriting viel von Bowie und Beatles verstanden (und geklaut), was anderen Kollegen von der Insel bisher noch gar nicht aufgefallen war. Also noch eine Platte des Monats. (lt)

GALACTIC COWBOYS
The Horse That Bud Bought
spv/metalblade
Ihre letzten Veröffentlichungen überzeugten immer durch gute Produktion, kompetentes Songwriting, Abwechslung und Tempo. Ihr viertes Album bringt wie gewohnt intelligenten US-Rock mit schöner Gitarrenarbeit. Mit Kings X waren sie im vergangenen Jahr auf Tour, und dieses Package erscheint kompatibel. Königseieranhänger, und nicht nur die, dürfen also zugreifen... (lt)

SUGAR RAY
Floored
eastwest/atlantic
Klassischer US-Crossover mit Party- und Punk-Potential. Bereits ihr Debüt konnte überzeugen, trotzdem wollte es fast keiner haben. Mal sehen obs diesmal funktioniert. ,Floored ist ein gutes Album mit bekannter Qualitätsware und ein paar Spezialitäten – von einer guten Band. (lt)

PREFAB SPROUT
Andromeda Heights
sony/columbia
Sieben Jahre haben sie gebraucht, um den Sprung in die Neunziger zu schaffen – der ist allerdings nur rein formal gelungen. Denn was die sympathische britische Kult-Combo der Eighties hier präsentiert ist geniales Songwriting – und das ist bekanntlich in der Popkultur nur möglich, wenn man die richtige Plattensammlung besitzt. Kommt der durchschnittliche Britpopper unserer Tage mit drei Beatles-Singles und Peter Burschs Gitarrenschule aus, kennt Sänger/Songwriter/Gitarrist Paddy McAloon mit Sicherheit das ganze „Rote Album", Burt Bacharach, den Begriff „easy listening", WDR 4, Phil Spector, The Beach Boys, Soul, Jazz... Ein perfektes Beispiel für die hohe Kunst, Anachronismus als Pop zu verkaufen. Und da 1967 niemand diese Platte gemacht hat, kommt sie eben jetzt. Genialeretro. (lt)

[SCHOTTA!]
Is Gold.
koch

Gute Gitarren-Band, Rock mit deutschen Texten, sauber und transparent produziert. Sänger Mig Haack hat was eigenes – sympathisch, daß hier niemand versucht hat, krampfhaft trendy zu sein. Und so hört man mit Schotta eben eine der ganz wenigen deutschen Mainstream-Bands mit Format und Sound, während auf der anderen Seite der nationalen Musikfabrik Majors und Mitläufer krampfhaft versuchen Rammstein zu clonen und Herr Westernhagen sich nur noch (für sich) selbst inszeniert. Es gab sicher schon ein paar bessere Texte und innovativere Konzeptionen, als die von Schotta, aber garantiert auch schon Millionen schlechtere. Sympathische Band... (lt)

THE TONY WILLIAMS LIFETIME
Spectrum: The Anthology
polygram/verve
Der Name „Lifetime" fällt immer wieder an dieser Stelle – denn diese Band gehörte, zumindest phasenweise, ganz sicher zu den bedeutensten Formationen der Begegnung von Rock & Jazz. Auf der vorliegenden Compilation finden sich Aufnahmen aus den Jahren 1969 bis 73, an denen die legendäre Lifetime-Besetzung mit Leader Tony Williams (dr), John McLaughlin (g), Larry Young (org) beteiligt war, die später durch Ex-Cream-Bassist Jack Bruce ergänzt wurde. Die zweite, der gutgefüllten DoCDs befaßt sich mit späteren Lifetime-Lineups, u. a. mit Bassist Ron Carter und Ted Dunbar an der Gitarre, die wesentlich gemäßigter agieren, und sicher dem entgegenspielen, was Williams Mitte der 70er mit Holdsworth, später auch in seichteren Fusion-Combos anstellte. Ein schöner Einstieg, wenn man die Original-Alben noch nicht hat – und ein weiterer Beweis, daß (auch Musik-)Geschichte lange braucht und sich erst ein paar Mal selbst zitiert und wiederholt, bevor was Neues kommt. (ju)

ALLAN HOLDSWORTH
I.O.U./Hard Hat Area/Wardenclyffe Tower/Secrets/Atavachron/The Things You See & Sunbird
fenn music/jms
Eine Menge Stoff von Holdsworth liegt endlich wieder auf CD vor – und hat nun auch in Deutschland einen offiziellen Vertrieb. Weniger bekannt, als die diversen Band-Aufnahmen des Meistergitarristen, dürfte seine, 1979/80 teilweise im Duo eingespielte Musik mit Pianist Gordon Beck sein (,The Things You See/Sunbird). Hier ist Holdsworth auch mal mit akustischer Gitarre zu hören. Seine wahren Qualitäten und einen individuelleren Ansatz entdeckt man allerdings eher auf seinen Alben aus den 80er und 90er Jahren, die eine eigene Klangästhetik innerhalb des neuen Jazz repräsentieren. Pflichtlektüre. (ju)

DIDIER LOCKWOOD
New York Rendezvous
fenn music/jms
Lockwood gehört zu den wichtigsten Jazz-Geigern des vergangenen Jahrzehnts, und, wie Kollege Jean-Luc Ponty, nicht zu den innovativsten. Dafür hat er ein solides Gefühl für stilsichere Interpretation entwickelt, für zupackende Themen und gute Bands. Begleitet wurde er bei diesen 1995 entstandenen Aufnahmen von Peter Erskine (dr), Dave Holland (b), Dave Kikoski (p), sowie zeitweise den Gästen David Liebman (sax), Gil Goldstein (acc) und Mike Stern (g). Abgesehen von den letzten beiden Tracks, den schwächeren des Albums, (mit Goldstein und Stern), geht es um swingenden, akustischen Mainstream, teilweise mit Bop-Energie. Solide. (ju)

