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Jazz is great! News von der Bowie-Bassistin In G&B-Ausgabe 04/96 wurde die Bassistin der David-Bowie-Band bereits ausführlich vorgestellt. Im vergangenen Monat informierte db-Gitarrist Reeves Gabrels über aktuelle Neuigkeiten, und jetzt ist Gail Ann Dorsey an der Reihe. Whappened? Gail Ann Dorsey ist gerade erst in der Westfalenhalle angekommen. Die Bowie-Band und ihre Mitarbeiter kamen in zwei Bussen aus Amsterdam nach Dortmund, zum mangels Nachfrage in die Halle verlegten Go Bang!"-Open-Air, das ursprünglich in einem Essener-Stadion stattfinden sollte. Das Geld sitzt anscheinend nicht mehr so locker, weder bei den Fans, noch bei ihren Idolen: Nachts, direkt nach der Show, reisten Bowie & Band dann weiter nach Paris, zum nächsten Gig auch im Bus. Die Zeiten, in denen Superstars Gelegenheit hatten Hotelzimmer zu verwüsten, Drogen-Exzesse zu inszenieren und auf dem Flur schlangestehende Groupies abzufertigen, sind anscheinend vorbei. Heute geht es nach dem Konzert brav in die Koje, Reisetablette einwerfen und dann wird schlecht geschlafen. Gail Ann Dorsey sieht allerdings auch gestreßt noch gut aus, und gegen die immer durchschimmernde Begeisterung für ihren derzeitigen Job, kommt auch keine anstrengende Tour an. Die Gigs in Holland liefen richtig gut", erzählt sie strahlend. Wir haben eine richtige Club-Tour gemacht, vor diesen Festival-Auftritten." .... Der steigende Erfolg, den Gail Ann Dorsey zusammen mit David Bowie & Band genießen kann, verhindert aber trotzdem nicht ganz, langfristig die eigene Karriere zu planen. Jetzt, wo sie weiß, an welchen guten, harten Job sie da geraten ist, setzt sie sich wieder konkrete Ziele: 1998 erscheint definitiv ein eigenes Album von mir. Keine Instrumental-Platte, aber ich werde mein Bass-Spiel schon sehr in den Mittelpunkt stellen. Auch ein Album für Bassisten, aber keine dieser typischen instrumentalen Musiker-Platten. Der Bass und meine Stimme werden eindeutig im Mittelpunkt stehen." Ob es Maler gibt, die in erster Linie für Maler malen, oder Köche die für andere Köche köcheln weiß ich nicht, jedenfalls ist der musicians musician" eine weitverbreitete Erscheinung wobei man betonen muß, daß auch echte musikalische Geheimtips in diese Kategorie fallen, nicht nur technokratische Zwangs-Virtuosen. Ich habe mich eigentlich nie mit dieser Art zu spielen verbunden gefühlt. Mir geht es um ganze Songs, nicht nur um Soli; allerdings ist der Bass mir dabei sehr wichtig. Und gerade daher denke ich, daß ich ein Konzept entwickeln muß, wie ich Musik und Instrument so verbinden kann, daß alle Aspekte gleichermaßen präsent sind. Ich mag meinen Gesang sehr, aber ich möchte, daß die Leute sofort merken, daß ich nicht nur Bass spiele um mich zu begleiten oder um etwas in der Hand zu haben." Gail grinst. Das sind schon zwei sehr gleichberechtigte Stimmen." .... Die Veränderungen in der im letzten Jahr verkleinerten Bowie-Band sieht Gail positiv, auch wenn sie den früheren Rhythmusgitarristen Carlos Alomar sehr vermißt. Als Band sind wir aber jetzt wirklich konzentrierter, alles kommt mehr auf den Punkt. Wir sind wirklich eine Band und kommen sehr gut miteinander klar. Es war Davids Entscheidung diesen Weg zu gehen. Musikalisch gesehen haben wir jetzt mehr Luft mehr Raum, andererseits macht so eine große Band mehr Spaß, auch weil es da viel schwieriger ist, auf jeden zu hören. Sicherlich habe ich, als Teil der Rhythm-Section, jetzt mehr Verantwortung, seit Carlos nicht mehr dabei ist. Ich muß mir jetzt andere Gedanken über Sounds, Linien und Fills machen. Dieser entstandene Raum, ohne die Rhythmusgitarre und den zweiten Keyboarder, bedeutet Verantwortung." Den Erfolg des Bowie-Albums ,Earthling, an dem die gesamte Band mitgearbeitet hat, sieht Gail Ann Dorsey auch in der Direktheit, Kompaktheit und Identität, die die Formation jetzt gefunden hat. Es ist ein fantastisches Album, was seine komplexen Inhalte angeht; und dabei ist es immer noch eingängig. Viele Leute können damit mehr anfangen, als mit dem Vorgänger ,1. Outside..." Wobei man allerdings sagen kann, daß die Tour zu ,1. Outside den heutigen Erfolg gründlich vorbereitet hat. Das ist sehr gut möglich, das glaube ich auch..." Gail grinst: Ich habe jetzt auch ein Endorsement, für Elites-Saiten. Sie werden demnächst auch Anzeigen mit meinem Bild machen. Aber ich spiele diese Saiten schon sehr lange." Ansonsten hat sich nach ihren Angaben nichts geändert: Gail spielt weiterhin Music-Man-Bässe über ein Ampeg-SVT-Setup. Und zum Abschluß gibts noch einen Plattentip von der sympathischen Künstlerin: Erykah Badus neues Album mag ich sehr. Alles was aus dieser R&B-Richtung kam, klang in den letzten Jahren doch immer sehr ähnlich und langweilig. Aber sie hat Groove und ist sehr funky, und dabei hat sie trotzdem diese alte R&B-Qualität, diese Tiefe... Heute habe ich mir das neue Album von Radiohead gekauft. Sie sind meine Favoriten unter den aktuellen englischen Bands. Aber die meiste Zeit höre ich mir Jazz an: BeBop, Swing, altmodisches Zeug. Auch Charles Mingus, Miles, Art Farmer, Lee Morgan, Nancy Wilson, Cassandra Wilson. Chet Baker mag ich auch die Trompete ist überhaupt mein Lieblingsinstrument. Jazz ist großartig. Wenn ich achtzig bin, habe ich wohl endlich mal Kontrabaß geübt. Dann mache ich auch so was...!" Story:
Lothar Trampert Das ungekürzte Interview und noch viel mehr kann man auch in Gitarre & Bass 10/97 nachlesen. Ab Freitag, 12. September, im Handel! |