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Guild Bluesbird

Aua, tut mein Rücken weh! Zuviel Sport ist tatsächlich Mord – und dann auch noch diese schwere, große Bluesbird aus ihrem Luxuskoffer heben...aber hoppla – diese Gitarre scheint ja leicht wie eine Feder!

Dabei sieht die Bluesbird wie eine richtig schwere Les Paul aus! Die neue Bluesbird gehört zum reaktivierten Guild-Programm, und wie die anderen aktuellen Modelle dieser amerikanischen Traditionsmarke, hat auch sie eine bewegte Vergangenheit hinter sich.

1954, zwei Jahre nach der Firmengründung durch Alfred Dronge, wurde die Aristocrat M-75 vorgestellt, die zwar auf den ersten Blick tatsächlich wie eine Les-Paul-Variante aussah, in Wirklichkeit aber eher eine verkleinerte Jazz-Gitarre darstellte. Es war offensichtlich, daß Guild mit dieser Gitarre die Gitarristen ansprechen wollte, denen zwar das revolutionäre Design der Gibson Les Paul gefiel, die sich aber mit dem relativ hohen Gewicht der massiven Gibson Gitarre nicht anfreunden konnten. Die Aristocrat war eine (hohle) Thinline-Konstruktion mit Mahagoniboden und -zargen plus freischwingender Fichtendecke. Wenn sie auch einer Les Paul ähnlich sah, war ihr Sound natürlich überhaupt nicht mit dem einer Les Paul vergleichbar; was denn auch viele Gitarristen feststellten und deshalb lieber – Gewicht hin, Gewicht her – zur Gibson als zur Guild griffen. 1961 wurde die Produktion der M-75 eingestellt, doch schon 1967 gab es das erste Reissue-Modell! Die Bezeichnung M-75 wurde beibehalten, aber das steife und antiquierte „Aristocrat" wurde durch den trendigeren Namen „BluesBird" ersetzt, der sich aus der Tatsache ergab, daß die alte M-75 vor allen Dingen unter Bluesmusikern recht beliebt war. Wichtigste Neuerung der neuen M-75: Die Singlecoils der 50er Jahre mußten den kleinen Guild-Humbuckern weichen! Alle anderen Features wie z. B. die Trapez-Saitenhalterung und die „Hollow"-Bauweise wurden beibehalten. 1970 produzierte Guild zusätzlich eine massive BluesBird M-75 Solidbody mit „Adjustomatic"-Bridge und Stoptail-Piece, um (wieder einmal vergeblich) auf den Gibson-Zug aufspringen zu wollen.

Die neue aktuelle Bluesbird, seit 1996 wieder im Programm, wird nicht nur anders geschrieben (mit kleinem „b" und ohne die Typenbezeichnung M-75), sie ist auch prinzipiell eine völlig andere Gitarre, besteht sie doch aus einem großenteils ausgehöhlten Mahagoni-Korpus mit gewölbter Ahorndecke...

praxis
Und das macht Spaß, soviel schon vorab! Schon akustisch klingt die Bluesbird richtig laut, deutlich lauter als eine Solidbody-Gitarre, und sehr „reich", also knackig, ausgewogen, mit einem gewissen akustischen Touch und einer schnellen, dynamischen Ansprache. An den relativ dicken und auch breiten Hals will sich erst gewöhnt werden – ein solches Profil ist nicht jedermanns Sache, aber mit Sicherheit ist es mitverantwortlich für die klar definierte Ansprache dieser Gitarre. Der lebendige Sound dieser im Grunde genommen eher gutmütig zu erwartenden Mahagoni-Gitarre ist um so ungewöhnlicher, weil hier – im Gegensatz zu der neuen Halbresonanzschwester Guild Starfire – das alte Gibson-ähnliche Mensurmaß von 628 mm beibehalten wurde. Nun, das macht die Bluesbird um so leichter spielbar, so daß trotz der aufgezogenen .010er-Saiten Bendings über den Bereich einer Quarte (!) am 12. Bund ganz locker vonstatten gehen Das einzige kleine Manko, das mir auffiel: Die hohe E-Saite führt relativ nahe am Griffbrettrand entlang, und es kam schon mal vor, daß z. B. bei Pull-Offs die Saite über den Rand hinaus flutschte...

Heinz Rebellius

Der vollständige Testbericht erscheint in der August-Ausgabe von Gitarre & Bass. Und die gibt es schon ab Freitag, den 11. Juli am Kiosk!

 

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