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Gnade bitte, nicht schon wieder zwei neue Strats die spinnen, die Amis, die! Doch halt, alles halb so wild, es ist doch verständlich, daß Fender ihr erfolgreichstes Produkt in allen erdenklichen Varianten vermarkten möchte, und die Kunden bei dieser Riesenauswahl in jedem Fall fündig werden könn(t)en. Wie eine Stratocaster aufgebaut ist, und daß sie mit die ergonomischste Korpusform besitzt, dürfte wohl bekannt sein; deshalb soll an dieser Stelle nur die Herkunft geklärt und auf die Abteilung Konstruktion verzichtet werden. Beide Gitarren haben die American Standard als Basis und unterscheiden sich zu ihr bzw. untereinander durch die verschiedene Elektronikausstattung sowie optische Details. Gemeinsam sind ihnen also Erle-Body, 22bündiger Hals (One Piece Maple oder mit Palisander-Griffbrett), verkapselte Mechaniken und das American-Standard-Vibrato gebaut in USA. Kommen wir zu den elektrischen Unterschieden. American Standard: drei Singlecoils (mittlerer entgegengesetzt gewickelt und gepolt), Fünfwegschalter, Volumenregler, Tonregler (Hals), TBX-Tonregler (Mitte, Steg). Roadhouse: drei Texas Special Singlecoils (mittlerer entgegengesetzt gewickelt und gepolt), Fünfwegschalter, Volumenregler, Tonregler (Hals), Tonregler (Mitte). Big Apple: zwei Humbucker (Seymour Duncan; 59 in Hals-, Pearly Gates in Stegposition), Fünfwegschalter (vier Schaltebenen!), Volumen-, zwei Tonregler. Möglich wird die einfache Bestückung mit zwei Humbuckern, weil die American Standard von Hause aus mit einer durchgehenden, rechteckigen PU-Fräsung ausgestattet ist, im Gegensatz zu den drei einzelnen PU-Aufnahmen anderer Fender Strats. Und damit jetzt niemand auf die Idee kommt, das wäre ja wohl nicht viel, gibt es die beiden neuen Strats natürlich mit White-Pearl- bzw. Tortoise-Shell-Schlagbrettern (je nach Farbkombination) und in Farben, die für die American Standard nicht erhältlich sind; außerdem gehört anstelle des Standard-Kunststoff-Formkoffer ein stabiler Rechteckkoffer zum Lieferumfang. praxis Die American-Standard-Serie hat natürlich sehr viel mehr Zuspruch seit 1995, als sich Fender entschloß wieder Erle für die Bodies zu verwenden; dieses Material ist neben Esche eben eng mit dem Fender-Sound verbunden obwohl, das darf nicht unerwähnt bleiben, Pappel und Linde mit den entsprechenden Pickups kombiniert, den persönlichen Geschmack eher treffen können. Also, akustisch gespielt liefern beide Gitarren jenen knackigen, präsenten Ton, den man von einer gut gebauten Fender erwartet. Was auf der einen Seite sehr zufrieden stimmt, kann auf der anderen, sprich verstärkt, ins Gegenteil umschlagen der Ton ist für den bevorzugten Musikstil zu dünn. Hier greift dann die Roadhouse Strat ein, denn die verwendeten Texas Special liefern etwas mehr Leistung und zudem Mitten, der Ton ist also fetter. Trotzdem bleibt das Ganze im Zerr-Betrieb durchsichtig und Akkorde sind als solche zu erkennen; Soli in höheren Lagen gespielt, profitieren vom stärkeren Mittenanteil der Pickups. Clean gespielt ergibt sich ein warmer, transparenter Sound, der zwar nicht so klingelt wie von manchen Vintage-Singlecoils gewohnt, man muß allerdings auch nicht um jeden Ton kämpfen. Die Roadhouse ist somit etwas für all diejenigen, die auf Singlecoils stehen, andererseits aber ein etwas dickeres Klangbild wünschen. Richtig klasse kommt diese Gitarre in Verbindung mit voll aufgedrehten, leistungsschwachen Röhren-Amps. Verschiedene Klangfarben und Zerrgrade lassen sich in dieser Kombination mit Hilfe von Volumenregler und PU-Wahlschalter realisieren. Die Big Apple hieß auch schon mal Broadway, doch hatte sich wohl jemand diesen wohlklingenden Namen schützen lassen; der neue gibt allerdings wesentlich besser wieder, was dieses Instrument so alles kann. Da wäre erst einmal die etwas andere Schaltung:
Zuerst sollte man Fender zur Pickup-Wahl gratulieren, denn die beiden Humbucker passen sehr gut zusammen und zerstören" den traditionellen Fender-Sound recht wenig. Obwohl ja fast alle Humbucker weicher, fetter klingen, ist nicht zu verleugnen, daß sie hier in einer Strat ihren Dienst versehen. So gibt sich das Klangbild äußerst stratig, was schnelle Ansprache und knackige Bässe angeht, gepaart mit der charakteristischen Humbucker-Wiedergabe, die das Ganze dick und rund macht. Trotz allem bleibt die Big Apple immer noch mehr Strat als z. B. Les Paul; letzteres in Stratgewand zu verpacken, wurde erst gar nicht versucht. Ist ja auch Quatsch, wissen wir doch, daß Humbucker keine Les Paul aus der Strat und Singlecoil-Schaltungen keine Strat aus der Les Paul... Die Art der Konstruktion bestimmt den Klangcharakter, weder eine ausgetüftelte Pickup-Kombination, noch -Schaltung können daran etwas ändern es entstehen nur kompromißbehaftete Alternativen! Dieser ungewohnt dicke Big-Apple-Ton, wenn die Humbucker in Standardschaltung angewählt sind, kann natürlich gefallen und verleitet nicht nur zum Abbraten". Fusion-Player und moderne" Jazzer kommen ebenso auf ihre Kosten. Recht funky kommt die Schaltposition vier rüber (beide PUs als Singlecoil) es soll ja noch Leute geben, die Rhythmusgitarre spielen , dieser Sound hat zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit der üblichen Kombination Steg/Mitte, ist aber noch hohler und nasaler, setzt sich im Bandspiel sehr gut durch. Nicht unerwähnt bleiben sollte Schaltposition zwei (Hals-Humbucker Singlecoil), das ist durchaus Hendrix-würdig, wenn man clean spielt. resümee PS: Der erwähnte PU-Schalter mit vier Schaltebenen (Big Apple) ist noch nicht in Deutschland als Ersatzteil lieferbar!!!! Wir werden berichten wann! n
Ü B E R S I C H T (Abweichende Angaben der Big Apple in Klammern)
P LU S
M I N U S
Udo Klinkhammer
Dieser Testbericht erscheint in Gitarre & Bass 10/97. Ab Freitag den 12.09. im Handel! |