John Lee Hooker
Hinter den dunklen Gläsern verstecke ich meine Tränen. – John Lee Hooker

Buddy Guy
So viele phantastische Gitarristen
sagten, „Hier ist meine Chance zu
protzen!" Und das war ihr Untergang.
Buddy Guy


John Lee Hooker & Buddy Guy

The Heaviest Blues Alive...

Die Gelegenheit war einfach zu günstig, um sie verstreichen zu lassen. John Lee Hooker, seit fast einem halben Jahrhundert die treibende Kraft der Boogie Blues Guitar, und Buddy Guy, Chicagos unverbesserlichster Scharfschütze, kamen nach L.A., um auf dem NARAS-Festival aufzutreten, das zu Ehren von Carlos Santana stattfand und mit Stars nur so übersät war. Nach etlichen Telefonaten waren beide Blues-Musiker mit einem Interview eine Stunde vor der Show einverstanden.

Während des Konzerts nahm John Lee mit seiner Epiphone Platz, um zusammen mit Carlos Santana eine faszinierende Version von ,The Healer‘, darzubieten; Santana hatte Hookers Hit-Single produziert und auch bei der Aufnahme mitgespielt. John Lee gab seine Gitarre anschließend dann an Carlos, ging an den Bühnenrand und beeindruckte die Massen mit einem getanzten Boogie, indem er die Arme hochriß und die Hüfte kreisen ließ. Später in der Show bot Buddy Guy Carlos Santana und allen anderen eine geradezu umwerfende Version von ,Blues For Salvador‘, die damit begann, daß er Carlos’ Version Note für Note nachspielte – das war wirklich schon eine Meisterleistung für sich. Anschließend zog Guy dann aber die ganz echte Show mit phantastischen Improvisationen ab und unterhielt das Publikum mit ein paar Kabinettstückchen. Guy spielte z. B. mit einer Hand, indem er seinen glasklaren Ton von einem gigantischen „Boom" zum kaum hörbaren Saiten-Flüstern brachte, das in Verbindung mit riesigen Intervallsprüngen. Währenddessen blieb er die ganze Zeit völlig relaxed und versank regelrecht in den Songs.

In derselben Woche gewann Buddy mit ,Slippin’ In‘ einen Grammy für die beste zeitgenössische Blues-Platte, während John Lees Album ,Chill Out‘ als beste traditionelle Blues-Scheibe ausgezeichnet wurde. Daran anknüpfend erschien Guys neueste Veröffentlichung beim Label Silvertone. ,Live! The Real Deal‘ wurde im „Legend’s" aufgenommen, Buddys Club in Chicago, und zwar zusammen mit dem Pianisten Johnnie Johnson und der Saturday Night Live Band mit G.E. Smith. Die Werbetrommel wird damit gerührt, daß es Guys erstes Live-Album in zwei Jahrzehnten ist. Und auch John Lee hat konkrete Pläne für sein nächstes Album.

Zum Interview trafen wir uns im Hilton gegenüber des Universal Amphitheaters in Los Angeles. Buddy traf fünf Minuten zu früh ein und erwartete John Lee bereits ungeduldig. „John und ich haben schon viel gemeinsam gemacht", erzählte er, „aber ich kann mich nicht daran erinnern, jemals ein Interview mit ihm zusammen gegeben zu haben. Er kann einen zum Lachen bringen, ich sag’s euch! Wenn ein Interview geben wie alles andere ist, was ich bisher mit ihm erlebt habe, dann wird’s lustig." Ein Klopfen an der Tür, einige Augenblicke später, signalisiert: John Lee Hooker ist da. Sein Helfer Steve Lee fährt John Lee in einem Rollstuhl herein. Hooker strahlte über das ganze Gesicht, als er Buddy sieht.

John Lee: Yeah!

Buddy: Wessen Stimme höre ich denn da?

John Lee: Die eines Krüppels.

Buddy: Oh, du bist doch kein Krüppel. Du bist überhaupt nicht verkrüppelt. Ich weiß, was mit dir los ist. Wie geht’s dir?

John Lee: Ganz gut. Ich habe Arthritis.

Buddy: Du solltest die jungen Mädchen in Ruhe lassen.

John Lee: Ohne sie würde ich nicht mehr lange leben. Hey, Buddy, du hast zugenommen. Du bist so dick wie B! [Hooker meint B.B. King.]

Buddy: Nein, so dick kann ich gar nicht werden, John. Das wäre ein bißchen zuviel für mich.

John Lee: Was macht der Club?

Buddy: Läuft gut! Ich muß dich mal mitnehmen. Ein paar Mädels haben gesagt, „Buddy, wenn du John Lee mitbringst, machen wir ihn zum glücklichsten Mann..."

John Lee: Yeah, mit den Alten kann man’s ja machen.

