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1994 gab es mit der Reunion von Colosseum ein kleine Sensation. Nun erscheint erstmals seit 1971 mit ,Bread & Circuses' wieder ein Studioalbum, auf dem sich die Musiker, allen voran Gitarrist Clem Clempson, in Höchstform zeigen. Die Musiker, neben Clempson sind dies John Hiseman (dr), Dick Heckstall-Smith (sax), Chris Farlowe (voc), Dave Greenslade (kb) und Mark Clarke (b), haben wieder hörbar Spaß an ihrem eigenwilligen Jazz-Rock, zu dessen ersten Vertretern die Band 1968 zählten. Musikalisch gereift präsentieren die Musiker ein abwechslungsreiches Album und neue Stücke, die voll überzeugen. Über die Historie und die Reunion von Colloseum berichteten wir ausführlich in G&B-Ausgabe 03/95, hier ist, pünktlich zur neuen Tour, das Clem-Clempson-Update. Der Gitarrist ist ein vielbeschäftigter Studio-Musiker und sitzt zudem gelegentlich auch als Produzent hinter dem Mischpult. Auch trat er dieses Jahr auf der Compilation ,Knights Of The Blues Table zusammen mit prominenten Kollegen der ersten Stunde des British Blues in Erscheinung (Rezension in G&B 08/97). G&B: Du bist im Moment wieder im Studio. Woran arbeitest du gerade? Clem: Ich habe am Soundtrack für den neuen James-Bond-Film Tomorrow Never Dies" mitgearbeitet. Meist war genau vorgeschrieben, was ich zu spielen hatte; machmal wurde ich gebeten, zu improvisieren, und das macht normalerweise mehr Spaß. G&B: Hast du noch bei weiteren Filmmusiken mitgewirkt? Clem: Ich habe bei einem Stück des Soundtracks zu Madonnas Film Evita" Gitarre gespielt, allerdings fällt mit jetzt der Name nicht ein. Und ich habe Teile der Musik für den Film Lawn Dogs" komponiert. Dort habe ich meistens Dobro gespielt... G&B: Was hast du sonst noch in den letzten zwei Jahren gemacht? Clem: Ich habe noch an ein paar weiteren Soundtracks mitgearbeitet, und ich produziere das Album von Chris Farlowe, mit dem wir im Januar angefangen haben und das in den nächsten Tagen fertig wird. Das Album wird ,The Voice heißen. Dann habe ich noch das Debüt von Barry Venn & The False Pretences produziert. Und ich habe Gitarre gespielt für die Girl-Band Eternal, die in UK sehr angesagt ist. Das Album heißt ,Power Of A Woman. G&B: Stimmt es, daß du an einem Solo-Album arbeitest? Clem: Ja, ich habe angefangen dafür ein paar Sachen zu schreiben. Wenn ich mit dem Material zufrieden bin, werde ich damit beginnen. Aber ich weiß nicht, wann das sein wird, denn das hängt davon ab, was sonst noch so passieren wird. Im Moment bin ich sehr interessiert an der Produktion. Das neue Colosseum-Album habe ich coproduziert. G&B: Mußt du dein ganzes Equipment mitnehmen, wenn du zu Studio-Sessions gehst? Clem: Ja. Ich habe einige verschiedene Setups, denn ich muß sehr vielseitig sein. G&B: ...womit wir bei der obligatorischen Frage nach dem Equipment wären. Clem: Auf ,Bread & Circuses habe ich hauptsächlich ein neues McCarthy-Modell von PRS gespielt. Dann benutzte ich eine Telecaster und verschiedene Akustik-Gitarren, u. a. eine von Taylor und eine die von dem englischen Gitarrenbauer Tom Mates hergestellt wurde. Ich habe noch eine alte Gretsch 6120 von 1959 gespielt, die ich vor gut zehn Jahren von John Entwistle gekauft habe. Die Gitarre kannst du nur für spezielle Sachen einsetzen. Und ich habe meine alte Goldtop Les Paul ziemlich viel benutzt. Die Amps waren hauptsächlich von Groove Tubes: es handelt sich um einen Trio-Preamp und eine Dual-75-Enstufe; und ich habe einen Fender Twin benutzt. G&B: Effekte sind auf dem neuen Album nur selten zu hören... Clem: Ich benutzte lediglich ein Tsunami-Chorus-Pedal, ein Intellifex, und ein Austin-Gold-Overdrive-Pedal, das fantastisch ist, alles von Rocktron. Und ich habe ein Voodoo-Vibe-Pedal von Roger Mayer benutzt. G&B: Wie habt ihr bei Colosseum an dem neuen Material gearbeitet? Clem: Während der Soundchecks der letzten Tour haben wir einige Improvisationen gespielt und gejammt, auf diese Weise sind einige Stücke entstanden. Hauptsächlich wurde die Musik von Dave Greenslade, Dick Heckstall-Smith und mir geschrieben. G&B: Das Album klingt sehr frisch. Mir gefällt vor allem das erste Stück... Clem: ...,Watching You Every Move. Wenn du mich nach meinem Lieblingsstück