PRS Guitars

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PRS Guitars

Ein großer Custom-Shop...

Neben den Klassikern Fender Stratocaster, Telecaster und der Gibson Les Paul gibt es nur ganz wenige Instrumente, die über Jahre hinweg unverändert auf dem Markt sind und sich konstanter Beliebtheit erfreuen. Paul Reed Smith und seine gleichnamige Gitarre sind auf dem besten Weg, ein Evergreen zu werden.

Seit Anfang der 80er Jahre fertigt Paul seine Gitarren in Serie, und bis auf einige kosmetische Änderungen, die die einzelnen Modelle unterscheiden, ist seine PRS heute, nach nahezu 18 Jahren, schon so etwas wie ein Standard-Instrument.

1989 habe ich die alte PRS-Fabrik in Annapolis, Maryland besucht (Bericht in G&B 9/89), in diesem Sommer konnte ich mich in der neuen Fertigungsstätte davon überzeugen, wie die Mannschaft um Paul Reed Smith es schafft, bei gleichbleibender Qualität doppelt so viele Instrumente wie noch vor 8 Jahren herzustellen.

Die Fabrik

Das neue, vollklimatisierte Fabrikgebäude, das im Januar 1996 bezogen wurde, liegt in Stevensville, Maryland, ca. 20 Minuten von Annapolis entfernt, auf der anderen Seite der Chesapeake Bay, direkt hinter der ca. 8 km langen gigantischen Brücke. Da von Grunde auf alles neu konzipiert wurde, kann sich die neue Fabrik zu den modernsten der Welt zählen, vor allem was Aufteilung, Ausstattung und Organisation der Arbeitsabläufe betrifft.

Heute arbeiten ca. 120 Leute bei PRS Guitars, neben dem Fabrikationsbetrieb wird auch der Vertrieb für die USA selbst bewerkstelligt; ein nicht zu unterschätzender Faktor, denn schließlich bleiben 80 Prozent der gefertigten Instrumente im eigenen Land.

Die Arbeiter in der Fabrik haben die 40-Stunden/4-Tage-Woche (Büro 5-Tage-Woche), es wird von 6.00 bis 16.30 gearbeitet; nur in der Lackierabteilung gibt es für ein paar Mitarbeiter eine etwas andere Einteilung, dort wird in zwei zeitversetzten Schichten gearbeitet.

Zur Zeit werden zwischen 550 und 600 Gitarren pro Monat gefertigt, das langfristige Ziel jedoch ist eine viel höhere Stückzahl, denn die neue Fabrik ist von vorne herein auf größere Kapazitäten ausgelegt. Die Fertigungszeit für eine komplette Gitarre beträgt zur Zeit ca. 30 Tage vom Holzzuschnitt bis zur Endmontage.

Im Vergleich zu anderen Fabriken wird schnell deutlich, daß hier trotz modernster CNC-Maschinen sehr zeitintensiv und mit viel Handarbeit gearbeitet wird. Die PRS-Fabrik ist in vielerlei Hinsicht eher ein großer Custom-Shop, der jedoch in manchen Details sehr rationell arbeitet. Die Qualität und Präzision, die dabei herauskommt, sucht Ihresgleichen.

Die Produktion

Großen Wert legt man bei PRS auf die Rohmaterialien, die aus aller Welt bezogen werden. Mahagoni und Esche kommen aus Südamerika, Ahorn von der Westküste der USA und aus Michigan. Die Holzstämme werden in Stücke geschnitten und dann in Trockenräumen auf 5 % Feuchtigkeit heruntergetrocknet. Holz-Reserven sind für 3 bis 6 Monate vorhanden. Die Hälse werden, nachdem sie in der CNC-Fräse die erste grobe Rohform erhalten haben, ebenfalls in Trockenräumen aufbewahrt, um größtmögliche Stabilität und Verwindungssteifheit zu gewährleisten.

Für die Verleimung der Korpusteile wird heutzutage ein spezieller UV-Leim verwendet, der unter Strom-Spannung gesetzt, in ca. 1 Minute erhärtet.

Die Bodies werden zunächst mit der Bandsäge grob zurechtgeschnitten, dann erhalten sie in einer CNC-Fräse in einem Arbeitsgang ihre endgültige Form, Wölbung, und alle Ausfräsungen. Dieser Vorgang dauert ca. 20 Minuten. Insgesamt sind vier solcher computergesteuerten Maschinen vorhanden, jede bearbeitet zwei Bodies gleichzeitig.

Jetzt kommt die Handarbeit zum Zuge, und jeder Body wird per Hand feingeschliffen. Das gleiche gilt für die Hälse, die nach der Trocknungsphase per CNC-Fräse ihre endgültige Form erhalten und dann per Hand nochmals nachgearbeitet werden. Damit nicht zuviel Holzverschnitt anfällt, wird rechts und links an der PRS-Kopfplatte ein kleines Stück Holz angesetzt. Beim Santana-Modelle z. B. wird danach die Oberseite der Kopfplatte mit einem Mahagoni-Furnier versehen.

Im Gegensatz zu früher werden die Bundstäbchen heute nicht mehr komplett eingeleimt, vielmehr werden sie per Hand eingesetzt und mit einer manuellen Presse angedrückt. An beiden Enden wird jeweils ein kleiner Tropfen Leim gegeben, damit die Bünde seitlich etwas Stabilität erhalten. Nachdem Korpus und Hals zusammengesetzt werden, erhält die Gitarre ihre Seriennummer.

Lackierung

Eine besondere Spezialität von PRS ist die Lackierung. Die Lackschichten werden so dünn wie möglich gehalten, um die Gitarren „atmen" zu lassen, trotzdem wird ein größtmöglicher Glanz erzeugt, um Farbe und Maserung möglichst dreidimensional wirken zu lassen.

