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Mit seinen beiden CDs ,Czech It Out und ,Always Double Czech, konnte der in Prag geborene Gitarrist Rudy Linka auch hierzulande Aufmerksamkeit auf sich lenken. Ein Interview. Seine Musik besticht durch balladeske Klänge, die häufig an Jim Hall, John Abercrombie oder John Scofield denken lassen. Denn Linka swingt und groovt ungemein, klingt dabei aber nie altbacken, sondern kreierte einen eigenen Sound, bei dem er zwar seine Vorbilder zitiert, sie aber nie kopiert. Von Rudy Linka wird man sicherlich noch einiges hören, denn er gehört zweifellos zu den kommenden Jazz-Gitarristen. Vorab eine technische Anmerkung: Linkas Equipment besteht aus einer Gibson ES 175 (Baujahr 1953) mit einem P-90-Pickup, einer Guild-Songbird-Semiacoustic, einem TriAxis-Preamp, einem 20/20-Power-Amp beide von Mesa/Boogie sowie einem Lexicon-LXP-1-Reverb. Rudy spielt DAquisto-Saiten auf seinen Gitarren. G&B: Als 20jähriger das war 1980 bist du aus deinem Heimatland geflohen. War es nicht schwer, alles hinter sich zu lassen? Damals noch in dem Glauben, von alledem niemals mehr etwas wiederzusehen? Linka: Ich folgte einem befreundeten Saxophonisten nach Schweden. Er ging sechs Monate vor mir. Es war schon schwierig einfach so wegzugehen. Denn ich konnte auf keinen Fall zurück, das war klar. G&B: Warst du denn nach dem Fall des eisernen Vorhangs wieder mal in der Tschechischen Republik? Linka: Ja, klar. Oft. Ich bin jetzt ungefähr dreimal im Jahr dort. Meine Familie lebt noch dort, mein Bruder und meine Mutter. Jedesmal wenn ich in Europa bin, fahre ich auch ein paar Tage nach Prag. Aber damals war ich noch jung, dann fällt es einem leichter, abzuhauen. Heute wäre es für mich nur noch schwer vorstellbar. Ich bin 37 Jahre alt, damals war ich 19. Alles war ungemein aufregend. Man trifft neue Leute usw. Um ehrlich zu sein: Heute bin ich sogar verdammt froh darüber. Denn bereits nach 3 Monaten in Schweden habe ich meine Frau getroffen und wir sind nun seit 17 Jahren zusammen. G&B: Und später bis du dann nach New York gegangen? Linka: Nach fünf Jahren Aufenthalt in Stockholm ging ich auf Empfehlung des Bassisten Red Mitchell, der ebenfalls in Stockholm lebte und mit dem ich dort viel gespielt habe, nach Berkley auf das allseits bekannte Musik-College. Red Mitchell war für mich eine unglaubliche Inspiration. Er hat wirklich wunderbare Alben mit Jim Hall gemacht. Vor allem das ,Live At Sweet Basil-Duo-Album. Ich habe dann ein Tape mit ihm gemacht und das nach Berkley geschickt. Die nahmen mich dann auch und ich habe dort ein Jahr studiert. Als ich wieder nach Schweden kam, war mir klar, daß ich in den USA leben wollte. Deshalb ging ich 1985 nach New York. Wenn man als Emigrant in die USA kommt, weiß man sofort: Ich bin zu Hause. Denn dort ist irgendwie jeder ein Emigrant. G&B: Mit Ausnahme der Indianer... Linka: Ja, mit Ausnahme der Indianer, aber das sind auch nur noch ein paar. Nein. Das ganze Leben dort ist irgendwie einfacher. Ich hatte z. B. nie einen Führerschein, weil ich nie das Geld dafür hatte. In New York habe ich für 50 Dollar einen Test gemacht und sie gaben mir einen Führerschein, obwohl ich nicht mal fahren konnte. Höchstens einen Automatik-Wagen. Es ist einfach alles leichter dort. Wenn du dich z. B. selbst umbringen willst: Hier hast du einen Führerschein. Mach es! Ist uns egal! (lacht) Nach über 12 Jahren habe ich dort mehr Freunde, als in meiner Heimat. Obwohl New York eine harte Stadt ist, ist eigentlich jeder dort sehr nett. Ich habe dort eine Zeitlang bei Jim Hall studiert, und als meine Tochter geboren wurde, schenkte er ihr einen Strampelanzug. Ich habe auch zwei, drei Jahre bei John Abercrombie studiert, und wir wurden gute Freunde. Nach dem Unterricht haben wir immer Wein getrunken und überhaupt viel zusammen rumgehangen. Er war in seiner Studienzeit der Zimmergenosse von George Mraz, der ist auch Tscheche. Und wir haben uns deshalb vielleicht auch gleich verstanden. Für mich war er fast wie ein Vater, und er hat mich vielen bekannten Leuten vorgestellt. Auch als ich unbedingt Geld brauchte, haben mir viele einfach so Geld geliehen. In Stockholm war das ganz anders, obwohl der Ort viel kleiner ist. In New York leben die ganzen Stars, aber die wissen noch wie schwierig das Leben sein kann. G&B: Aber ich denke, gerade in New York ist es besonders schwierig seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Linka: Ja, das ist schwieriger als irgendwo anders. Na ja, vielleicht ist es in Japan noch schwieriger. (lacht) Doch die amerikanischen Musiker haben es am schwersten. Sie spielen ständig. Aber deshalb sind sie auch so gut. G&B: Aber man kann doch nicht jeden Abend in New York spielen... Linka: Ja, das stimmt. Obwohl, du kannst es nicht, aber irgendwie kannst du es doch; mit immer anderen Bands usw. Ich habe mich oft gefragt, warum die Amerikaner so viel besser sind als andere. Sie spielen einfach mehr, auch wenn sie mal kein Geld dafür bekommen. Sie spielen und proben die ganze Zeit. In Schweden lief das immer so: Laßt uns doch eine Session machen! Ja, gut... aber bis nächste Woche streiche ich mein Boot an und dann bin ich eine Woche auf irgendeinem See. Die Lebensart ist so unterschiedlich. In New York ist das Leben einfach so teuer, das man für derlei Gedanken keine Zeit hat. Wenn man etwas machen will, macht man es sofort. Joe Lovano z. B. spielt immer noch in Clubs für Trinkgeld, vier Stunden für 12 Dollar oder so, weiß du. Er spielt fantastisch, auch wenn es schwierig ist sein Geld zu verdienen... ...und hier sind die Termine:
Achtung: Termine noch unvollständig! Weitere Infos unter T. 089 161777 Discografie
Stephan
Mertens Das komplette Interview mit Rudy Linka (und noch viel mehr...) erscheint in Gitarre & Bass 11/97 ab Freitag den 10. Oktober im Handel! |