Björk

The Inner Flame

Albert Collins

Mike Stern

Steve Swallow

Colosseum

Blue Stringrays

Mother Superior

Geezer

Sexteen
Horsepower

Edwin Collins
 

 

V.A.: THE INNER FLAME
A Rainer Ptacek Tribute
eastwest

CDs des aus der ehemaligen CSSR nach USA emigrierten Slide-Virtuosen Rainer Ptacek haben wir an dieser Stelle schon mehrmals vorgestellt. Jetzt haben sich eine Menge bekannter Künstler & -Innen an Rainers Songs gewagt, um mit einem Teil des Erlöses der vorliegenden Aufnahmen finanzielle Hilfe zu leisten. Ptacek ist an Krebs erkrankt, und das heißt in den USA nun mal „Zahl oder stirb" (Germany: „Zahl zu oder stirb früher"). Rainer Ptacek soll es glücklicherweise schon wieder besser gehen. Und wenn man dieses Album hört, geht es jedem Anhänger schräger, bluesiger, Atmosphären-Musik ebenfalls besser: Vic Chesnutt, Giant Sand, Robert Plant, Jimmy Page, Emmylou Harris, Evan Dando, Victoria Williams, Polly Jean Harvey, Madeleine Peyroux... und bei einigen Aufnahmen ist auch Rainers National Steel Slide Guitar zu hören. Schön. (lt)

ALBERT COLLINS
Deluxe Edition
edel contraire/alligator
Material von 7 Alben des verstorbenen Blues-Gitarristen mit dem markanten Tele-Ton wurde hier zusammengestellt, kurz kommentiert, mit zahlreichen Fotos und einem Mini-Poster versehen, einigermaßen genaue diskografische Angaben fehlen ebenfalls nicht. Eine sehr gute Einstiegsmöglichkeit für alle Blues-Fans, die diesen wichtigen Instrumentalisten und Sänger entdecken wollen. (lt)

MIKE STERN
Give And Take
eastwest/atlantic
„Klar, kann man mit einer Telecaster Jazz spielen", würde Mike Stern zum Thema „Ed Bickert" anmerken. Sterns Ton kommt zwar vom gleichen Instrumententyp, klingt aber so stark Chorus/Delay/Reverb-behandelt, daß das eigentlich keine Rolle mehr spielt. Natürlich ist sein Sound charakteristisch, aber für meine Ohren trotzdem anstrengend. Dafür sind die Inhalte, die sein Gitarrenspiel transportiert, im Bereich des „schönen neueren Jazz" bemerkenswert. Und Stern interpretiert neben überwiegend Eigenem u. a. Coltranes ,Giant Steps,Jimi Hendrix Who Knowsund Sonny Rollins ,Oleo. Warum nicht – ,Oleo funktioniert dabei noch am überzeugendsten. Mit dabei: John Patitucci (b), Jack DeJohnette (dr), Don Alias (perc), Michael Brecker (ts), David Sanborn (as) und Gil Goldstein (p). (ju)

STEVE SWALLOW
Deconstructed
motor/ecm

Bassist Steve Swallow, u. a. bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Carla Bley und John Scofield, hat ebenfalls mal wieder ein Solo-Album vorgelegt, das nicht nach dem eines Bassisten klingt. Zu seiner Band gehören der hervorragende Adam Nussbaum am Schlagzeug, Gitarrist Mick Goodrick, sowie die beiden Bläser Chris Potter (ts) und Ryan Kisor (tp). Ansonsten swingt man sich munter durch Swallow-Originals, die immer eine gewisse Tauglichkeit zu einer Standard-Karriere aufweisen. Cool, Bop, Ironie, Swallow. Besonders nett sind die Real-Book-mäßigen Notationen aller zehn Themen im Booklet zur CD. Vorbildlich. (lt)

GEEZER
Black Science
arcade/tvt
Geezer ist natürlich Geezer Butler, das bekannte Bass-spielende Wolfgang-Petry-Double, bekannt von Black Sabbath. ,Black Science heißt sein Solowerk – und das ist ja schon mal was. Zusammen mit Deen Catronovo (dr), Pedro Howse (g) und Shouter Clark Brown hat Geezer hier eine scharfe, moderne Rock-Suppe gekocht – zeitgemäßer schräger brachialer Riff-Sound, mal abgesehen von ein paar eingestreuten Preset-Klängen seines gerade ausgepackten DX7-Keyboards, oder einigen Arrangement-Schmankerl aus dem ausgehenden 16. Rock-Jahrhundert. Aber trotzdem: Heavy-Sound der abgeht und ungepflegte Unterhaltung garantiert. Und wie sagt Wolfgang Petry? Davon bekommt man „nie genug". (lt)

