DEL AMITRI

DEL AMITRI

 

Food For Songs

Justin Currie gehört zur Spezies der romantischen Zyniker, ausgestattet mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit und einem bemerkenswert trockenen Humor. Der Del-Amitri-Frontman, Bassist, Texter und Komponist ist ein Mensch voller Gegensätze, ein leidenschaftlicher Charakter, unkonventionell und eigenwillig. Das hat ihn und seine Band in der schottischen Heimat zu den angesagtesten Acts aufsteigen lassen.

Bei uns auf dem Kontinent tun sich die Schotten von Del Amitri schon etwas schwerer. Eigentlich völlig unverständlich, denn Curries Songwriting, seine Fähigkeit wunderbare Atmosphären zu schaffen und damit großartige Bilder in unseren Köpfen zu malen, rechtfertigen schon lange nicht mehr den bloßen Geheimtip-Status.

Wer kennt nicht die wohlig-kribbelnde Gänsehaut beim Lieblings-Song, der einem im wahrsten Sinne unter die Haut geht? Nun, Justin Currie besitzt diese Gabe, und besser noch, er besitzt sogar die Fähigkeit, Wiederholungstäter zu sein. Vorraussetzungen: Stereoanlage, Zeit und Ruhe. Ambiente: Kerzenlicht und bequeme Lage. Gefühlszustand: Leichte Empfänglichkeit für eine melancholische Grundstimmung. Anspieltips: ,Be My Downfall, ,Stone Cold Sober, ,Surface Of The Moon, ,Tell Her This, ,Won’t Make It Better und eine Menge weiterer Songs. Nebenwirkung: Rasante Entwicklung zum Del-Amitri-Hardcore-Fan.

Kaum zu glauben, daß die Schotten schon seit siebzehn Jahren unterwegs sind, von Fans und Kritikern stets hochgelobt. Doch zum großen Durchbruch hat es trotz phantastischer Alben und noch besserer Live-Konzerte irgendwie bislang nie gereicht.

Typisch, daß die Glasgower Publikumslieblinge ausgerechnet mit einer gehörigen Portion Selbstironie mit dem Song ,Nothing Ever Happens nach sechs Jahren harter Club-Maloche erste Anerkennung beim großen Nachbarn England ernteten. Mit ihrem 92er Album ,Change Everything tourten Del Amitri dann durch Deutschland und hinterließen staunende Fans. Kein Zweifel, wer diese Band, und diesen Frontman einmal live erlebt hat, kommt immer wieder.

 

G&B: Bei unserem letzten Gespräch, zum Album ,Twisted, meintest du, es sei seltsam, so unterschiedlichen Songs einen Album-Titel verpassen zu müssen. Jetzt hast du sehr unterschiedlichen Songs auch noch einen seltsamen Titel verpaßt...

Justin: Nun, es ist wirklich hart, einem Album einen Titel zu geben. Ich wollte daß Album eigentlich „Little British Empire" nennen, aber unsere Plattenfirma fand das zu politisch.

G&B: Mit ,Change Everything hast du ja schon einmal deinen Standpunkt klar gemacht...

Justin: Das war an die britische Regierung adressiert. Ich wollte an sich einen positiven Titel für die eher depressiven, unglücklichen Love-Songs. Außerdem war damals Wahljahr in England und ich wollte einen kleinen Beitrag zu einer politischen Wende beitragen. Diesmal war es einfach, einen Album-Titel zu finden, weil wir ein Titelstück dabeihaben wollten.

G&B: Kannst du den tieferen Sinn von ,Some Other Suckers Parade erklären?

Justin: Es geht es um den Spruch „Don’t rain in my parade!", eine amerikanische Phrase, wie „Versau mir nicht den Tag!" Ich hatte ein Bild vor Augen, von einem Typen, der zu sich sagt, „Warum soll ich mich nicht besaufen, wenn mein Tag, also mein Leben, sowieso schon ruiniert ist?"

G&B: Das paßt perfekt zum Image des hoffnungslosen Melancholikers Justin Currie. Du hast mal gesagt: „Rock, Liebeskummer und Selbstmord – Themen, die ich liebe..."

Justin: Hey, diesmal gibt es keine traurigen, düsteren Selbstmord-Songs auf dem Album! Diese Phase habe ich hinter mir. Ich bin gerade auf dem „Liebe das Leben"-Trip. Ich habe es satt, überall als depressiver Typ zu gelten, der todtraurige Songs schreibt. Mir ging’s eigentlich nie schlecht.

G&B: Dafür, daß du eigentlich nie depressiv warst, hast du das aber verdammt glaubhaft rübergebracht!

Justin: (lacht) Es hängt eben alles von eurer Vorstellungskraft ab. Klar, gibt es Dinge, die mich traurig machen und die meisten meiner Songs entstehen nun mal aus Wut, Ängsten oder Vertrauensbrüchen in Beziehungen. Im Grunde bin ich ein naiver Optimist...

G&B: ...der sagt: „Alles, was mit wichtig ist, ist Songs zu schreiben, die die Menschen berühren..."

Justin: Ja. Ich würde es hassen, wenn jemand meinte, ich würde emotionslose Stücke schreiben. Ein Song muß einen Kick haben, etwas, das dich berührt, muß Gefühle beschreiben, die du kennst. Das ist mir wichtig...

Story: Stefan Woldach

 

Das komplette Interview mit Justin Currie kann man in Gitarre & Bass 10/97 nachlesen – ab Freitag, 12. September, im Handel!

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