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Walter Trout

Positively Beale Street

Walter Trout ist zufrieden: „Es gibt zwar immer wieder diese Zeiten, wo ich mir wünsche mehr Leute mit meiner Musik zu erreichen, aber auf der anderen Seite mache ich genau das, was ich liebe. Was kann man noch mehr verlangen?" Vielleicht, daß doch die eine oder andere seiner Platten über die Ladentheke geht, denn Walter Trout und seine Band sind seit Jahren ein Garant für gut produzierte Musik, angesiedelt im weiten Feld zwischen Rock, Gospel, Rock n Roll, Rhythm & Blues und Soul.

Walter Trouts erstes Instrument war eine Trompete, als Zehnjähriger spielte er bereits in einer Marching Band. Dann boomte in Amerika die Folk Music, und Walter wechselte zur Gitarre. Schließlich waren die Beatles der Auslöser dafür, sich seine erste Elektrische zu besorgen. Eines Tages brachte Trouts älterer Bruder ein Album der „Paul Butterfield Blues Band" mit nach Hause, mit Michael Bloomfield an der Gitarre. Und Walter war nicht mehr zu bremsen: „Als ich diese Platte hörte, wußte ich, was ich für den Rest meines Lebens machen wollte: eben genau das, was Bloomfield machte! Es gab niemanden zu dieser Zeit, der so spielte wie er. Er spielte Blues-Licks mit der Aggressivität des Rock n Roll, und das sehr schnell."

Seine Laufbahn als Profimusiker hat der heute 46jährige in den 70ern begonnen. Nachdem er einige Zeit mit Louisiana Red gespielt hatte, zog der junge Trout von New Jersey nach Kalifornien. Er war Mitglied in der Live-Band von John Lee Hooker und später jeweils fünf Jahre lang bei Canned Heat und John Mayall. Daneben spielte er mit Curtis Mayfield und Big Mama Thornton. (Weitere Infos zur Bio von Walter Trout in G&B 12/92)

1989 machte er sich schließlich selbständig, und jetzt liegt sein insgesamt siebtes Solo-Album vor, das den Titel ,Positively Beale St. trägt. Dort, in der legendären Straße in Memphis, Tennessee, hat die Walter-Trout-Band unter der Regie von Jim Gaines (dem Produzenten von Stevie Ray Vaughan, Santana, Eric Clapton, Luther Allison u. a.) ein gelungenes Album eingespielt, das in Sachen Blues-Rock keine Wünsche offen läßt.

Im Interview, spät in der Nacht nach einem gelungenen Gig, gibt Walter Trout Auskunft über sich und sein neues Werk.

Beale Street

Walter: Von den 20er bis zu den 40er Jahren war die Beale Street das Zentrum des schwarzen Teils von Memphis. Es gab dort viele Nachtclubs und Freudenhäuser. Als Martin Luther King 1968 in Memphis ermordet wurde, gab es einen Aufruhr, bei dem viele Gebäude der Straße abbrannten. Die Beale Street kam in der Folgezeit ziemlich runter. Vor zehn Jahren wurde sie renoviert, und jetzt ist sie wieder ein gesellschaftliches Zentrum der Stadt. B.B. King besitzt dort einen Club. Das Studio, in dem wir aufgenommen haben, befindet sich mitten in dieser Straße, die insgesamt aus drei Blocks besteht, an deren Ende der Mississippi fließt. Es war sehr inspirierend – dort gibt es 24 Stunden am Tag Musik. Du kannst die Beale Street die ganzen drei Blocks durchlaufen und du hörst vielleicht 20 verschiedene Blues-Bands.

Neue Songs...

G&B: Laß uns mal über dein neues Album sprechen. Der Song ,Mary’s Mood hat mich ein bißchen an jene melodische Art von Blues erinnert, die Gary Moore populär gemacht hat.

Walter: Das haben mir schon einige Leute gesagt. Als ich das erste Mal das ,Still Got The Blues-Album hörte, erinnerte es mich an Santana. Ich meine, die Dinge gehen immer weiter, und ich habe niemals viel von Gary Moore gehört, dafür aber eben sehr viel von Santana. Er ist ein Freund von mir, und ich bin von ihm sehr beeinflußt – musikalisch und menschlich. Es ist wirklich großartig, ihn zu kennen. Wenn es einen Einfluß gegeben hat, dann waren es mehr die Instrumentals, die Carlos gemacht hat, wie ,Europa und solche Sachen. Ich habe eher versucht, diese Art von Feel zu erreichen – mit Gary Moore bin ich nicht so vertraut.

G&B: Auf ,Obstacles In My Way spielst du Mandoline. Wie kam es dazu?

Walter: Ich dachte, es würde in das Stück passen. Vor vielen Jahren war ich der Mandolinen-Spieler in einer Bluegrass-Band, ich war so um die 20 Jahre alt. Es war sehr traditioneller Bluegrass, und ich war mit dem Instrument vertraut. Heute spiele ich es eigentlich nicht mehr. Auf meinem zweiten Album habe ich mal bei ,Love In Vain Mandoline gespielt. In der Mitte von ,Obstacles In My Way sprach ich mit Jim Gaines darüber, an dieser Stelle etwas Verrücktes zu machen. Und so spielte ich hier Akustikgitarre und Mandoline. Mein Mandolinenspiel war ursprünglich beeinflußt von Ry Cooder, und der wiederum von Yank Rachell. Vor einem Monat traf ich Ry Cooder. Ich gab ihm mein neues Album, und sagte, er solle sich den zweiten Song anhören, weil dort einige Einflüsse von ihm zu hören seien. Ich hoffe, er hat mal reingehört.

