U2

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Im Juli/August zelebrierten U2 ihr Pop-Spektakel der Superlative. The Edges langjähriger Gitarren-Techniker Dallas Schoo erlaubte uns einen näheren Blick aufs Equipment.

Meine Ausdrucksform ist es, ein elektrisches Gitarrensignal zu traktieren. Alles andere ist mir zu langweilig", so The Edge im Interview in G&B 4/97. Langeweile läßt der U2-Gitarrist auf ,Pop‘, dem aktuellen Album der Band, mit seiner Experimentierfreude sicherlich nicht aufkommen. In puncto Gitarren-Sound ist er zudem ausgesprochener Perfektionist, was live ein Hörvergnügen der Extraklasse bereitet.

Ungeheuer aufwendig gestaltet sich sein Technik-Park. Seit David Gilmour ihn einst von den Vorteilen eines Rack-Systems überzeugen konnte, nimmt sein Setup von Tour zur Tour neue Dimensionen an. Von den unverwechselbaren Delay-Sounds bis zu seinen abgefahren, bizarren ,Pop‘-Klängen klingt’s amtlich wie auf den U2-Produktionen.

Gitarrentechniker Dallas Schoo hat alle Hände voll zu tun, denn vor der Show wird jedes Sound-Programm gecheckt. Während des Konzert eine Fehlerquelle ausfindig zu machen, wäre bei der Komplexität der Anlage unmöglich. The Edge läßt auch jedes Konzert mitschneiden und hört sich das Ergebnis an, um weitere Details der Show zu verbessern. Schoo: „Am nächsten Morgen bekomme ich dann häufig einen Zettel: Bitte 2 Millisekunden weniger Delay bei dieser oder jener Song-Passage! Edge hat verdammt kritische Ohren."

Kleine Combos – großer Sound

Wie eh und je spielen Vöxe bei The Edge eine maßgebende Rolle. Vier AC-30-Combos benutzt er auf der Bühne, ein weiterer steht schallisoliert in einem Flightcase abseits. Hinzu kommen zwei Randall-Amps, die Joe Elliot von Def Leppard ihm vermachte. Crunch-Sounds wie auf ,Desire‘ oder ,Zoo Station‘ stammen von diesen Transistor-Combos. Dallas Schoo: „Jedesmal, wenn Bono meint: ,Edge, gib mir diesen big, Hardrock-Sound!‘, greift er darauf zurück."

Was The Edge anfangs Kopfzerbrechen bereitete, war die P.A.-Konstruktion. Die oberhalb der Bühne aufgehangenen Boxen produzierten einen solchen Schalldruck, daß seine Combos und auch das In-Ear-Monitorsystem nicht dagegen ankamen. Nachdem zwei untere Lautsprecher-Reihen abmontiert wurden, hatte man die Sache im Griff.

Edges imposantes Bradshaw-System mit einer Unmenge an Effekt-Pedalen und 19"-Prozessoren, macht die Combos weiterhin zu wahren Sound-Chamäleons. Das Spezielle an seinem Set-up ist, daß die Effekte generell vor die Amps geschaltet werden – also nicht wie so häufig eingeschliffen oder über ein Line-Out-Signal der Verstärker angesteuert werden. Das Ganze ist perfekt abgestimmt, auch ohne jegliche Rauschunterdrückung kommt der Sound absolut sauber und transparent rüber. Prinzipiell arbeitet sein System mono. Das Signal-Routing ist aber so flexibel ausgelegt, daß The Edge individuelle Zugriffsmöglichkeiten auf jeden Amp besitzt und auch Stereo-Kombinationen mit den Effekten abrufen kann.

Neben Pedalen und Digital-Delays nutzt The Edge auch Preamp/Prozessoren wie den DigiTech GSP 2101 oder 2112, die er für harte, tighte Distortion-Sounds wie auf dem Batman-Song ,Hold Me, Thrill Me‘ favorisiert. Ein älteres Korg A3 produziert die Phasing-Sounds. Die wunderbare Leslie-Simulation (wie auf ,Staring At The Sun‘) liefert ein Rocktron Replifex. Die Pedal-Kollektion, insbesondere die Lovetone-Gerätschaften und die DigiTech-Whammy-Pedals, steuern zu den abgefahreneren Sound-Kreationen bei.

The Edge-Guitars

Etwa dreißig Gitarren hat The Edge auf Tour dabei. Während der Show setzt er elf Instrumente ein, für jedes steht ein entsprechendes Ersatzmodelle bereit.

Diverse Gibson Les Pauls, vornehmlich aus den Siebzigern, zählen zur Auswahl. Die extravagante Les Paul mit Spiegeleinlage, jene aus dem ,Discothéque‘-Video, findet man ebenfalls im Flightcase, nur ist sie etwas zu gewichtig für den Live-Einsatz – annähernd das doppelte wie eine reguläre Paula bringt sie auf die Waage. Weitere Gitarren sind seine 64er Gretsch Country Gentleman, eine 65er Gretsch Chet Atkins, die Rickenbacker-Modelle 33012 und 36012 sowie diverse Strats und natürlich Akustik-Gitarren. Für die endlos singende Gitarrenlinie von ,With Or Without You‘ setzt er auf Empfehlung von Bowie-Gitarrist Reeves Gabrels eine Fernandez im Fender-Jaguar-Styling ein, die ein integrierter Sustainor auszeichnet. Seine modifizierte Strat benötigte für den „Infinite Guitar"-Effekt extra ein Kabel zur Spannungsversorgung, was bei der Verwendung von Drahtlos-Systemen zu umständlich war.

Ein Detail, was weiterhin zu Edges charakteristischem Sound beiträgt, sind seine Picks, Marke „Heriba". Er spielt dieses Plektrum nicht wie herkömmlich mit der Spitze, sondern mit seiner rauheren Rundseite was dem Anschlag einen härteren Attack verleiht...

Stephan Neumeier
Fotos: Uwe Sprafke, S. Neumeier

Die komplette Story, inklusive genauer Rack-Beschreibungen, kann man n Gitarre & Bass 10/97 nachlesen – ab Freitag, 12. September, im Handel!

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The U2 Sound Site