Lowden S35 Rosewood

Lowden S35 Rosewood

Lowden Akustik-Gitarren genießen in der Branche allgemein höchstes Ansehen. Wenn dann noch ein Instrument aus der Premier Range Serie beim Tester eintrifft, ist die Spannung natürlich besonders groß.

Wird die irische Company dem durch extrem saubere Verarbeitung und liebevolle Konstruktion erworbenen guten Ruf auch weiterhin gerecht? Oder schleichen sich nach all den Jahren auch hier – wie in anderen Branchen häufig zu beobachten – durch Profitdenken bestimmte Macken ein?

konstruktion
Eine erste Begutachtung kann die Testerseele schon einmal beruhigen: Die vielen Lowden-typischen Kleinigkeiten, die in anderen modernen Produktionsbetrieben fast schon zum Luxus zählen würden, gönnen sich die Nordiren auch weiterhin. Da sind zum Beispiel der aus Holz geschnitzte Gurtknopf zu nennen oder die diesen Knopf haltende, keilförmige Zargeneinlage aus Nußbaum, welche auf Gehrung mit den Korpuseinfassungen verbunden ist. Oder das kleine Palisanderfurnier am Ende des Halsstocks, welches einen optisch nahtlosen Übergang zwischen Halsstock und Boden schafft. Solche liebevollen Details, mit großer handwerklicher Präzision ausgeführt, sagen natürlich eine Menge aus über die Haltung und den Anspruch, den ein Hersteller seinen Produkten entgegenbringt. Sei es an Decke (Sitka-Fichte) und Korpus (Palisander), Griffbrett (Ebenholz) und Hals (Mahagoni), Kopfplattenfurnier (Palisander) und Kopfplatte (Mahagoni) – überall, wo verschiedene Hölzer aufeinandertreffen, gibt es teilweise sehr schmale, feine Bindings und Einlagen aus kontrastierenden Hölzern.

Der schlanke Hals der Lowden ist dreiteilig konstruiert. Zwei Mahgonistücke sind durch einen in der Mitte verlaufenden Nußbaumstreifen verbunden. Dieses Motiv findet sich auch in der Bodenplatte wieder, welche ebenfalls durch eine Nußbaumfuge geteilt wird. Das mit einer Abalone-Rosette geschmückte Schalloch gibt den Blick auf hauchdünne Bracings frei, an denen nicht eine Spur von Leimresten zu finden ist. Die durch den schnurrbartförmigen Palisandersteg eingefädelten Saiten laufen über eine für h2 und e1 zweigeteilte Stegeinlage zu den offenen, vergoldeten Mechaniken. Ja richtig, offene (!) Mechaniken, denn die Kopfplatte ist durchbrochen, wie sonst üblicherweise bei Konzertgitarren, ausgeführt. Dies paßt wunderbar zu der kleinen Korpusform der Lowden. Das „S" (für small) in der Modellbezeichnung steht bei Lowden nämlich für die kompakteste Korpusform. Das hier vorliegende Modell ist mit all seinen Features natürlich auch in den anderen, größeren Serien O, F und D erhältlich...

Paul Schleip

Dieser Testbericht erscheint ungekürzt, unzensiert und in voller Länge, in Gitarre & Bass 09/97. Ab Montag den 18.08. im Handel!

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