Ampeg V6B Bassverstärker
Ampeg V6B Bassverstärker

Ampeg V6B Bassverstärker

Der dicke SVT-Röhrenamp von Ampeg dürfte wohl der berühmteste Bassverstärker überhaupt sein. 1969 wurde der 300 Watt starke Bolide vorgestellt und ermöglichte in Zusammenarbeit mit einer riesigen 8´ 10"-Box fortan den Bassisten, lautstärkemäßig den mörderischen Verstärkertürmen ihrer enthemmten Gitarristen Paroli zu bieten. Im Schatten dieser Legende ist freilich ein transistorisiertes Parallelmodell kläglich verkümmert. Der V6B, ein 240 Watt starker Transistoramp, sollte eigentlich in Kombination mit 2´ 15"-Boxen den leistungshungrigen Bassisten mit schmalerem Geldbeutel nahegebracht werden, doch der fette SVT-Bolide überstrahlte damals in seiner Klasse alle Konkurrenten, auch die aus eigenem Hause. Groß und häßlich wie sein berühmter Bruder, ist die Transistorversion daher nicht annähernd so oft verkauft worden und heute entsprechend selten.

Unser altes Schätzchen wurde 1974 gebaut, und wir haben es als Second-Hand-Gerät in einem Musikgeschäft aufgestöbert, wo es für einen wirklich fairen Preis angeboten wurde. Auf der Front, die durch eine von hinten bedruckte Plexiglasschicht geradezu edel rüberkommt, findet sich eine typische Ampeg-Ausstattung: Übersichtlich und geradlinig, aber in seinen Möglichkeiten sollte der Verstärker nicht unterschätzt werden!

Für Bässe mit hohem und niedrigem Ausgangspegel stehen separate Klinkeneingänge zur Verfügung, und für den Wiedergabepegel ist der einzelne Volumenregler zuständig. Die Klangregelung ist im Prinzip vom SVT her gut bekannt, beim V6B nobel mit hochwertigen Rasterpotis ausgeführt (die übrigens auch heute noch einwandfrei funktionieren): Bässe, Mitten und Höhen können jeweils kräftig angehoben und abgedämpft werden, laut Beschriftung um +/–20 dB. Während der Bässeregeler ungemein fundamentstark ins Tiefengeschehen eingreift und in seiner Charakteristik durchaus „röhrenartiges" Pfund erzeugt, stehen für die Mitten wie beim Röhren-SVT drei vorwählbare Centerfrequenzen (300 Hz, 800 Hz, 3000 Hz) zur Auswahl. Ungewöhnlich an der Halb-Parametrik von Ampeg ist deren Aufbau als LC-Filter mit einer Ringkernspule, was gegenüber den üblichen, preiswerteren RC-Schaltungen einen gewissen Eigenklang einbringt. Der Höhenregler erfaßt den Anschlagsklick des Basses prägnant, ohne bei stärkeren Anhebungen klirrige Schärfe einzubringen, und für besonders brillante Sounds läßt sich noch der „Ultra Hi"-Schalter umlegen. Die Wirkung der Dreiband-Klangregelung entspricht in verblüffender Weise dem, was man vom Röhren-SVT her kennt, obwohl sie hier natürlich nicht mit Röhren, sondern mit hochwertigen Halbleiter-ICs aufgebaut ist.

Auf der Verstärkerrückseite findet sich ein großer, gerippter Kühlblock, auf dem die acht Endstufentransistoren und zwei Treibertransistoren sitzen, gegen Berührung und Kurzschluß nobel durch verchromte Lochbleche geschützt. Der V6B besitzt einen Effekt-Einschleifweg mit niederohmigem Send-Ausgang und hochohmigem Return-Eingang, der niederpegelig ausgelegt ist, um mit den damals üblichen Bodeneffekten verzerrungsfrei zusammenzuarbeiten. Der trafosymmetrische DI-Ausgang (abgezweigt von der Return-Buchse) gehört freilich nicht zur Originalausstattung des Amps, sondern wurde irgendwann einmal nachgerüstet. Zwei parallel verdrahtete Klinkenbuchsen stehen als Lautsprecheranschlüsse bereit, die Impedanz der Lautsprecher sollte die üblichen 4 Ohm nicht unterschreiten.

Interessant an der Konstruktion dieses durchaus potenten Bassamps ist die Servicefreundlichkeit. Durch separat demontierbare Baueinheiten für Vor- und Endstufe zeigt der V6B servicemäßig professionelles Format. Fest im Metallchassis sitzt ein großer Netztrafo mit der dazugehörigen Netzteilschaltung, alle Kabelverbindungen zwischen Frontplatte (Vorstufenschaltung und Netzschalter), Endstufenblock und Netzteil sind mit Steckverbindern ausgeführt.

Dieser seltene Bassverstärker erscheint trotz seines Alters noch uneingeschränkt bandtauglich, was natürlich für die Qualität seiner (hier noch unverbastelt erhaltenen) Schaltung spricht und ihn nicht nur für Sammler, sondern auch für Benutzer interessant macht. Verglichen mit einem modernen Bassamp dieser Leistungsklasse nimmt sich das schwere Holzgehäuse des Ampeg allerdings geradezu riesig aus, und tatsächlich transportiert man beim V6B auch eine Menge Luft mit. Aber schließlich stammt das (gar nicht so leichte) Stück aus einer Zeit, wo man auch optisch auf die damals enorme Ausgangsleistung aufmerksam machen wollte.

Dirk Groll

Diese Story, sowie eine Menge weiterer Interviews, Testberichte, Workshops, CD-Besprechungen, News etc. erscheinen in Gitarre & Bass 09/97. Ab Montag den 18. August im Handel!

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