Steve Lukather

Steve Lukather

„Doch nicht schon wieder ein Interview mit Steve Lukather!?" Nö. „Aber er hat doch ein neues Album..." Egal. Man kann es nun mal nicht jedem recht machen. Und andere Kinder haben noch nicht mal eine Gitarre...

Über den ganzen Gitarrenkram müssen wir uns wirklich nicht mehr unterhalten", meinte Steve während unseres Gesprächs nach seinem Kölner Gig, Ende Juni. „Es hat sich eigentlich nichts geändert. Same shit than ever!"

Andererseits hat sich aber doch was getan: Luke, bei der letzten Tour noch mit einem opulenten Bauchlappen ausgestattet, hat einige Kisten Bier abgespeckt; er wirkt fast schon sportlich fit, ist aber dabei auch etwas müde von der laufenden Tour: Über drei Wochen waren er und seine Band ohne Off-Day unterwegs, meist auch ohne Hotel, statt dessen mit Nachtfahrten im Tour-Bus. „Wie ich das früher ausgehalten habe, ist mir ein Rätsel", erzählt Steve. „Dann war ich irgendwann 40 Jahre alt und konnte mich nicht mehr anschauen." Was folgte war eine Intensivbehandlung mit viel Sport (600 Situps/Tag etc.), viel Wasser, maximal 10 Zigaretten und möglichst ohne Alkohol – alles ein Versuch, den Kopf und den Unterbau wieder klar und in Form zu bekommen. „Ich hatte eine ganze Menge privater Probleme, durch die ich durch mußte."

Wichtig war für Luke auch die Zusammenarbeit mit Jeff Beck – er produzierte dessen demnächst erscheinendes Album. „Jeff changed everything!" Neben „einer Menge an Disziplin", die Steve beeindruckte, strahlte der Altmeister auch musikalisch auf Lukather: So war während des Kölner Gigs auch eine Beck-Nummer, brav mit dem Daumen gespielt, zu hören. Luke: „Ich gab Jeff im Studio mal ein Plektrum – und damit klang er wie jeder andere. Ich hab ihm dann nahegelegt, das Ding wegzuwerfen."

Lukather selbst klingt mit oder ohne Pick (fast) so wie schon immer: Sein sich über die Jahre immer mehr in den Presence-Bereich verschobener Gitarren-Sound ist inzwischen so scharf wie nie – aber er bleibt charakteristisch, egal ob er nun eine eigene Nummer, Hendrix’ ,Red House‘ oder etwas von Toto spielt. Womit wir beim Thema sind: Vor einigen Wochen geisterte ein offizielles Statement Lukathers durch die Welt, er habe Toto verlassen, in aller Liebe, mit besten Wünschen usw. Eine entsprechende Nachfrage quittiert Luke mit einem leicht dreckigen Grinsen: „Wir haben ein Angebot bekommen, das wir nicht ablehnen konnten. Wir werden uns allen jetzt erst mal etwas Zeit lassen, für andere Sachen, und in ein, zwei Jahren machen wir wieder was." Wenn Mr. Steven Lukather bis dahin nicht Sprecher der US-Regierung geworden ist. Diese hyperdiplomatische Antwort hatten wir doch schon mal? Business as usual also...

Live geht Luke wie immer ganz straight zur Sache: Vom ersten Ton an steht der Sound, die Band ist 100 % zusammen: Drummer Gregg Bissonette, Bassist Phil Soussan und Keyboarder/Gitarrist Brett Tuggle unterstützen Lukathers Gesang optimal, und bei seinen gut dosierten Soli wird kräftig Dampf unter die Linien gefahren – eine echte Kapelle. Da bleibt dann auch ganz schnell der erste, oberflächliche Eindruck auf der Strecke, den ich bei einigen Songs des neuen ,Luke‘-Albums hatte: „Tom Petty und die Beatles spielen Toto...?" Na ja, das Spektrum ist doch etwas weiter gefaßt und tangiert zumindest die Punkte „Rock", „Gitarrenmusik", „Songs" und „Bewährtes". Mit Steve Lukather muß man also weiterhin rechnen. (lt)