Buddy: Ich verarsche keine alten Männer. Das hast du mir beigebracht, als ich dich ’65 kennenlernte! [Er lacht herzlich]

G&B: Wie war Buddy damals, als du ihn getroffen hast?

John Lee: Er war ein Gentleman. Er war jung, wild. Er machte die Sachen anders. Er unterstützte mich bei einigen Studioaufnahmen. Er spielte bei ,Motor City Burnin’ mit, wovon ich übrigens gar keine Aufnahme habe. Hast du eine?

Buddy: Ich hab’s eigentlich nie gehört. Ich habe nie eine Aufnahme bekommen. Ich muß aber unbedingt mal eine haben.

John Lee: Du hast es nie gehört? Whoo, das ist ja hart! Erinnerst du dich an die Krawalle in Detroit? „The Motor City burnin’, and there’s not a darn thing I can do but pack my bags and go."

Buddy: Wir haben es in Chicago mit Al Smith aufgenommen, weißt du noch?

John Lee: Uh-huh. Für Vee Jay, glaub’ ich. Oh, du brachtest die Gitarre zum Beben.

G&B: Warum klingen die Blues-Platten aus den 50er und 60er Jahren eigentlich so gut?

John Lee: Ich denke es ist die Qualität. Damals hatte man nicht all das Zeug, was die heute haben – fiktives Zeug. Damals war’s nur echtes Zeug. Man ging ins Studio, und man hatte damals keine 24 Spuren, sondern nur 8. Man ging einfach rein und hat gespielt, und die Platten hatten wirklich einen guten Sound. Heute klingen sie auch sehr gut, aber ich finde, die alten Sachen klingen besser. Von dir habe ich auch ein paar alte Sachen, Buddy...

G&B: Hat das Overdubbing den Sound der Platten negativ beeinflußt?

John Lee: Ich glaub’ schon. Doch wirklich. Es geht was verloren.

G&B: Wie war eigentlich die Qualität der Gitarren, als du damals angefangen hast?

John Lee: Als ich anfing gab’s Stella-Gitarren, Silvertone und solche Sachen. Es gab nicht diese kunstvollen, verschnörkelten Gitarren wie heute. Es gab Gibsons, aber die waren nicht so verziert wie heute. Ich hab’ nicht mal eine Gibson gesehen. Ich hab’ damals nur Stellas oder Silvertones oder sowas gesehen.

Buddy: Ich wurde in der Pampa geboren, ich wußte nicht, was eine Gitarre war, als ich zum ersten Mal eine sah.

John Lee: [lacht] Sei nicht albern. Du wirst hier interviewt.

Buddy: Nein, wirklich. Als ich Lightnin’ Slim mit einer E-Gitarre gesehen hab’ wollte ich die Kabel rausziehen, weil ich dachte es ist ein Scherz, daß er so klingt. Es war an einem Sonntag abend, Sonnenuntergang in Louisiana, und dieser Typ kam mit seinem kleinen Amp, der aussah wie ein Radio. Ich sagte, „Was zum Teufel ist das?" Dann spielte er ,Boogie Chillun’‘ und ich sagte „ So hört sich das also an, aber ich glaube nicht, daß eine Gitarre so laut sein sollte."

John Lee: Das wurde nur mit einer Roundhole [Akustikgitarre] aufgenommen, mit einem alten DeArmond-Pickup.

G&B: Einige deiner frühen Platten, wie ,Mad Man Blues‘ haben einen tollen Gitarren-Sound.

John Lee: Das war diese Akustik-Gitarre mit dem elektrischen Pickup.

G&B: Glaubt ihr an die Theorie, daß die Blues-Musiker aus dem Süden so oft Slide spielten, weil ihre Akustikgitarren sich in der Feuchtigkeit verzogen hatten und sich die Saitenlage dadurch verschlechterte?

Buddy: Davon weiß ich nichts. Als ich die großen Slide-Gitarristen Chicagos kennengelernt habe, hat mir keiner von denen gesagt, daß dies der Grund dafür ist. Denn ich habe gehört, daß sie die Gitarre mit einem Messer spielten, bevor sie mit den Slides und solchen Sachen anfingen. Sie legten die Gitarre auf ihre Oberschenkel.

John Lee: Yeah. Das stimmt. Wie er schon sagte, sie spielten mit ’nem Messer....

Story: Jas Obrecht
Übersetzung: Katja Rapelius
Fotos: Robert Knight, Showtime Archives/Rhino Rec., Jive, Virgin

© Copyright 1996 Miller Freeman. Reprinted by permission from Guitar Player Magazine

Das komplette Interview mit John Lee Hooker & Buddy Guy (und noch viel mehr...) erscheint in Gitarre & Bass 11/97 – ab Freitag den 10. Oktober im Handel!

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