ABI VON REININGHAUS
King Of Heart
g&b shop/bmg aris
Instrumentalmusik zwischen Rock, Pop, Jazz und Blues,
überwiegend Mid-Tempo-Nummern und Balladen der
Münchner Abi von Reininghaus zeigt, was man auf diesem
Gebiet anstellen kann, ohne sofort mit Vai, Satriani oder
Johnson in Verbindung gebracht zu werden. Und so ist
dieses teils europäisch-romantisch- wie in
handwerklicher Hinsicht gutklingende Album einmal
natürlich ein Nachweis seiner musikalischen Fähigkeiten
als Komponist, Arrangeur und Gitarrist ohne eindeutige
Stil-Präferenzen, auf der anderen Seite transportiert es
eine Menge Musik, die man sich gut als Soundtrack
vorstellen kann Musik also, die Bilder zuläßt.
Eingängige Melodien und sehr mainstreamige Strukturen
bestimmen AVRs Songs without words"
einige der zahlreichen Fans seines monatlichen Workshops
in diesem Magazin werden sicherlich etwas
abgefahrenere, schrägere Sachen" von ihrem
Meister erwartet haben; aber der predigt ihnen ja
schließlich seit Jahren nicht nur den Mut zur
Individualität, sondern auch Toleranz und Offenheit
gegenüber jeder Art von gutgemachter Kunst. Ich
wollte vielleicht verwunderlicherweise
keine Revolte, dafür war mir die Musik zu schade. Ich
hatte immer den tiefen Wunsch zu zeigen, welche Kraft
hinter aufrichtigen Gefühlen und Liebe steckt."
Songs ohne Worte, aber mit viel Emotion. (ju)JOACHIM
SCHÖNECKER
Common Language
sunny moon/double time rec
Er ist Gitarrist, Anfang 30, studierte in Hilversum und
Köln, und gehört eindeutig zu den stilsichersten
Interpreten des modernen Jazz. Was Joachim Schönecker
vor einem Jahr mit Pianist Larry Fuller, Bassist John
Goldsby und Drummer Jeff Hamilton für Jamey Aebersolds
Label Double-Time Records" einspielte, ist
eine Mischung aus eigenem Material, Fremdkompositionen
und bekannten Standards. Und zeigt er sich einerseits als
Single-Note-Player mit sehr eigenem, knochigem Ton, mit
einer eleganten Phrasierung, die sowohl bekannte
Klischee-Pass-Agen wie Virtuositäts-Beweisketten
vermeidet, wird ausgerechnet bei Monks gerngefleddertem
Meisterstück ,Round Midnight die ganze Klasse dieses
Instrumentalisten deutlich solo. Halbakustischen
Mainstream-Jazz interessant zu gestalten und dabei
trotzdem Individualität zu zeigen ohne die Genre-Grenzen
zu strapazieren, ist keine leichte Aufgabe. Er hats
drauf. Jetzt muß Joachim sich nur noch eine
internationale Schreibweise für seinen umlautigen
Nachnamen einfallen lassen, der im Zusammenhang mit
seinem Album in vier Varianten auftaucht. Aber in
Deutschland kann ja auch niemand Guns N Roses
schreiben. (Bestellungen an Sunny Moon, 0761
78622) (lt)
STEVIE RAY VAUGHAN & DOUBLE
TROUBLE
Live At Carnegie
Hall
sony/epic
Dieses Wohltätigkeitskonzert des erfolgreichen
Blues-Rockers fand am 4. Oktober 1984 statt, und SRV,
Drummer Chris Layton und Bassist Tommy Shannon spielten
ihre bewährte Mischung aus Klassikern und eigenem
Material bis hierhin nichts Neues also. Allerdings
spielen bei ca. der Hälfte der 14 Tracks noch eine Reihe
anderer Musiker mit, u. a. Stevies Bruder Jimmie an der
Gitarre, Dr. John an Piano und Orgel, die fünfköpfige
