G&L Asat Silver Flake

G&L Asat Silver Flake

Es wird plötzlich so hell in meinem Zimmer – die beiden G&L Asat und eine Gibson Les Paul, über die wir in der nächsten Ausgabe berichten, haben komplett Silberglitterflake-Kleidchen an! Da hilft nur eins: Sonnenbrille auf und durch!

George Fullerton, der für das „G" in der Firmenbezeichnung steht, war ein langjähriger Weggefährte Leo Fenders (richtig, das „L" steht für „Leo"). Fenders ursprüngliche Firma war längst an CBS verkauft, und Leos erfolgreiches Zwischenspiel bei der Firma Music Man, das, z. B., den Stingray Baß hervorbrachte, war ebenfalls zu Ende, als in den späten 70er Jahren die Firma G&L aus der Taufe gehoben wurde. Das vertraglich mit CBS festgelegte und auf 15 Jahre befristete Berufsverbot für Leo Fender war gerade ausgelaufen, und gleich entwickelten George und Leo mehrere Gitarren- und Bass-Modelle, die natürlich alle nicht weit vom Stamm der Fender-Klassiker fielen – ganz im Gegenteil, denn die G&L-Instrumente stellten eine Weiterentwicklung der Fender-Instrumente dar, die sich in vielen Details zeigt.

So sehen die beiden Asat-Modelle, die wir hier als Testmodelle vorliegen haben, auf den ersten Blick zwar wie „hundsgewöhnliche" Tele-Varianten aus, aber wartet mal ab – „G" und „L" waren schon immer ein großartiges Team, das sich nie auf alten Erfolgen ausruhte, sondern immer nach vorne blickte. Das zeigt sich auch an dieser, „L"s letzter Wirkungsstätte (Leo Fender verstarb im März 1991). Wenn ihnen auch längst nicht der wirtschaftliche Erfolg beschieden war, den die neuen Besitzer ihrer ehemaligen Firmen einheimsen, gelten unter Kennern die G&L-Instrumente als absolute Geheimfavoriten, wenn es um zeitgemäße „Fender"-Adaptionen geht.

konstruktion
Der Tele-typische Korpus der Asat wurde aus einem einzigen Stück teurer und gutklingender Sumpfesche geformt. Zumindest lassen die wenigen Stellen, an denen das Holz unlackiert ist (z. B. in der Lasche, die den Halsfuß aufnimmt), keinerlei Nahtstellen erkennen. Die Silberpartikel der Silver-Flake-Lackierung sind auf eine grau-silberne Grundierung aufgetragen, mit Klarlack überlackiert und auf Hochglanz poliert worden, so daß die Gitarren aus ein paar Metern Entfernung wie aus glänzendem Stein gemeißelt aussehen. Da auch die obere Schicht des zweischichtigen Schlagbretts (weiß, flake) eine Metal-Flake-Behandlung bekommen hatte, wird der Eindruck einer „stoned" Super-Tele noch verstärkt.

Der hochglanzlackierte, recht kräftige Asat-Hals bringt gleich mehrere clevere Ideen der beiden Altmeister zutage. Da ist zum einen die patentierte „Bi-Cut-Neck"-Konstruktion, die zum Einbau des Stahlstabes, zur Halsstabilisierung und -einstellung dient. Hierbei wird der gesamte Hals der Länge nach aufgeschnitten, der Halsstab in eine entsprechende Ausfräsung eingelegt und dann die beiden Halshälften wieder zusammengeleimt. Mit Hilfe einer Presse werden beide Hälften nun untrennbar miteinander verbunden und tatsächlich: Selbst mit meiner neuen Lupe (Dieter, Du mußt Dir nun ein anderes Geburtstagsgeschenk ausdenken!) konnte ich die Nahtstelle des Halses der Rosewood-Asat nicht ausmachen. Lediglich bei der Maple-Version wird durch eine geringe Verschiebung der Maserungs-Kennlinien ersichtlich, daß der Hals schon einmal aufgeschnitten war.

Laut G&L ist der Hals dank dieses Patentes auch stabiler, was ich nicht so ohne weiteres nachvollziehen kann. Natürlich sind mehrstreifige Konstruktionen immer verwindungssteifer als einteilige, allerdings sind sie für die Schwingungsentwicklung der Saiten nicht immer optimal – man denke nur an die vielstreifigen Hälse alter Framus-Instrumente! Der Kompromiß, den G&L hier präsentiert, scheint jedoch eine optimale Lösung darzustellen, denn ihre Hälse sind praktisch zweiteilige Einteiler...

...die am 15. Bund, wie wir das bei einer Tele gewohnt sind, in den Korpus übergehen. Als Halsbefestigung hat sich G&L für ein 3-Loch-System entschieden. Wir erinnern uns: Fender-Instrumente in einigen 70er-Jahre-Serien wurden ebenfalls mit drei Schrauben zusammengehalten und waren nicht gerade beliebt, weil die Ausführung der Fender-Konstrukteure zu wünschen übrig ließ; die Hälse saßen damals nicht allzu stabil in ihren Ausfräsungen. Nun, G&L setzt trotzdem auf drei Löcher, und macht es einfach besser als Fender damals. Die Ausfräsung des Korpus nimmt den Halsfuß perfekt auf und der Hals sitzt somit bombenfest.

