V.A.: THE INNER FLAME
A Rainer Ptacek
Tribute
eastwest
CDs des aus der ehemaligen CSSR nach USA emigrierten
Slide-Virtuosen Rainer Ptacek haben wir an dieser Stelle
schon mehrmals vorgestellt. Jetzt haben sich eine Menge
bekannter Künstler & -Innen an Rainers Songs gewagt,
um mit einem Teil des Erlöses der vorliegenden Aufnahmen
finanzielle Hilfe zu leisten. Ptacek ist an Krebs
erkrankt, und das heißt in den USA nun mal Zahl
oder stirb" (Germany: Zahl zu oder stirb
früher"). Rainer Ptacek soll es glücklicherweise
schon wieder besser gehen. Und wenn man dieses Album
hört, geht es jedem Anhänger schräger, bluesiger,
Atmosphären-Musik ebenfalls besser: Vic Chesnutt, Giant
Sand, Robert Plant, Jimmy Page, Emmylou Harris, Evan
Dando, Victoria Williams, Polly Jean Harvey, Madeleine
Peyroux... und bei einigen Aufnahmen ist auch Rainers
National Steel Slide Guitar zu hören. Schön. (lt)
ALBERT COLLINS
Deluxe Edition
edel contraire/alligator
Material von 7 Alben
des verstorbenen Blues-Gitarristen mit dem markanten
Tele-Ton wurde hier zusammengestellt, kurz kommentiert,
mit zahlreichen Fotos und einem Mini-Poster versehen,
einigermaßen genaue diskografische Angaben fehlen
ebenfalls nicht. Eine sehr gute Einstiegsmöglichkeit
für alle Blues-Fans, die diesen wichtigen
Instrumentalisten und Sänger entdecken wollen. (lt)
MIKE
STERN
Give And Take
eastwest/atlantic
Klar, kann man
mit einer Telecaster Jazz spielen", würde Mike
Stern zum Thema Ed Bickert" anmerken. Sterns
Ton kommt zwar vom gleichen Instrumententyp, klingt aber
so stark Chorus/Delay/Reverb-behandelt, daß das
eigentlich keine Rolle mehr spielt. Natürlich ist sein
Sound charakteristisch, aber für meine Ohren trotzdem
anstrengend. Dafür sind die Inhalte, die sein
Gitarrenspiel transportiert, im Bereich des
schönen neueren Jazz" bemerkenswert. Und
Stern interpretiert neben überwiegend Eigenem u. a.
Coltranes ,Giant Steps,Jimi Hendrix Who Knows
und Sonny Rollins
,Oleo. Warum nicht ,Oleo
funktioniert dabei noch am überzeugendsten. Mit dabei:
John Patitucci (b), Jack DeJohnette (dr), Don Alias
(perc), Michael Brecker (ts), David Sanborn (as) und Gil
Goldstein (p). (ju)
STEVE
SWALLOW
Deconstructed
motor/ecm
Bassist Steve Swallow, u. a. bekannt durch seine
Zusammenarbeit mit Carla Bley und John Scofield, hat
ebenfalls mal wieder ein Solo-Album vorgelegt, das nicht
nach dem eines Bassisten klingt. Zu seiner Band gehören
der hervorragende Adam Nussbaum am Schlagzeug, Gitarrist
Mick Goodrick, sowie die beiden Bläser Chris Potter (ts)
und Ryan Kisor (tp). Ansonsten swingt man sich munter
durch Swallow-Originals, die immer eine gewisse
Tauglichkeit zu einer Standard-Karriere aufweisen. Cool,
Bop, Ironie, Swallow. Besonders nett sind die
Real-Book-mäßigen Notationen aller zehn Themen im
Booklet zur CD. Vorbildlich. (lt)
GEEZER
Black Science
arcade/tvt
Geezer ist natürlich
Geezer Butler, das bekannte Bass-spielende
Wolfgang-Petry-Double, bekannt von Black Sabbath. ,Black
Science heißt sein Solowerk und das ist ja
schon mal was. Zusammen mit Deen Catronovo (dr), Pedro
Howse (g) und Shouter Clark Brown hat Geezer hier eine
scharfe, moderne Rock-Suppe gekocht zeitgemäßer
schräger brachialer Riff-Sound, mal abgesehen von ein
paar eingestreuten Preset-Klängen seines gerade
ausgepackten DX7-Keyboards, oder einigen
Arrangement-Schmankerl aus dem ausgehenden 16.
