Marshall JCM 601, JCM C12

Marshall JCM 601, JCM C12

Als der Karton den neuen Marshall-Amp freigab, fühlte ich mich um exakt zwei Jahre in die Vergangenheit versetzt. Genau, in Ausgabe 9/95 gab es einen Testbericht der vier aktuellen JTM-60-Combos, die sich durch verschiedene Lautsprecherbestückungen unterschieden.

Klanglich und von der Ausstattung betrachtet, konnten die Teile gefallen – wenn die Farbe des Kunstlederbezugs nicht die gesamte Band-Optik durcheinander brachte. Dann erschien Anfang 1996 ein Topteil auf der Bildfläche, das dann erst fast ein Jahr später in Ausgabe 4/97 zum Test bereitstand, weil der Hersteller immer noch letzte Feinheiten aus der Schaltung herauskitzelte. Das hat sich für manche Gitarristen gelohnt, denn das Topteil klang halt „amerikanischer". Die damalige Frage: „Wann wird denn die komplette Serie entsprechend modifiziert?", ist jetzt nach Öffnen des Kartons beantwortet: typischer Marshall-Look, also schwarzer Bezug, Bezeichnung „JCM"...

praxis
Damit das Ganze nicht in wiederholtes Aufzählen von Ausstattung usw. ausartet, soll der neue Sproß lieber zeigen, was er klanglich zu bieten hat. Damit er nicht so alleine dasteht, hilft ihm die passende Zusatzbox JCM C12, die mit dem identischen Speaker ausgestattet ist und ca. DM 550,– kostet.

Aber, alles der Reihe nach. Wie schon im JTM-Topteil-Test gehört, gibt sich der neue Combo weniger „britisch" als denn amerikanisch. Das bedeutet im Klartext, daß der cleane Sound im Vergleich zu Standard-Marshalls nicht nur runder und wärmer klingt, sondern auch ziemlich laut ist. Ähnliches gibt es im Zerr-Kanal zu vermelden, selbst mit leistungsschwächeren Singlecoils ist es möglich, singende Soli zu spielen, die sich trotzdem durchsetzen. Aha, daß die Endstufe wenig komprimiert und dem Spieler nicht unterstützend unter die Arme greift, ist erhalten geblieben. So muß man zwar mit Singlecoils etwas um die Töne kämpfen, was aber für das weitere Musikerdasein gar nicht schlecht ist. Positiv ist diese Amp-Charakteristik natürlich in Verbindung mit Humbuckern, denn sie verhindert, daß mit den gerne ab Werk installierten heißen Brummern allzu schnell alles zugematscht wird und die Gitarre im Bandgefüge untergeht...

Udo Klinkhammer

 

Dieser Testbericht erscheint in voller Länge in Gitarre & Bass 09/97. Ab Montag den 18.08. im Handel!

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