auf der Platte fragen würdest, dann würde ich möglicherweise dieses Stück angeben. Ich denke, die Nummer verkörpert das, was die Essenz von Colosseum ist. Es ist ein Blues, aber es ist auch Jazz darin. Chris klingt großartig, sehr soulful, was er meiner Meinung nach am besten kann. Und es gibt ein wundervolles Saxophon-Solo. G&B: Wie habt ihr im Studio gearbeitet? Clem: Bis auf ein paar Overdubs haben wir das meiste live eingespielt. Bei dem Titelsong ,Bread & Circuses sind wir anders vorgegangen. Ich erarbeitete mit John (Hiseman) einen Drum-Part und einen Gitarren-Part, die zusammenpaßten. Und dann kamen die anderen individuell dazu. Wir hatten sehr viel Spaß dabei es mal auf diese eher moderne Herangehensweise zu probieren. G&B: Moderne Herangehensweise? Clem: Ich habe sehr viele Sessions gemacht, und gewöhnlicherweise waren nie viele andere Musiker im Studio anwesend. Heutzutage wird immer nur ein Instrument aufgenommen, und der Musiker kann sich voll auf sein Instrument konzentrieren. Einige Stücke haben wir auch so aufgenommen, aber diese Art und Weise des Aufnehmens würde bei vielen Colloseum-Stücken nicht funktionieren, weil das Zusammenspiel der Musiker ein vitaler Teil unserer Musik ist. G&B: Aber denkst du nicht, daß viele Bands heute wieder genau in dieser Weise aufnehmen? Clem: Ja, sicher, das ist auch ein moderner Weg wieder zurückzukehren zur alten Art und Weise. Bands wie Oasis machen das offensichtlich. Aber ich rede über Leute wie Peter Gabriel und Sting, die viel systematischer aufnehmen. G&B: Wie denkst du über das Revival der Musik, die du vor gut 25 Jahren gemacht hast, bzw. über das Interesse der jüngeren Musikergeneration an den alten Sounds und Songs? Clem: Nun, ich denke es ist gut, daß die Leute an den alten Formen interessiert sind. Ich höre sehr gerne Bands, die von den alten Sachen beeinflußt sind, aber daraus etwas eigenes machen. Ich denke, Radiohead sind sehr gut, denn du hörst viele alte Einflüsse in ihrer Musik, wobei sie ihren eigenen Sound haben. Andere Bands, wie Oasis, klingen mehr nach den Beatles. G&B: Hast du noch andere Favoriten? Clem: Ähhm... mein Lieblingsschlagzeuger ist Vinnie Colaiuta. Ich mag immer noch sehr gerne John McLaughlin, einer meiner Lieblingsmusiker ist Stevie Ray Vaughan, und ich höre auch Robben Ford sehr gerne. G&B: Hast du Stevie Ray jemals getroffen? Clem: Nein, ich habe ihn nur einmal spielen gesehen. Aber wenn ich einen Gitarristen auswählen müßte, den ich mir den Rest meines Lebens anhören müßte, wäre das Stevie Ray Vaughan. Ich liebe sein Gitarrenspiel. Es gibt eine Menge neuer Bands, die ich mag, aber die individuellen Musiker sind die Jungs, die schon seit Jahren dabei sind. Deswegen kann ich dir auch keine Namen von einzelnen Instrumentalisten sagen, die mir gefallen. Barry Venn & The False Pretences sind eine sehr gute Band. Aber diese Art von Musik hat es schwer, ins Radio zu gelangen. Es gibt Tausende von guten Bands, von denen du niemals hören wirst es ist eine Schande. Ich denke, je mehr die Musiker wieder an den alten Sachen interessiert sind, an Musik die etwas obskur ist, desto mehr werden die Bands das Interesse der Leute bewegen. Und dann würden vielleicht viele hervorragende Musiker besser von ihrem Beruf leben können. Mein Sohn z. B. ist wirklich ein guter Schlagzeuger. Er spielt in vielen Bands und hat regelmäßig Auftritte, aber es ist sehr schwer für ihn den Punkt zu erreichen, ab dem er von der Musik leben kann. G&B: Gute Musiker haben es zunehmend schwerer heutzutage... Clem: Ja, wenn es dein Hauptziel ist, ein Musiker zu sein. Es ist nicht so schwer, wenn du ein Popstar sein willst, kommerzielle Songs schreibst und Deals mit Majorlabels hast. Als ich angefangen habe, war es ziemlich einfach, von der Musik existieren zu können. Es gab viele Orte, an denen du auftreten konntest. Mit Baker Loo (Clempsons Blues-Trio vor Colosseum; d. Verf.) konnten wir damals fünf Nächte in der Woche spielen. Aber heute gibt es viel mehr gute Musiker und immer weniger Orte, wo sie spielen können. n Story:
Arnd Müller
Colosseum Live
Infos unter T/F 02257 850 / 857 Diese Story (und eine Menge mehr...) erscheinen in Gitarre & Bass 11/97 ab Freitag den 10. Oktober im Handel! |