Hughes & Kettner

Hughes & Kettner

Huch, was kommt denn da aus dem Karton? Man ist ja schon einiges von H&K gewohnt, doch einen Gitarren-Amp mit diesem Design gab es von dem deutschen Hersteller noch nicht. Der Edition 1 ist ein Verstärker in Transistortechnik, zweikanalig umschaltbar, mit limitierter Stückzahl und erstaunlichem Preis (ca. DM 500,–).

konstruktion
Daß man bei H&K sehr viel experimentiert und immer wieder einen Trumpf aus dem Ärmel schüttelt, zeigten schon viele Produkte. Diesmal hat man sich wohl mit Gehäusekonstruktionen auseinandergesetzt – anders ist das Erscheinungsbild des Edition 1 nicht zu erklären. So ist denn das Bedienfeld dieses 50 Watt leistenden Verstärkers von oben zu erreichen, die Vorderseite besteht komplett aus einer abschraubbaren Schallwand. Diese beherbergt einen H&K 12" Rockdriver Vintage (by Celestion), der speziell für diesen Amp abgestimmt wurde...

praxis
Ganz zufällig ist mir aufgefallen, daß sich der Edition 1 ganz hervorragend, weil „nachbarschonend", als Übeamp eignet. Das kommt daher, daß sich der zur Bestimmung der Gesamtlautstärke vorhandene Regler Master wirklich kontinuierlich zwischen „0" und „1" benutzen läßt. Vorteilhaft erscheint in diesem Zusammenhang auch die Abhängigkeit des Clean-Kanals von Master; häufig ist der cleane Kanal ja vom Master unabhängig verschaltet. Wie schon einige Amps in letzter Zeit bewiesen haben, muß die Ausstattung von lediglich einer Klangregelung nicht von Nachteil sein, wenn die entsprechende Vorfilterung stimmt; so ist es auch hier bei unserem Edition 1.

Je nachdem mit welcher Gitarre bzw. Pickups man den Amp ansteuert, liefert er kristallklare, druckvolle Sounds oder kann bei Ausnutzung der Gain-Reserven eindrucksvoll Crunchen. Die „Verbarrikadierung" des Lautsprechers scheint einiges zu bringen, denn normalerweise klingen 1´ 12er-Combos dieser Bauart und so manche Vollröhrenteile gerne wie aus der Kiste; anders dieser Edition 1, hier scheint zumindest eine geschlossene Box zusätzlich dran zu hängen. Jetzt aber bitte nicht alle Combos von hinten zunageln, schließlich wurde nicht umsonst ein speziell abgestimmter Speaker benutzt. Wie wohl die meisten Leser wissen, entsteht der beste Gitarren-Sound immer dann, wenn Vor-, Endstufe und Speaker entsprechend in der Sättigung sind bzw. komprimieren, dazu muß der Ton also nicht unbedingt hörbar verzerren wie die dicken, fetten Cleansounds unseres Testkandidaten zeigen. Natürlich profitieren auch die Zerr-Sounds von diesem glücklichen Zusammenwirken der drei oben genannten Hauptkomponenten – langt man richtig in die Saiten, geht’s auch entsprechend zur Sache! Gain gibt es satt, und die Klangreglung verhilft zu singenden, warmen Klangergebnissen wie auch (Mitten ganz raus, Bässe und Höhen voll) Metalmäßiges mit gehörigem Druck zu erreichen ist. Keine Bange, die Leistung des Edition 1 voll auszunutzen, der Speaker ist laut Aussage des Herstellers thermisch sicher, so daß er die Strapazen locker verkraften kann. Der eingebaute Federhall verleiht dem Sound noch eine schöne Räumlichkeit. Die zur Verfügung stehende Lautstärke reicht vollkommen aus, um im Proberaum oder bei Kneipengigs auf eine Mikro- oder DI-Abnahme zu verzichten...

Udo Klinkhammer

 

Dieser Testbericht erscheint in voller Länge, in Gitarre & Bass 10/97. Ab Freitag den 12.09. im Handel!

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