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Hippie-Metal nennen The Automanic ihre Musik, und dieses werbewirksame Etikett machte schon bei ihrer selbstbetitelten 94er Debüt-CD neugierig. Die Band besteht aus den Brüdern Mark (24, b) und Frank Rill (27, g) Schlagzeuger Sascha Saygin (25) und Sänger Lars Niedereichholz (27). 1992 schlossen sich die vier Musiker aus dem Rhein/Main-Gebiet, genauer aus Frankfurt und Bad Homburg, zusammen, bereits ein Jahr später gewann die Gruppe den Deutschen Rockpreis. 1994 folgte ein Major-Plattendeal und die Veröffentlichung des in Eigenregie eingespielten Debüts. Aus produktionstechnischer Sicht besitzt die Platte zwar einige Schwächen, aber The Automanic sind hier einige runde und straighte Rock-Songs gelungen. Die Mannen um den überzeugenden Shouter Niedereichholz zeigen, daß sie ein Gespür für einprägsame Hooks besitzen, wie z. B. auf ,Mother Strikes Back oder ,Lifestyle Junkie. Die Musik klingt modern, besitzt aber deutliche Anklänge an die guten alten 70er. Gitarrist Frank Rill zum Thema Vorbilder: Die Haupteinflüsse sind 70er-Jahre-Hardrock-Bands, wie Led Zeppelin, Free, Bad Company und natürlich Hendrix. Hinzu kommen Sachen wie Helmet und die ganzen 90er Grunge-Bands, wobei diese Sachen auch nichts anderes sind, als 70er-Jahre-Musik. Soundgarden klingt ähnlich wie Black Sabbath, die Musik ist heute nur wesentlich besser aufgenommen, und die Gitarrenmusik insgesamt ist heutzutage etwas grooviger geworden." Verantwortlich für das Songwriting ist in erster Linie Frank; die Herangehensweise an die Stücke ist dabei völlig unterschiedlich. Entweder fällt mir zu Hause ein gutes Lick oder ein Riff ein, und im Proberaum wird dann etwas darum gebaut, oder wir jammen einfach. Viele Songs sind erst kurz vor Beginn der Plattenaufnahmen im Proberaum entstanden." Sechs Wochen hat die Band in einem Celler Studio an ihrer neuen Platte ,Flow gearbeitet, ohne Debüt-Bewährtes, wie Franks Gitarren-Sound, großartig zu verändern. Für seinen rockig-direkten Sound setzt er hauptsächlich eine Eddie-Van-Halen-Gitarre von MusicMan ein, daneben spielt er einige Les Pauls und Stratocasters. Sein Verstärker ist ein getuneter Marshall Plexi und für einige Solo-Sounds kommt ein Peavey 5150 zum Einsatz. Die Amps laufen über eine Marshall 4´ 12"-Box mit Vintage-Speakern. An Effekten benutzt er ein Rotovibe, ein CryBaby-WahWah und ein paar uralte Fuzz-Boxes. Eine Besonderheit ist ein bei einigen Stücken eingesetzter E-Bow, womit er den bekannten geigenähnlichen Dauer-Ton erzeugt. Eingespielt wurde das Album in Zusammenarbeit mit Alex Parche, Gitarrist und Produzent der Zeltinger Band. Und daß bei einer Kooperation zwischen dem erfahrenen Musiker und der Newcomer-Band Reibungspunkte auftauchten, schien unvermeidlich. Es hat ein wesentlich professionellerer Wind geweht", bemerkt Frank zu diesem Thema. Alles war sehr tough; Alex hat uns wirklich gequält. Nimm z. B. das Doppeln von Gitarrenspuren. Mir war schon klar, daß das vom Timing irgendwie stimmen muß. Aber Alex legt totalen Wert darauf, daß die Sachen wirklich 1:1 sind. Und diese fehlenden zehn Prozent machen einen enormen Arbeitsaufwand aus." Ein Arbeitsaufwand allerdings, der sich gelohnt hat, denn Songs wie die Single-Auskopplung ,Grow, das spacige ,Flow mit schönen Hendrix-Sounds und der Heavy-Rocker ,Dont Believe sind erste Sahne. Die Zusammenarbeit mit einem richtigen Produzenten war für The Automanic ein ebenso wichtiger Schritt nach vorn, wie der Wechsel zu einem neuen Label. Wie kam es dazu? Frank: Nach Ansicht unserer alten Plattenfirma Bellaphon haben wir zu wenig Platten verkauft, obwohl die Verkäufe sehr gut waren. Unser damaliger A&R-Manager hat dann eine neue Plattenfirma gegründet und uns einfach mitgenommen. Ich will jetzt nicht schlecht über die Bellaphon reden, aber die Manpower ist jetzt einfach höher. Bei der alten Plattenfirma wußten die Leute gar nicht, wie sie die Musik einordnen sollten, und eigentlich hatten sie überhaupt keine großartige Ahnung von unserer Art von Musik. Wir waren damals die einzige Band mit solch einer Musikrichtung, die die Bellaphon jemals unter Vertrag genommen hat. Sie haben viel für uns getan, aber die corporate identity zwischen Band und Plattenfirma ist jetzt viel mehr gegeben, denn es gibt mehr Kontakte. Sonst haben wir uns nur einmal im Monat mit Leuten von der Plattenfirma getroffen und bestimmte Punkte abgearbeitet, die nicht stimmten." Alle vier Musiker besitzen eine gesunde Einstellung zu dem, was man gemeinhin Erfolg im Musikgeschäft nennt. Frank: Es ist sehr schwierig mit Musik so viel Geld zu verdienen, daß du davon leben kannst. Im Moment läuft alles so halb zweigleisig, obwohl es mehr in Richtung Musik tendiert." So beginnt Drummer Sascha demnächst seinen Zivildienst, und Mark beendet gerade seine Lehre als Industriekaufmann. Frank selbst ist immer noch eingeschriebener Student an der Frankfurter Uni (BWL), lebt aber von der Musik, d. h. vom Unterrichten. Daneben produziert er gelegentlich bei Freunden im Studio. Lars singt noch in anderen Bands und macht Studio-Jobs. Nebenbei hat er noch eine Booking-Agentur und verdient damit Geld. Das ist eigentlich ganz nett", sagt Frank, denn dadurch lernt man immer wieder neue Bands kennen und man kann sich austauschen." Facts The Automanic im Internet: Text:
Arnd Müller Diese Story (und noch viel mehr...) erscheint in Gitarre & Bass 11/97 ab Freitag den 10. Oktober im Handel! |