COLOSSEUM
Bread & Circuses
g&b shop
Ja, es sind „die Colosseum" – mehr an Daten, Fakten, Hintergründen im Interview mit Clem Clempson in diesem Magazin. Richtig gut, was die junggebliebenen alten Herren um Sänger Chris Farlowe, da aufgenommen haben; daß sie es live noch können, bewiesen sie bereits mit ihrem letzten Album und einer mehr als erfolgreichen Reunion-Tour. Aber auch im Studio zeigen sie wo der Brit-Jazz-Rock-Blues-Hammer hängt. Für wache Freunde dieser anachronistischen wie unsterblichen Spielart führt kein Weg an Colosseum ’97ff. vorbei. (lt)

BLUE STINGRAYS
Surf-N-Burn
epitaph
Wir kennen Peter Thomas und den Raumpatrouille-Soundtrack, das Orchester Gert Wilden und seine Schulmädchen-Report-Backings, oder die Böhsen Onkelz und ihren verkrampften Dilettanten-Teutsch-Rock. Das alles ist nicht Kult genug – jetzt gibt es auch die Wurzeln des braven Westcoast-Sounds fürs Wohnzimmer: Die Blue Stingrays, angeblich eine legendäre Instrumental-Combo aus Southern California, spielen hier zum Grinsen auf: Das ist vintage Clean-Gitarre pur! Und alleine ihre Version von ,Goldfinger ist fast so unterhaltsam wie ein James-Bond-Film. Scharf. (lt)

MOTHER SUPERIOR
The Mothership Has Landed
spv/rebel
Schweden die zweite: Hier kommt der nächste überzeugende Act aus dem hohen Norden. Im Vergleich mit den Hellacopters sind Mother Superior rockiger; auch der Gitarren-Sound ist ungleich fetter und es gibt mehr Feedback-Lärm. Und die Musik? Schweine-Rock allererster Sahne, der gelegentlich in psychedelische Weiten abdriftet und das Raum-Zeit-Kontinuum bei entsprechender Verfassung in Richtung 60er/70er Jahre verschiebt. Unbedingt anchecken! (am)

EDWYN COLLINS
I'm Not Following You
sony/epic
Edwin Collins ist schon ein lustiger, um nicht zu sagen luschtiger, Kerl: fette Bass-Sounds, samtweiche Streicher, 60er/70er-Keyboard-Klänge und Akustikgitarre mixt er zu groovigen und ruhigen Pop-Perlen, die die aktuellen Trends in der Popmusik durch den Kakao ziehen. Das erinnert stark an den genialen Kollegen Beck, nur vergreift sich Collins am traditionsreichen musikalischen Pop-Erbe seiner Heimatinsel England. Aber damit keine Mißverständnisse entsthen: trotz aller Ironie in den Songs hat Edwyn Collins ein tolles Pop-Album hingelegt. (am)

SIXTEEN HORSEPOWER
Low Estate
polydor/a&m
Düster, düster ist das zweite Album von Sixteen Horsepower ausgefallen. Sänger David Eugene Edwards, Sohn eines amerikanischen Wanderpredigers, singt mit Pathos über Gott und die Welt, Tod und Vergänglichkeit. Die Mischung von akustischen Instrumenten (u. a. Fidel, Banjo) mit verzerrter E-Gitarre schafft einen reizvollen Kontrast. Country-Rock, Rockabilly-Country...? Eine anstrengende und stellenweise recht bedrückende Musik. Trotzdem – diese Band hat was. (am)

BJÖRK
Homogenic
polydor
Björks drittes Solo-Album, und das erste, das sie durchgehend selbst produziert hat. ,Homogenic ist ruhiger als seine Vorgänger, kompromißloser, und gesanglich noch eigenwilliger. Björks Produktion hat räumliche Tiefe und ist in der Instrumentierung „sophisticated". Titel wie ,Joga kombinieren die Streicher des „Islandic String Octets" mit Noises und Elektro-Beats zu einer ergreifenden Klanglandschaft, in der Björks originelle, leidenschaftliche Vokalarbeit unwiderstehlich glänzt und strahlt. Das wunderschöne Artwork des Digipacks rundet dieses Album zu einem überzeugenden, uneingeschränkt empfehlenswerten Kunstwerk ab. (ds)

Diese und eine Menge weitere CD-Rezensionen erscheinen in Gitarre & Bass 11/97 – ab Freitag den 10. Oktober im Handel!

home