Roomful Of Blues Horn Section" und bei einer
Nummer die Sängerin Angela Strehli. Für Fans ein Muß,
für SRV-Einsteiger empfehle ich sein Debüt-Album ,Texas
Flood. (lt)
ROBBEN
FORD
The Blues
Collection
edel contraire
Das vorliegende Album
stellt einen Längsschnitt durch Robben Fords
Musikerkarriere dar, von seinen Anfängen in den frühen
70ern bis in die 90er Jahre, und enthält teilweise
bisher unveröffentlichte Aufnahmen. Zu hören ist Robben
mit Charlie Mussselwhite, der Charles Ford Band, Jimmy
Whitherspoon und Fords eigenem Trio The Blue
Line". Der Klang der Songs variiert, da hier von
Bändern mit unterschiedlicher Tonqualität gemastert
worden ist. Was im Klartext heißt, daß einige Nummern
ein bißchen muffig klingen, dies allerdings noch in
einem akzetablen Rahmen. Kommen wir zur Musik, deren
Qualität insgesamt OK ist: Die Platte zeigt deutlich,
daß Ford sein bluesiges Gitarrenspiel im Laufe der Zeit
um einige Fusion-Elemente erweiterte. Eine vor allem für
Fans interessante CD. (am)
BÉLA FLECK & THE FLECKTONES
Live Art
wea
Sie sind seit Jahren der Insider-Tip: Banjo-Virtuose
Béla Fleck, E-Bassist Victor Wooten, Sam Bush an der
Mandoline und Herr Future Man an der Synth Axe
Drumitar". Bei ihren Live-Gigs einige aus den
Jahren 92 bis 96 sind auf dieser DoCD
teilweise dokumentiert kamen immer wieder
hochkarätige Gäste dazu: Namen wie Paul McCandless und
Branford Marsalis (sax), oder Chick Corea und Bruce
Hornsby (p) sprechen für das Ansehen, das diese Band
genießt. Was Bela, Vic & Co. an diversen
elektrifizierten und akustischen Instrumenten betreiben,
ist der hemmungslose Umgang mit jeglicher Art von
ethnisch geprägter Instrumentalmusik. So werden
US-Country, Südafrika-Folk-Pop, Reggae, britische
Volkslieder, Fernöstliches, mal verspielt, mal mit
klassisch virtuoser Strenge zu Bausteinen für den
eigenwilligen Flecktones-Sound. Diese Selbstbedienung im
Weltmusik-Markt geschieht dabei so unverkrampft und
offen, daß die bekannten Ethno-Peinlichkeiten hier erst
gar nicht aufkommen können. Für Fans von virtuoser,
eingängiger wie anspruchsvoller Instrumentalmusik. (lt)
DIDIER
LOCKWOOD
New York Rendezvous
fenn music/jms
Lockwood gehört zu den wichtigsten Jazz-Geigern des
vergangenen Jahrzehnts, und, wie Kollege Jean-Luc Ponty,
nicht zu den innovativsten. Dafür hat er ein solides
Gefühl für stilsichere Interpretation entwickelt, für
zupackende Themen und gute Bands. Begleitet wurde er bei
diesen 1995 entstandenen Aufnahmen von Peter Erskine
(dr), Dave Holland (b), Dave Kikoski (p) sowie zeitweise
den Gästen David Liebman (sax), Gil Goldstein (acc) und
Mike Stern (g). Abgesehen von den letzten beiden Tracks,
den schwächeren des Albums, (mit Goldstein und Stern),
geht es um swingenden, akustischen Mainstream, teilweise
mit Bop-Energie. Solide. (ju)
MEREDITH
BROOKS
Blurring The Edges
emi/capitol
Das Album und vor allem die Single ,Bitch haben
Erfolg, in den USA und allmählich läuft das Geschäft
auch hier. Stilistisch kann man Meredith Brooks mit
diesem Album in die Alanischublade stecken; aber wäre
sie zuerst dagewesen, dann... Mal sehen, wie sich die