Rock-Jahrhundert. Aber trotzdem: Heavy-Sound der abgeht
und ungepflegte Unterhaltung garantiert. Und wie sagt
Wolfgang Petry? Davon bekommt man nie genug". (lt)
COLOSSEUM
Bread &
Circuses
g&b shop
Ja, es sind die
Colosseum" mehr an Daten, Fakten,
Hintergründen im Interview mit Clem Clempson in diesem
Magazin. Richtig gut, was die junggebliebenen alten
Herren um Sänger Chris Farlowe, da aufgenommen haben;
daß sie es live noch können, bewiesen sie bereits mit
ihrem letzten Album und einer mehr als erfolgreichen
Reunion-Tour. Aber auch im Studio zeigen sie wo der
Brit-Jazz-Rock-Blues-Hammer hängt. Für wache Freunde
dieser anachronistischen wie unsterblichen Spielart
führt kein Weg an Colosseum 97ff. vorbei. (lt)
BLUE
STINGRAYS
Surf-N-Burn
epitaph
Wir kennen Peter
Thomas und den Raumpatrouille-Soundtrack, das Orchester
Gert Wilden und seine Schulmädchen-Report-Backings, oder
die Böhsen Onkelz und ihren verkrampften
Dilettanten-Teutsch-Rock. Das alles ist nicht Kult genug
jetzt gibt es auch die Wurzeln des braven
Westcoast-Sounds fürs Wohnzimmer: Die Blue Stingrays,
angeblich eine legendäre Instrumental-Combo aus Southern
California, spielen hier zum Grinsen auf: Das ist vintage
Clean-Gitarre pur! Und alleine ihre Version von
,Goldfinger ist fast so unterhaltsam wie ein
James-Bond-Film. Scharf. (lt)
MOTHER
SUPERIOR
The Mothership Has
Landed
spv/rebel
Schweden die zweite:
Hier kommt der nächste überzeugende Act aus dem hohen
Norden. Im Vergleich mit den Hellacopters sind Mother
Superior rockiger; auch der Gitarren-Sound ist ungleich
fetter und es gibt mehr Feedback-Lärm. Und die Musik?
Schweine-Rock allererster Sahne, der gelegentlich in
psychedelische Weiten abdriftet und das
Raum-Zeit-Kontinuum bei entsprechender Verfassung in
Richtung 60er/70er Jahre verschiebt. Unbedingt anchecken!
(am)
EDWYN
COLLINS
I'm Not Following
You
sony/epic
Edwin Collins ist
schon ein lustiger, um nicht zu sagen luschtiger, Kerl:
fette Bass-Sounds, samtweiche Streicher,
60er/70er-Keyboard-Klänge und Akustikgitarre mixt er zu
groovigen und ruhigen Pop-Perlen, die die aktuellen
Trends in der Popmusik durch den Kakao ziehen. Das
erinnert stark an den genialen Kollegen Beck, nur
vergreift sich Collins am traditionsreichen musikalischen
Pop-Erbe seiner Heimatinsel England. Aber damit keine
Mißverständnisse entsthen: trotz aller Ironie in den
Songs hat Edwyn Collins ein tolles Pop-Album hingelegt. (am)
SIXTEEN HORSEPOWER
Low Estate
polydor/a&m
Düster, düster ist
das zweite Album von Sixteen Horsepower ausgefallen.
Sänger David Eugene Edwards, Sohn eines amerikanischen
Wanderpredigers, singt mit Pathos über Gott und die
Welt, Tod und Vergänglichkeit. Die Mischung von
akustischen Instrumenten (u. a. Fidel, Banjo) mit
verzerrter E-Gitarre schafft einen reizvollen Kontrast.
Country-Rock, Rockabilly-Country...? Eine anstrengende
und stellenweise recht bedrückende Musik. Trotzdem
diese Band hat was. (am)
BJÖRK
Homogenic
polydor
Björks drittes
Solo-Album, und das erste, das sie durchgehend selbst
produziert hat. ,Homogenic ist ruhiger als seine Vorgänger,
kompromißloser, und gesanglich noch eigenwilliger.
Björks Produktion hat räumliche Tiefe und ist in der
Instrumentierung sophisticated". Titel wie
,Joga kombinieren die Streicher des
Islandic String Octets" mit Noises und
Elektro-Beats zu einer ergreifenden Klanglandschaft, in
der Björks originelle, leidenschaftliche Vokalarbeit
unwiderstehlich glänzt und strahlt. Das wunderschöne
Artwork des Digipacks rundet dieses Album zu einem
überzeugenden, uneingeschränkt empfehlenswerten
Kunstwerk ab. (ds)
Diese und eine Menge
weitere CD-Rezensionen erscheinen in Gitarre & Bass
11/97 ab Freitag den 10. Oktober im Handel!
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