Jimmy Earl


Jimmy Earl

Ursprünglich sollte Jimmy Earl auf der Sommer-Festival-Tour von Drummer-As Simon Phillips wieder mit dabei sein. Und auch bei den letzten Deutschland-Gigs von Robben Ford sollte er den Bass zupfen. Aber sowohl bei dem einen als auch dem anderen war der Bassist aus L.A. nicht auf der Bühne zu sehen. Und auch ein zu Beginn des Jahres angekündigtes Solo-Album ist bisher nicht erschienen. Was ist passiert?

Jimmy Earl mußte seinen Verpflichtungen bei dem italienischen Musiker Pino Daniele nachkommen, der, obwohl er schon auf eine über zwanzigjährige Karriere und etliche Plattenveröffentlichungen zurückblicken kann, hierzulande nicht so bekannt ist. Schade eigentlich, denn Danieles Musik, die sich irgendwo zwischen Pop, World Music und Easy Listening Jazz bewegt, setzt sich angenehm in den Gehörgängen fest.

Und damit wären wir auch wieder beim Thema. Denn daß Pino Danieles aktuelles Album ,Dimmi Cosa Succede Sulla Terra‘ so schön dahergroovt liegt u. a. am Bass-Spiel von Jimmy Earl. Und während seiner langjährigen Karriere als Profimusiker hat Earl schon so manches Album zum Grooven gebracht, u. a. Platten von Stanley Clarke, Chick Corea und Frank Gambale (siehe Discografie!). Daneben war Jimmy u. a. als Begleiter von Jennifer Rush und den Crusaders unterwegs. 1995 war es dann endlich soweit: Das erste, schlicht ,Jimmy Earl‘ betitelte Solo-Album, erschien. Glücklicherweise hatte Jimmy kein SOLO-Album sondern ein Solo-ALBUM eingespielt; nicht die (unüberhörbaren) technischen und musikalischen Fertigkeiten am Bass standen also im Vordergrund, sondern diverse musikalische Vorlieben zogen sich wie ein roter Faden durch das Album und wurden geschmackvoll verarbeitet: Jazz zwischen Easy Listening und Fusion, mal vertrackt und dann wieder eingängig. Dabei hat Jimmy es verstanden, die beteiligten Musiker wie z. B. Frank Gambale (g) und Dave Weckl (dr) in den – bis auf ein Ausnahme – instrumentalen Stücken gut einzusetzen. (Das Album ist im G&B Shop erhältlich – siehe Inhaltsverzeichnis!)

Auf ein weiteres Solo-Album des vielbeschäftigten Musikers müssen wir wohl noch etwas warten, es erscheint wohl kaum vor Frühjahr ’98. Vorab gibt es an dieser Stelle ein Interview mit dem 40jährigen Bassisten, der nicht nur auf Platte locker und unkompliziert rüberkommt.

Jimmy: Mit neun Jahren habe ich mit der Musik angefangen, und fünf Jahre lang klassische Gitarre gelernt. Danach stieg ich in eine Rock-’n’-Roll-Band aus meiner Nachbarschaft ein – und seitdem spiele Bass. 1975 bin ich für ein Jahr zum Berklee College Of Music in Boston gegangen. Danach habe ich Gigs mit Funk- und Top-40-Bands gespielt. Mit Tavares (einer amerikanischen Vokalgruppe, der in den 70ern einige Top-10-Plazierungen glückten; d. Verf.) habe ich gespielt, als sie einige Disco-Hits draußen hatten. Es waren viele verschiedene Gruppen, mit denen ich damals arbeitete. Sieben, acht Jahre blieb ich in der Gegend von Boston.

G&B: Wie war das, als du z. B. mit Stanley Clarke gespielt hast.

Jimmy: Ich zog nach New York und spielte damals bei einem Festival, „Jazz Explosion" hieß. Dort lernte ich Stanley Clarke kennen. Mit ihm und einem Schlagzeuger bildeten wir eine Three-Piece-Rhythm Section und begleiteten verschiedenen Jazz-Musiker. Stanley und ich kamen uns dabei nicht in die Quere, denn er spielte einen Bass mit höher gestimmten Saiten, während ich einen Fünfsaiter mit einer tiefen H-Saite spielte. Ich stieg in seine Band ein, die zweieinhalb Jahre zusammenblieb. In dieser Zeit haben wir einige Tourneen absolviert und nahmen das Album ,If This Bass Could Only Talk‘ auf. Das ist die Stanley-Clarke-Story.

G&B: Wer waren deine Einflüsse als Bassist?

Jimmy: Ah, Jesus. Da sind so viele verschiedene. Es geht von klassischer Musik bis hin zu R&B. Was Bassisten betrifft: Jaco (Pastorius) natürlich, dann James Jamerson und Verdine White. Und die afrikanischen Bassisten Michel Alibo und Etienne M’Bape – übrigens ein großartiger Bassist.

G&B: Was sind deiner Meinung nach die Kriterien, die einen guten Bassisten ausmachen?

Jimmy: Gutes Timing und gutes Tempo sind für mich die wichtigsten Sachen. Daneben brauchst du noch eine gute Kenntnis über Akkorde und Harmonien. Aber wie gesagt, das Wichtigste ist ein gutes Timing zu besitzen.

G&B: Und das bedeutet, mit dem Schlagzeug so eng wie möglich zusammenzuspielen?

Jimmy: Ich versuche mit dem Bass ganz nahe beim Schlagzeug zu spielen, um Bass und Schlagzeug wie ein Instrument klingen zu lassen.

G&B: Von deiner Solo-CD gefällt mir besonders ,Pavane Pour Une Infante Defunte‘, dieses kleine Stück von Ravel. Kannst du mir etwas darüber erzählen?

Jimmy: Ich spiele dieses Stück seit Jahren. Julian Bream, der klassische Gitarrist, hat es auch gespielt, und ich habe es schon immer gemocht. Ich übte es on the road, als ich mit den Top-40-Bands unterwegs war. Um die Zeit rumzukriegen, habe ich es für den Bass ausgearbeitet. In den Clinics spiele ich es meistens mit einem Sechssaiter, aber auf der Platte habe ich es mit einem Viersaiter gespielt. Die Leute denken immer, es klingt wie ein Sechssaiter... Ich habe das Stück während des Abmischens der Platte aufgenommen. Es war nur ein einziger Take.

G&B: Wo liegen für dich, als Bassist, die wesentlichen Unterschiede bei der Interpretation von Jazz und Klassik?

Jimmy: Nun, klassische Musik ist ausgeschrieben und wird in einer eigenen Version interpretiert. Jazz dagegen ist Improvisation. Du spielst ein Solo durch die Struktur eines Stückes. Es ist ein kreativer Akt...

Story: Arnd Müller

 

Das komplette Interview mit Jimmy Earl (inkl. Discografie!) erscheint in Gitarre & Bass 11/97 – ab Freitag den 10. Oktober im Handel!

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