sympathische Sängerin und Gitarristin noch
weiterentwickelt dieses runde Charts-taugliche
Rock-Debüt läßt jedenfalls einiges erwarten. (lt)
CORE
Not Your Size
edel/marlboro
Sie kommen mitten aus
Europa, aber klingen sie auch so...? Irgendwie schon. Und
auf den Booklet-Fotos schauen Sängerin Sonja und ihre
vier Mitmusiker so manisch-depressiv aus der Wäsche,
daß man sich fragt, wie diese optimistische wie
originelle Popmusik überhaupt entstehen konnte. Schöne
Noise-Gitarren kontrastieren immer wieder die
eingängigen Songs, und diese Band groovt permanent, egal
ob die Nummer nun rockt oder funkt. Außerdem: Der
Titelsong ,Not Your Size müßte eigentlich ein sicherer
Hit werden. Gute Band. (lt)
SNEAKER
PIMPS
Becoming X
Virgin
Vor einem Jahr
erschien dieses Album bereits, jetzt liegt die trendy
Remix-Version vor mit neuem Cover und altem Namen
das muß man sich mal vorstellen. Das britische
Rock-Quartett um Sängerin Kelli Dayton spielt weiterhin
trippige, groovige Popmusik mit düsteren Ecken und
scharfen Kanten handmade. Wer die Sneaker Pimps
noch nicht entdeckt hat, sollte das jetzt tun. (lt)
VAN
DER MEER
Static Warp Bubble
polydor
Sängerin Susie van
der Meer kommt tatsächlich von der Nordsee; mit einem
Zwischenstop in Hildesheim gelangte sie in ihre neue
Heimat Berlin sie hat also von rauher Natur über
Studentenstadt-Langeweile bis zur wendekadenten deutschen
L.A.-Variante alles aufgesogen, was die Nordhälfte der
Republik bietet. Natürlich klingt ihr neues Album, das
sie zusammen mit Ben Lauber (dr) und Moses Schneider (b)
produziert hat, etwas nach den Sneaker Pimps, allerdings
geht der Trip hier stärker in Richtung Pop und kommt
auch nicht vom Hop sondern spiegelt viel eher etwas von
Velvet-Underground-Songs wider (so VUs ,Ill Be Your
Mirror-Gitarre im genialen ,Shakin An
Ass) oder zitiert Bowie-Grooves der Berliner
,Heroes/Low/Lodger-Phase. Und dabei klingt das
Ganze mehr als zeitgemäß nach den 90ern Trance,
Drum & Bass, alles schon mal gehört bringt
aber dabei die kleinen schrägen Zutaten, die aus einigen
guten Songs ein gelungenes Album machen. Ein wirklich
gelungenes Album... (lt)
NENEH
CHERRY
Neneh Chérie
Remixes
virgin
Auf dieser CD sind
Neneh Cherrys Hits vom letzten Album ,Man von
angesagten französichen Remixern verarbeitet worden. Wer
eine Vorliebe für Remixes hat und Nenehs Musik mag, wird
hier sehr gut bedient. Von den Original-Tracks ist
manchmal nur noch die Gesangslinie übriggeblieben,
ansonsten wurden Grooves, Sounds und Arrangements neu
angelegt. Herausgekommen ist hierbei eine überaus
tanzbare, druckvolle, kurzweilige Scheibe, die mit dem
La Funk Mob Remix" von Woman" einen
richtig mystischen Knaller enthält. Schön. (ds)
JOHN
LYDON
Psychos Path
virgin
Mal abgesehen vom
anstrengenden Gesang des Ex-PIL und -Sex-Pistols-Sängers
bietet das erste richtige Solo-Album von John Lydon ein
recht ansprechendes Programm. Lydon bekennt sich zur
Jetzt-Zeit, verknüpft aktuelle Dance-Sounds mit
ungewöhnlichen Song-Strukturen, und liefert obendrein
nicht nur neue Stücke, sondern direkt auch noch deren
Remixes dazu. Für letztere waren immerhin so angesagte
