Ibanez SC 420

Ibanez SC 420

Ibanez S-Klasse hat mit Abgasnorm wenig am Hut. Wenn überhaupt, dann höchstens mit Beschleunigung, Fahrverhalten und -komfort. Keine Bange, Sie lesen nicht in einer neuen Autozeitschrift, sondern in der aktuellen G&B-Ausgabe!

Parallel zur bekannten S-Serie präsentierte der japanische Hersteller unlängst die S-Classic-Reihe, deren Gitarrenmodelle aufgrund ihrer PU-Bestückung, der Vibrato-freien Saitenaufhängung und des Kopfplattendesigns eher der klassischen Bauweise zugerechnet werden können....

praxis
Die SC420 bietet allerhöchsten Spielkomfort. Dieser zeigt sich nicht nur im geringen Gewicht und der optimalen Balance des Instruments – Wirbelsäule und Krankenkasse werden sich gleichermaßen freuen – sondern auch im gelungenen Halsprofil, der ergonomischen Formgebung von Korpus und Halsübergang und nicht zuletzt in den vorzüglichen Klangeigenschaften. Ausdrucksstarkem Spiel kommen die direkte Ansprache und schnelle Tonentfaltung entgegen. Das intensive Schwingungsverhalten von Hals und Korpus, nach jedem angeschlagenen Ton oder Akkord deutlich spürbar, sorgt, unterstützt durch das Short Stop II-Tailpiece, für langsam und gleichmäßig ausklingendes Sustain. Die nicht allzu hohen, rund abgerichteten Bünde bieten den Saiten definierte Auflagepunkte und sorgen für saubere Intonation. Unverstärkt entwickelt die S-Classic ein kraftvolles, ausgeglichenes Klangbild, das von einer deutlichen Wärme, angenehmer Brillanz und reichem Obertongehalt geprägt ist.

Beide Humbucker zeigen eine deutlich höhere Ausgangsleistung als beispielsweise Standard-PAFs. Unverzerrte Sounds werden glasklar und differenziert wiedergegeben. Selbst der Steg-PU legt eine angenehme Wärme an den Tag, die sicherlich auch auf den Mahagoni-Body zurückzuführen ist. Bissig wird der V2 erst, wenn man mit entsprechend hartem Anschlag zu Werke geht. Schalterstellung 2 bietet eine eigenständige Singlecoil-Variante, die zwar die bekannte Strat-Zwischenposition erahnen läßt, jedoch weitaus weniger „näselt". Ähnlich klingt auch Position 3, allerdings, da nun beide Humbucker aktiv sind, steht mit erhöhten unteren Mitten und Bässen und etwas weniger Brillanz wesentlich mehr „Wumms" zur Verfügung. Die parallel geschalteten Spulen des V1 wecken in Stellung 4 Assoziationen zum Hals-Singlecoil einer Strat. Hier stehen sehr schöne bauchige Blues-Sounds mit wohldosierter Brillanz zur Verfügung, die jedoch schaltungsbedingt im Pegel etwas abfallen. Einen erhöhten Baßanteil und das gewohnte Humbucker-Pfund liefert der Hals-PU in serieller, also konventioneller Spulenverdrahtung. Im Zerrbetrieb zeigen alle PU-Konstellationen transparente Klangbilder, die auch kompliziertere Akkorde noch gut erkennen lassen. Je nach Anschlagsintensität kann sich dabei der Hals-PU recht aggressiv in Szene setzen, wobei einzelne Töne auch gerne in ihre Obertöne umkippen. Besonders erfreulich ist jedoch, daß selbst bei High-Gain-Overdrive etwaige Störgeräusche der Tonabnehmer teilweise gar nicht festzustellen sind oder vernachlässigbar gering ausfallen, da aufgrund der Schaltung niemals eine einzelne Spule in Betrieb ist. Regler und Schalter hat man ergonomisch günstig plaziert...

Michael Dommers

Dieser Testbericht erscheint in voller Länge, in Gitarre & Bass 09/97. Ab Montag den 18.08. im Handel!

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