G&B: Kennst du Ry Cooder schon länger?

Walter: Nun, ich habe ihn schon mal getroffen. Er kam einmal vorbei, als ich einen Gig in Los Angeles spielte. Wir unterhielten uns eine Weile über Musik. Ich denke, ich habe ihn ein bißchen in Verlegenheit gebracht, denn ich habe ihm erzählt, daß ich als kid ein sehr sehr ernster Slide-Player war. Ich ging damals zu einem seiner Konzerte. Von da an spielte ich nur noch Gitarre und legte das Slide beiseite. Hes doin' it all! Es gab nichts, was ich da noch erreichen konnte. Er hat alles abgedeckt. Ry war verlegen und sagte, ich solle wieder mit dem Slide-Spielen anfangen.

G&B: Dein Gesang auf ,Positively Beale Street klingt sehr relaxt und selbstbewußt...

Walter: Ja, ich hatte eine großartige Zeit, als ich die Platte aufnahm, und ich fühlte mich entspannt und selbstbewußt. Jim Gaines ist großartig darin, im Studio eine Atmosphäre zu schaffen, in der du dein Bestes gibst. Oft bin ich aus dem Studio gegangen und dachte, jetzt hast du gut gesungen. Ich ging in den Aufnahmeraum und Jim sagte: „Do it again!" Bei einigen Songs habe ich nur einmal gesungen, und er sagte: „Das war’s!" So z. B. bei ,Let Me Be The One.

G&B: Was ist denn mit dem versteckten Track am Ende des Albums? Er klingt ja ziemlich volkstümlich deutsch...

Walter: Das ist er eigentlich auch. Wir haben diesen Song bei Shows immer dann gespielt, wenn wir wollten, daß die Leute nach Hause gehen. Wir wollten Jim Gaines zum Lachen bringen und haben während der Session einfach dieses Stück gespielt – am Ende krache ich mit meinem Kopf gegen das Mikrofon. Als wir die Platte fertighatten, kam Jim und spielte uns dieses Stück vor. Wir wußten nicht, daß er es aufgenommen hatte und wir mußten es unbedingt auf die Platte bringen.

...und alter Sound

Walter: Die meisten Stücke habe ich mit einem Fender Super Reverb und mit ein oder zwei Ibanez Tubescreamern davor aufgenommen. Das Solo von ,Song For A Wanderer wurde nur mit dem Amp und der Gitarre eingespielt. Bei ein oder zwei Songs, wie ,Marie’s Mood, benutzte ich meinen Mesa/Boogie zusammen mit dem Super Reverb. Jim weiß, wie man Gitarren aufnimmt. Ich habe nur meine Amps eingestellt und gespielt. Es war ein sehr altmodisches Aufnahmeverfahren; es gibt nicht viele verrückte Studioeffekte auf den Gitarren. Ich habe den Amp wie auf der Bühne eingestellt und ihn in einen großen Raum gestellt, damit er Platz hat zum Atmen.

G&B: Hast du nur deine alte Strat benutzt?

Walter: Ja, bis auf ,One Way Street, wo ich eine alte Les Paul im Solo benutzte. Meine Strat ist eine ’73er Non-Tremolo-Gitarre, die ich 1973 neu gekauft habe. Seitdem habe ich sie 24 Jahre lang jeden Tag gespielt. Die Farbe war ursprünglich bright white, die es heute nicht mehr gibt. Es ist die Art von Strat, die Sammler gewöhnlicherweise hassen. Sie besitzt einen Three-Bolt-Neck und einen großen Headstock. Allerdings würde ich sie nicht für eine Million Dollar verkaufen.

Als ich mit John Mayall auf Tour ging, hatte ich Angst, diese Gitarre könnte gestohlen werden, also ließ ich sie zu Hause. Wir spielten damals ein Konzert mit Buddy Guy, und er schaute sich meine Ersatzgitarre an und sagte: „What’s that piece of shit?". Ich sagte ihm, daß ich eine großartige Strat besitze, aber Angst hätte, daß sie gestohlen werden könnte. Er fragte, ob ich mich an die Strat erinnern würde, die auf dem Cover seines Albums von ,A Man And The Blues zu sehen ist. Es war eine ’55er sunburst Stratocaster, ein Sammlerstück. Er dachte damals genau wie ich, und nahm die Gitarre nicht mit auf Tour. Während er aber unterwegs war, brach jemand bei ihm zu Hause ein und stahl sie. Ich dachte darüber nach, und seitdem nehme ich die Gitarre immer mit auf Tour.

Discografie

  • Life In The Jungle (1990)
  • Prisoner Of A Dream (1990)
  • Live – No More Fishjokes (1992)
  • Transition (1992)
  • Tellin' Stories (1994)
  • Breaking The Rules (1995)
  • Positively Beale St. (1997)

Arnd Müller
Foto: Barbara Stiller

Diese Story den Blues-Gitarristen Walter Trout, sowie eine Menge weiterer Interviews, Testberichte, Workshops, CD-Besprechungen, News etc. erscheinen in Gitarre & Bass 09/97. Ab Montag den 18. August ’97 im Handel!

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