Fachleute wie Leftfield, Moby und die Chemical Brothers
engagiert, was diesem Album einen Extra-Kick gibt. (ds)
PAUL
WELLER
Heavy Soul
mercury
Der Gitarren-Sound von
Paul Weller erinnert immer ein wenig an Neil Young, und
auch seine Songs kommen ähnlich rauh und ungeschliffen
rüber. Allerdings läßt Weller anderen Instrumenten wie
Piano, Streichern oder Percussion viel Raum. Stilistisch
bewegt sich ,Heavy Soul zwischen dreckigem Rock und jazzig
angehauchtem Soul/Funk mit Sixties-Feeling. Die Stücke
klingen lebendig und vermitteln, vor allem Dank Wellers
trockenem Gesang, eine Atmosphäre ohne gekünsteltes
Pathos, wie man sie schon vom genialem 93er Album
,Wild Wood kennt. ,Heavy Soul ist
eine klasse neue Platte vom Britpop-Altmeister. (am)
DOKKEN
Shadowlife
bmg/rca
Als zuletzt in den
80ern erfolgreicher Metal-Act hat man es ja heutzutage
nicht leicht: Spielt eine Band wie Dokken den alten
Stiefel wie vor zehn Jahren, wollens nur die
wenigsten hören, paßt man sich den gegenwärtigen
Trends an, werden die alten Fans möglicherweise
vergrault. Dokken haben sich trotzdem für letzteres
entschieden und damit den richtigen Weg eingeschlagen.
Hardrock mit einem Faible für Led Zeppelin, die Beatles
und Hendrix ist die grobe Richtung, wobei die Songs einen
dezenten Blues-Charakter besitzen. Das alles erinnert ein
bißchen an Landau und die Raging Honkies, nur sind die
Stücke von Dokken eingängiger und animieren mehr zum
Mitschunkeln. Die Musik verbreitet Atmosphäre und bietet
genau das, was man von einer guten Rock-n-
Roll-Scheibe erwartet: Abgeh-Rocker, Midtempo-Groover und
stimmungsvolle ruhige Nummern. Das sollte eigentlich auch
die alten Fans überzeugen, und es bleibt zu hoffen, daß
Dokken einige neue hinzugewinnen kann. Tip des Monats. (am)
DEEP
PURPLE
Live At The
Olympia
emi/spin
Während Ritchie
Blackmore in Renaissance-Melodien schwelgt, rocken die
alten Kollegen von Deep Purple wie eh und je durch die
Weltgeschichte. Das vorliegende Live-Album dokumentiert
dies eindrucksvoll, denn die Band ist immer noch in guter
Form und präsentiert die alten Klassiker sowie aktuelles
Material gleichermaßen überzeugend. Und Steve Morse
zeigt hier definitiv, daß er mehr ist als nur ein Ersatz
für Blackmore. (am)
MICHAEL
ROSE
Dance Wicked
crs/heartbeat
Michael Rose,
Ex-Leadsänger von Black Uhuru, legt mit ,Dance Wicked das
definitive Reggae-Album dieses Jahres vor. Abgesehen von
zwei peinlichen Bonus-Tracks, die wohl als Zugeständnis
an den US-Markt zu verstehen sind, glänzt das Werk durch
die gelungene Fusion von traditionsbewußten Roots mit
modernen Dancehall-Klängen, was zu großen Teilen auf
die Kappe des angesagten Produzenten-Duos Mafia &
Fluxy gehen dürfte. Wenn ich mich nicht schwer irre,
wird dieses Album in den nächsten Monaten auf jedem
Reggae-Dance das Dach von der Hütte blasen. Wicked! (jk)
Diese und eine Menge
weiterer CD-Besprechungen, sowie Interviews,
Testberichte, Workshops, Transkriptionen, News etc.
erscheinen in Gitarre & Bass 09/97.
Ab Montag den 18. August im Handel!
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