ToneWorks/Korg Effektpedale

ToneWorks/Korg Effektpedale

Fast konnte man meinen, Korg hätte über ihre erfolgreichen Silberpfeile am Keyboard-Himmel die Saitenfraktion etwas aus den Augen verloren. Aber es kommt anders und zweitens als man denkt: mit den neuen ToneWorks-Effektpedalen präsentiert der Hersteller ein höchst innovatives Treter-Konzept.

konstruktion

„Corporate Identity" nennt man’s wohl, so kommen die ToneWorks-Neuheiten ebenfalls einheitlich im silberenen Alu-Design daher. Nett anzuschauen und obendrauf absolut robust gebaut sind die Burschen. Auf den ersten Blick will man meinen, es handele sich um ganz normale Bodentreter – dem ist aber nicht ganz so! Die Pedale sind vollständig programmierbar und lassen zwei Soundeinstellungen abspeichern.

Hinter dem Design verbergen sich jeweils Digital-Prozessoren, bei denen auf die intuitive Bedienbarkeit über Regler allerdings nicht verzichtet werden muß. Auf der Unterseite beherbergen die Pedals ein schnell erreichbares Batteriefach, das vier Mignonzellen faßt. Etwa 15 Betriebsstunden bietet eine frische Batterieladung, da sollte man besser zum optionalen 9-V-Netzteil greifen. Die Verarbeitung macht einen absolut sauberen Eindruck. Einziger Kritikpunkt sind die unterseitig aufgeklebten Gummistopper, sie bieten nicht die Bodenhaftung, die sie haben sollten. Stirnseitig sind die Ein- und Ausgangs-Buchse sowie der Netzteilanschluß zu finden. Ein kleiner Input-Gain-Schalter paßt die Eingangsempfindlichkeit der Pickup-Ausgangsleistung an.

Das Einstellen von Sounds ist wirklich kinderleicht. Auf der Oberseite befinden sich die vier Daten-Regler. Stehen, wie beim 301dl Dynamic Delay und 104ds Hyper Distortion, mehr als vier Regelmöglichkeiten zur Verfügung, dient ein kleiner Schalter zur Anwahl weiterer Parameter. Oberhalb der Regler sind die Funktionen übersichtlich aufgeführt. Links unten ist der Effekt-Schalter mit seiner LED montiert, rechts der Schalter zur Programm-Anwahl. Um beide Presests optisch auseinanderzuhalten, leuchtet die Program-LED beim Preset Nr. 1 grün, beim Preset Nr. 2 rot. Zum Abspeichern eines Sounds hält man einfach den Programm-Fußtaster für etwa vier Sekunden gedrückt. Fertig. Gespeicherte Soundeinstellungen lassen sich später durch eine Compare-Funktion auch wieder ausfindig machen. Die Reglerpositionen, die man sieht, bedeuten ja nicht automatisch die Programm-Einstellung. Fährt man mit einem Poti den Regelweg ab, blinkt die Program-LED beim programmierten Wert auf.

301dl Dynamic Echo

Das Dynamic Echo bietet eine Verzögerungszeit von 1000 Millisekunden – ein guter Durchschnittswert unter digitalen Delay-Pedals. Speziell sind einige Raffinessen an Bord, die mit recht ausgefallenen Echo-Sounds überraschen. Ein Blick auf die Regelmöglichkeiten zeigt neben der regulären Delay-Time ein weiteres „Predelay". Kennern der Effektmaterie ist dieser Parameter sicherlich von Hall-Prozessoren bekannt. Ähnlich wie dort läßt sich das Echo zusätzlich verzögern.

Der Regelbereich beträgt ebenfalls 1000 ms. Interessant, um beispielweise ein langes Predelay anschließend mit einem kürzeren Echo-Effekt zu kombinieren (Police: ,Walkin’ On The Moon‘). Kurze, etwas unterschiedlich eingestellte Verzögerungen produzieren einen Bandecho-ähnlichen Effekt, für den sonst unterschiedlich positionierte Tonköpfe zuständig waren. Das Dynamic Echo ist ein ausgesprochener Spezi, den guten alten Analog-Sound auch klanglich exzellent zu reproduzieren. Neben „HiDamp" und „LoDamp", die den Höhen- und Bass-Gehalt des Delay-Signals kontrollieren, präsentiert sich ein weiterer Parameter mit der Bezeichnung Hi-Fi/Low-Fi, das Einfluß auf die Klangcharakteristik nehmen läßt. Effizient kann der Delay-Sound vom brillanten HiEnd-Delay bis zum dumpf-diffusen Analog-Oldie „verschlimmbessert" werden – ganz so, wie man’s haben will. Cool, insgesamt erhält man jede Menge Delay-Colorationen. Das ist eine große Stärke dieses Pedals. Damit will sich Korg aber noch nicht zufrieden geben. Zusätzlich bietet das Pedal noch ein Ducker, mit dem sich das Delay während des Spiels in der Lautstärke reduzieren läßt. Beim Ausklingen der letzten Note wird er auf den eingestellten Pegel (Level) angehoben. Effekt ist ein klarerer, weniger verwaschener Gesamtsound. Regelbar ist die Intensität des Ducking-Effekts, trotz der recht simplen Auslegung funktioniert das in der Praxis ganz hervorragend. Dynamisch läßt sich das Delay mit der Gitarre steuern, ganz so wie es der Name des Pedals verspricht. Ein weiteres, verborgenes Plus ist, daß sich der Effekt am Ausgang über ein entsprechendes Kabel (Insert- bzw. Y-Kabel) auch in stereo abgreifen läßt....

Stephan Neumeier

 

Der komplette Testbericht (und noch viel mehr...) erscheint in Gitarre & Bass 11/97 – ab Freitag den 10. Oktober im Handel!

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