Nach dem Schleifen wird der Korpus zunächst einmal farbig gebeizt, dafür wird eine Mischung aus Alkohol- und Wasserbeize verwendet. Danach wird ein Füller aufgetragen, der die Poren verschließt; durch zugefügte braune Pigmente wird die Maserung des Holzes nochmals besonders hervorgehoben.

Die ersten drei Lackschichten erfolgen mit Polyester, dann kommen die Farblackierungen, und abschließend nochmals vier Schichten mit Polyuretan-Lack. Zwischen diesen Schritten wird jeweils geschliffen, zwischendurch muß der Lack immer wieder durchtrocknen. Vor dem letzen Naßschliff und dem anschließenden Polieren bleiben die Gitarren nochmals 24 Stunden zum Trocknen in einem vorgeheizten Raum. Nun wird mit verschiedenen Stärken Schleifpapier (220, 400, 600, 2000) und schließlich Stahlwolle (Stärke 0000) dem Instrument der letzte Schliff verpaßt, bevor dann wieder in separaten Räumen poliert wird. Auch hier ist absolute Präzision erforderlich, denn die Lackschichten sind extrem dünn und man könnte sie leicht durchpolieren, was ein komplettes Wiederholen des Lackiervorgangs zur Folge hätte.

Eine Besonderheiten sind die Werkbänke, auf denen geschliffen wird. Durch Schlitze in den Tischen wird der Schleifstaub kontinuierlich abgesaugt und in Filteranlagen weitergeleitet, so daß die Luft in der Fabrik so sauber wie nur eben möglich bleibt.

Pickups

Alle PRS-Pickups werden in der Fabrik in Stevensville gefertigt – Ausnahme sind die verwendeten Singlecoils – das sind nämlich „Seymour Duncan Vintage Rails". Es gib drei selbstangefertigte Maschinen, die für jeweils spezielle Pickups eingerichtet sind. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, die zum Wachsen der Pickups herkömmlich Friteusen verwenden, hat man bei PRS ein eigenes Gerät für das Wachsbad entwickelt. Es ist aus Aluminium gefertigt, und nachdem die Pickups ins heiße Wachs getaucht werden, wird ein Vakuum erzeugt, damit die Luft aus den Spulenkörper gesaugt wird und wirklich alle Hohlräume mit Wachs gefüllt werden. So ein Tauchbad dauert 1 1/2 Minuten bei einer Temperatur von ca. 90 Grad Celsius.

Endmontage

In der Endmontage ist jeweils ein Mitarbeiter für ein komplettes Instrument zuständig. Jeder testet seine fertiggestellte Gitarre selber, der Manager dieser Abteilung übernimmt die Abschlußprüfung; alle Artist- und Signature-Modelle werden von Paul Reed Smith selber gecheckt.

Die Gitarren werden mit speziellen PRS-.0095er-Saiten bespannt, die von D’Addario nach besonderen Spezifikationen gefertigt werden.

Modelle

PRS baut z. Z. folgende Serien-Modelle: Swamp Ash, Standard, Custom 22, Custom 24, McCarthy, Artist 3, Artist 4, die Rosewood Limited und die Santana. Dazu kommen die sogenannten „Private Stock"-Modelle, Sonderanfertigungen für Kunden, die individuelle Features auf ihren Gitarren wünschen. Die Hölzer dazu stammen aus einer privaten Holzsammlung, die Paul vor Jahren erworben hat. Gebaut werden diese Gitarren in der Fabrik, spezielle Arbeiten werden von dem Gitarrenbauer Joe Knaggs und Paul Reed Smith selbst durchgeführt. Die Lieferzeit für ein solches Instrument beträgt ca. 6 Monate.

Die Zukunft

Für die Zukunft will PRS Guitars seine Kapazitäten noch erhöhen, damit die weltweiten Wartezeiten reduziert werden können. Es existieren in der Produktion noch ein paar „Nadelöhre", die beseitigt werden sollen. Zur Zeit wird in der hochmodernen, computerisierten R&B-Abteilung an einer Möglichkeit gearbeitet, z. B. den Poliervorgang mit Hilfe eines Roboters zu rationalisieren. Fürs nächste Jahr ist ein Semiakustische Arched-Top geplant, ein entsprechendes„Private Stock"-Modell wurde bereits vorgestellt. Mit Hilfe von 3-D-Graphic-Computer-Programmen ist es möglich, handgefräste Wölbungen auf den 1/100-Millimeter genau zu reproduzieren.

Neu im PRS-Team ist der Engländer Dough Chandler, der als Produkt-Manager für die Weiterentwicklung und das Marketing zuständig ist. Unter seiner Leitung entstand ein komplettes Video über PRS Guitars, das demnächst erhältlich sein wird.

Santana

Was wäre PRS Guitars ohne Santana? 1979 bekam Carlos seinen ersten Prototyp einer PRS-Gitarre, seit dieser Zeit ist der Gitarrist der treueste PRS-User. Während meines Besuchs war auch Carlos Santana zum ersten Mal in der neuen Fabrik, und er war so begeistert, daß er eine funkelnagelneue blaue PRS-Santana mit nach Baltimore nahm, wo er am selben Abend einen Gig hatte. Die Gitarre spielte er dann während der ganzen Show, und schließlich bat er Paul Reed Smith unter dem Applaus von 15.000 Zuschauern für eine Nummer auf die Bühne. Paul bedankte sich dafür: „Ohne Carlos Santana gäbe es PRS-Guitars nicht."

Dieses Interview kann man in Gitarre & Bass 10/97 nachlesen – ab Freitag, 12. September, im Handel!

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