DAVID GARFIELD & FRIENDS
Tribute To Jeff
i.r.s./creatchy

Keyboarder Garfield hat dieses Album dem vor fünf Jahren verstorbenen Studio- und Toto-Drummer Jeff Porcaro gewidmet. Das ganze hat mal einen Hauch von Jam-Charakter, dann folgen eine Pop-Nummer, ein Drum-Feature, Jazz, Soul, Hendrix, Fusion. Fans folgender Musiker erwerben mit dieser CD bisher unveröffentlichte Gastspiele von Gitarristen/Bassisten wie Larry Carlton, Nathan East, Jay Graydon, Jimmy Haslip, Paul Jackson Jr., Michael Landau, Steve Lukather, Will Lee, Lee Sklar, Eddie van Halen. Und jede Menge weitere Genies findet man an den anderen Instrumenten – vor allem für Schlagzeuger dürfte das Lineup der Superdrummer fast komplett sein... „Du hast doch keine Ahnung", sagt dann der Kollege von der Sticks-Redaktion. Stimmt. Deshalb muß es also heißen: „...dürfte das Lineup der Superdrummer ganz beachtlich sein." Eine echte L.A.-Platte. (ju)

CLAUS BOESSER-FERRARI
Welcome
rough trade/acoustic music
Wer sich gerne am Klang einer gut gestimmten Zwölfsaitigen berauscht, der erhält mit ,Welcome‘ hervorragendes Gitarren-Dope. Claus Boesser-Ferrari spielt hier nämlich mit beachtlicher Fingerfertigkeit eine in der Tat wunderbar klingende Akustikgitarre. Das Repertoire setzt sich aus melodischen Eigenkompositionen und Fremdmaterial zusammen. So ist z. B. neben dem Flageolet-verzierten, impressionistisch swingenden ,Lea Langstrumpf‘ aus Boesser-Ferraris Feder auch eine Instrumentalversion von Madonnas ,Live To Tell‘ zu hören. Unter dem Strich ist ,Welcome‘ berauschend im Klang, sympathisch im Vortag und abwechslungsreich in der Materialauswahl. Für 12-String-Fans ein Tip. (ds)

HIGH AND LONESOME
For Sale Or Rent
tis/taxim
Stilistisch irgendwo zwischen den Rolling Stones und Tom Petty angesiedelt, spielen High And Lonesome locker-flockige Rock-Songs mit Country-Einschlag. Der passende Soundtrack für laue Sommernächte. (am)

GILBY CLARKE
The Hangover
spv/steamhammer
Ex-Guns-N-Roses-Gitarrist Gilby Clarke präsentiert sein mittlerweile drittes Solo-Album. 60ies-Rock/Pop, Punk und Hardrock mixt der Gitarrist/Sänger/Produzent ganz nach seinem Geschmack und herausgekommen ist eine Rock-’n’-Roll-Platte, die keine Wünsche offen läßt. Gilby ist ein hervorragender Songwriter und Instrumentalist der seine eingängigen Stücke mit der nötigen Portion Dreck versieht. Klingt der Opener ,Wasn’t Yesterday Great noch nach Beatles on Punk, so ist die folgende Nummer ein cooler Stones-Verschnitt, und mit ,Zip Gun gibt’s voll was auf die Zwölf – das hätten Slash und Rose nicht besser hinkriegen können. Kurzum, Gilby Clarke ist ein absolut überzeugendes Album gelungen, das man beim nächsten Gang in den Plattenladen unbedingt antesten sollte. (am)

BERNARD ALLISON
Born With The Blues
inakustik/ruf records
Tendierte Bernard Allison auf seinem letzten Album in Richtung Funk & Soul, geht er nun zu den Wurzeln des Blues zurück. Entsprechend bewegen sich die Songs im 12taktigen Schema und der Band-Sound ist traditionell gehalten. Allison zeigt sich mit einem weniger als üblich verzerrten Gitarrenton von seiner puristischen Seite, wobei er genauso überzeugt wie auf früheren, vielseitiger angelegten Alben. So entpuppt er sich mal als fantastischer Slide-Player, mal huldigt er seinem Vorbild Albert Collins. Fazit: Eine wirklich gute Blues-Platte mit allem, was dazugehört. (am)

CESARIA EVORA
Cabo Verde
bmg/tropical music
Cesaria Evora ist die Stimme der Kapverden. Auf ihrem mittlerweile 7. Album überzeugt die Sängerin, die in ihrer Heimat als Königin der Morna gilt, mit 14 brillanten Titeln, in denen sich das Lebensgefühl der Atlantik-Inseln widerspiegelt. Eine stimmungsvolle akustische Instrumentierung und schöne Arrangements liefern den harmonischen Background für eine ergreifende Stimme. (jk)

KRAUTROCK
Various Artists
polymedia/nuzzcom
Jaaaaa, darauf haben wir alle gewartet: Das Krautrock-Revival wird eingeläutet (Dankesschreiben bitte an Julian Cope). Zwei CDs mit Originalklängen aus jener fernen Zeit, als Deine alten Herren noch tierisch (gut) drauf waren, und der gläserne Phantomguru auf endlosen Gitarrensoli durch kosmische Weiten transzendierte (TV-Tip: Telekolleg Folge 68 „Pilze und Nachtschattengewächse unserer Heimat"). (jk)

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