Im Gegensatz zum Vorgänger-Album ,Candyman‘ (1994) dominieren bei Steve Lukathers aktueller CD ganz klar die Gitarren; der Einsatz von Keyboards reduzierte sich auf ein Minimum. Aber auch stilistisch hat sich ein deutlicher Wandel vollzogen: Das tighte Fusion-Konzept der Lobotomys, mit viel Raum für solistische Ausflüge, ist einem Band-Sound gewichen, der deutlich von Gitarren-Combos der 90er Jahre inspiriert wurde, dabei aber auch Einflüsse aus Folk und Country verarbeitet und, wieder einmal, das musikalische Erbe der Beatles zitiert. Dem gegenwärtigen Trend der Zeit verpflichtet, verzichtet Luke öfter auch mal auf seine spektakulären Gitarrensoli. Er widmet fast seine ganze Aufmerksamkeit der angestammten Funktion der Gitarre in einer Rock-Band: der Begleitung.

Bei der Entwicklung Song-dienlicher Riffs und Chords war die Suche nach neuen Wegen jenseits sattsam bekannter Klischees sein klares Leitmotiv, wie die folgenden Ausschnitte aus drei Stücken des aktuellen Albums zeigen.

Ein kurzer Hinweis vorab: Für die Beispiele 1 bis 3 wurden Gitarre und Bass um einen Halbton nach unten zum Eb heruntergestimmt. Beispiel 4 ist auf Gitarren mit Standard-Tuning eingespielt; bei allen Songs waren mehrere Gitarren im Einsatz. Die für die Transkriptionen ausgewählten Tracks erschienen mir am repräsentativsten.

  • Beispiel 1a: Das Intro-Riff von ,Love The Things You Hate‘ besteht aus zweimal zwei Takten mit einer gemeinsamen Idee für die ersten anderthalb Takte und zwei harmonisch variierten Schlüssen. Die Akkordangaben stehen hier für Sounds, die nur angedeutet werden. Der eigenartige Sound der Zweiklänge, die im Wechsel mit der leeren A-Saite gespielt werden, entsteht durch zwei gleichzeitig angesteuerte Amps mit Crunch- (Amp 1) und Clean-Sound (Amp 2). Die passende Bassline liefert Beispiel 1b.
  • Beispiel 2a stammt ebenfalls von ,Love The Things You Hate‘ (auf der CD ab 2.39 min). Die viertaktige arpeggierte Akkordfolge wird insgesamt viermal gespielt, die Basslinie von Beispiel 2b entspricht der dritten Wiederholung (auf der CD ab 3.00 min).
  • Beispiel 3a: ,Don’t Hang On Me‘ klingt durch die häufigen Taktwechsel, wie sie auch für Crossover typisch sind, ziemlich hip. Das Konzept kennen wir aber von früheren Toto-Scheiben (z. B. von ,Jake To The Bone‘, auf ,Kingdom Of Desire‘, 1992). Auch auf ,Candyman‘ finden wir viele Beispiele für ungerade Taktarten und Taktwechsel (spektakulär z. B. ,Party In Simon’s Pants‘). Ab Takt 17 tauchen wieder die für das Album so typischen arpeggierten Akkorde auf. Für problemlose Koordination mit dem Bass (Beispiel 3b) sorgen durchlaufende Taktnummern.
  • Beispiel 4 besteht aus einem größeren Ausschnitt aus ,Bag O’Tales‘ beginnend mit dem Gesang (auf der CD ab 0.13 min). Das ganze Stück klingt deutlich nach den Fab Four; wer das sogenannte ,White Album‘ (,The Beatles‘, 1968) kennt, hat eine Menge ähnlicher Voicings und Gitarren-Arrangements schon mal gehört. Auf den Bass-Part muß hier aus Platzgründen verzichtet werden. Use Your Ears! (wk) n

Die Transkriptionen zu diesem Feature über Steve Lukather, sowie eine Menge weiterer Interviews, Testberichte, Workshops, CD-Besprechungen, News etc. erscheinen in Gitarre & Bass 09/97. Ab Montag den 18. August im Handel!

Text: Lothar Trampert/W. Kehle
Transkriptionen: Wolfgang Kehle

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