Neben den drei kräftigen Holzschrauben, die durch eine schwarz eloxierte Halsplatte laufen und den Hals festzurren, befindet sich noch ein Zugang zu einer vierten Schraube, die mit einem Inbusschlüssel bewegt werden kann. Diese Schraube drückt von innen gegen ein rundes, in den Halsfuß eingelassenes Metallstück und kann den Winkel des Halses zum Korpus einfachst beeinflussen. Eine Änderung des Halswinkels kann z. B. dann nötig sein, wenn eine andere Saitenstärke aufgezogen wird und eine gleichmäßig gute Saitenlage mit dem vorherigen Halswinkel nicht einstellbar ist. Justierungen des Halsstabs, die sich ja nur auf die Krümmung des Halses auswirken, enden dann allzu oft in einem Kompromiß. Viele behelfen sich in solchen Fällen mit dünnen Furnier- oder Pappstreifen, die sie zwischen Hals und Korpus legen; bei G&L dreht man einfach an einer Schraube, bis die Saitenlage in unteren, mittleren und oberen Lagen wie gewünscht ist. Fender nannte dieses System damals, das ebenfalls zu ihrer Art der Dreiloch-Befestigung dazugehörte, „Neck Tilt Adjustment". Eine prima Sache, wie ich finde.

Schade, daß die Hälse beider Gitarren ein ganz klein wenig schief eingebaut wurden. Die Saiten verlaufen deshalb nicht hundertprozentig parallel zur Halsausrichtung, was zur Folge hat, daß sich in den oberen Lagen die hohe E-Saite recht nah am Griffbrettrand befindet und bei Pull-Offs gerne abrutscht. Auch wenn es sich hierbei nur um den Bruchteil eines Millimeters handelt, wird die Bespielbarkeit der ansonsten perfekt gearbeiteten Gitarre doch eingeschränkt.

Die Hälse verfügen über 22 Bünde, die verwendeten Bundstäbchen sind mittlerer Jumbo-Stärke und recht hoch, so daß bei normaler Andruckstärke der Finger das Griffbrett gar nicht berührt. Die Saiten laufen durch den Knochensattel schnurgerade über die parallel zum Hals ausgerichtete Kopfplatte zu den sechs geschlossenen Mechaniken, wobei e- und H-Saite von einem Saitenniederhalter fest in den Sattel gedrückt werden.

Die Form der Kopfplatte ist für das gesamte Erscheinungsbild einer Gitarre sehr wichtig, und meiner Meinung nach ist die für eine Tele-Gitarre ein wenig zu stratmäßig ausgefallene G&L-Kopfplatte eines der wenigen Designs, das eine ähnliche gelungene Ästhetik aufweist wie die verschiedenen Fender-Modelle. Die Fender-Designs sind natürlich alle patentiert, und schon unzählige Prozesse gegen Kopierer sind geführt worden, so daß selbst der Mann, der sie einst erfunden hatte, gezwungen war, sich etwas Neues auszudenken. Nun – es ist ihm gut gelungen, wenn ich auch finde, daß er seinen Tele- und Strat-Modellen eine unterschiedliche Kopfplatte hätte gönnen können!

Der Zugang zum Halsstab befindet sich gleich hinter dem Sattel. Er liegt offen, der Halsstab kann mit einem gewöhnlichen Inbusschlüssel leicht bewegt werden – das freut den Servicemensch! ...

Ü B E R S I C H T

(in Klammern das Modell mit Maple-Griffbrett, wenn Werte abweichen)

  • Fabrikat: G&L
  • Modell: Asat Silver Flake Rosewood (Maple)
  • Herkunftsland: USA
  • Typ: Solidbody
  • Mensur: 645 (mm)
  • Hals: Ahorn mit Rosewood-Griffbrett („One Piece"-Maple)
  • Halsform: rundlich, kräftig
  • Halsbreite: Sattel: 42,00; XII. Bund: 52,00 (mm)
  • Halsdicke: I. Bund: 20,50; V. Bund: 21,50; XII. Bund: 22,50 (mm)
  • Korpus: Sumpfesche
  • Oberflächen: Silver Flake, transparenter Klarlack, hochglanzpoliert
  • Tonabnehmer: 2´ G&L Magnetic Field Pickup (Singlecoil)
  • Bedienfeld: Drei-Weg-Pickupschalter, 1 Volume, 1 Tone
  • Steg: G&L Saddle Lock Bridge mit sechs verstellbaren Einzelreitern und „Lock"-Funktion
  • Hardware: verchromt
  • Mechaniken: G&L, verschlossen und dauergeschmiert
  • Saitenlage: E-1st: 1,5; E-6th: 2,5 (mm)
  • Testpark: Fender Super Six Reverb, Fender Twin, Reu-o Grande Top + Box
  • Gewicht: ca. 4,0 (3,75) (kg)
  • Preis: ca. DM 2900,– inkl. Koffer

Heinz Rebellius

 

Dieser Testbericht – und eine Menge mehr – erscheint in voller Länge in Gitarre & Bass 09/97. Ab Montag den 18.08. im Handel!

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