JIM MARTIN Keys No More...

 


JIM MARTIN Keys No More...

„Jim Martin. Ex-Guitar-Player of Faith No More" verrät der Sticker rechts oben auf der CD. Nach der Trennung von seiner alten Band 1994 präsentiert der in Kalifornien lebende Jim Martin (Jahrgang 1961) sein erstes Solo-Album ,Milk And Blood‘. Mit dabei waren der Bassist Brent Weeks und Drummer Joe Cabral, beide Freunde von Jim, die bisher noch auf keiner größeren Produktion zu hören waren.

Im Vergleich zu alten Faith-No-More-Alben spielt Jim – hört man genau hin – im Grunde dieselben Licks und Riffs, die seiner früheren Band ihren Heavy-Charakter gaben. Durch die Trio-Besetzung ist Martin natürlich gezwungen, mehr zu spielen und die Musik ist entsprechend gitarrenlastig. So gibt es des öfteren zweistimmige Gitarrenläufe à la Metallica und knallende Metal-Riffs, die auf eine lockere Anschlaghand schließen lassen. Die überwiegend harten Stücke sind vertrackt und warten immer wieder mit Überraschungen auf, wie abgedrehten Outside-Gitarren, Soul/Jazz-Einflüssen und im pink-floyd-mäßigen ,Around The Sun‘ mit schönen Sounds, und als Bonbon zeigt sich Martin im letzten Stück als annehmbarer Fingerstyle-Gitarrist auf der Akustischen. Insgesamt ein abwechslungsreiches und interessantes Album und eine gute Band – wie Faith No More – nur eben, abgesehen von ,Around The Sun‘, ohne Keyboards und Synthesizer. Und im Unterschied zu den ehemaligen Kollegen hat Martin die Musik auf ,Milk And Blood‘ sehr rauh produziert.

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Leser, wir schalten um zum Interview! Mit seinem zotteligen Bart, der Sonnenbrille, der Baseball-Kappe und einer Militärhose in Tarnfarben wirkt Jim Martin wie eine Mischung aus Billy Gibbons und Che Guevara. Eine sympathische Erscheinung also, die auch ganz nette Kommentare abgibt, wie z. B. zum Titel des Albums. Jim: „Wenn du geboren wirst, trinkst du die Muttermilch und trägst das Blut deiner Familie in dir: the vital fluids of life." Damit wäre fast alles Grundsätzliche gesagt, trotzdem blieben noch ein paar Fragen zu ,Milk And Blood' offen...

G&B: Jim, wieso spielst du jetzt nur in Trio-Besetzung?

Jim: Ich dachte, es ist einfacher, wenn du weniger Leute hast. Wir brauchen eigentlich niemanden mehr. Ich habe verschiedene Sänger ausprobiert und ihnen gesagt, was sie singen sollen, denn ich hatte eine genaue Vorstellung davon. Schließlich sagte ich zu mir: Warum singst du nicht selbst? Und das habe ich auch gemacht.

G&B: Viele Gesangs-Parts und Gitarren-Riffs erinnern mich an Metallica. Bist du zurück zu deinen Wurzeln gegangen?

Jim: Die Platte ist eine Kombination aus all meinen musikalischen Erfahrungen. Ich bin sicher zurückgegangen. Ich habe einige Sachen versucht, die etwas moderner klingen sollten, aber schließlich klangen sie doch wieder alt.

G&B: Das ganze Album ist mehr Metal als Crossover. Und es gibt auch Punk-Elemente...

Jim: Ich mag die alten Punkrock-Bands, von denen du vielleicht noch nie etwas gehört hast. The Exploited dagegen wirst du sicherlich noch kennen. In den USA gab es einen Trend, der immer noch anhält. Es gibt Bands, die diesen Punkrock-Style spielen – aber es ist kein wirklicher Punkrock. Es klingt nur danach. ,Navigator‘ ist z. B. eigentlich ein Cover von den Pogues; sie haben es in ihrem irischen traditionellen Stil gespielt. Ich dachte, man könnte diesen Song perfekt als Punk-Nummer spielen.

G&B: ,Around The Sun‘ scheint so etwas wie ein Tribute an Pink Floyd zu sein, vor allen Dingen was deinen Gesang angeht...

Jim: Der Gesangsstil schien für das Stück zu passen. Ich bewundere Pink Floyd sehr, besonders die alten Platten. Vielleicht ist es eine Art von Tribute. Der Mittelteil des Stücks ist beinahe direkt Pink-Floyd-Stil. Definitiv.

G&B: Und es gibt einige Outside-Parts auf der Gitarre, die mich ein bißchen an Zappa erinnern.

Jim: Ich liebe Sabbath, sie sind ein großer Einfluß auf mein Gitarrenspiel gewesen. Die erste Platte, die ich mir gekauft habe, war ,Paranoid‘. Von Black Sabbath gibt es sehr viele gute Sachen...

Equipment

Jim Martin benutzte bei den Aufnahmen zu ,Milk & Blood‘ zwei Gibson Flying V und eine Gibson Les Paul Deluxe. Weiterhin kamen eine Fender Stratocaster und eine Akustikgitarre der finnischen Firma Landola zum Einsatz. Jim zieht auf seinen Gitarren GHS-Strings (Super Boomers) auf.

Weiterhin spielte er im Studio einen Mesa/Boogie Mark III über Marshall 4´ 12"-Cabinets mit 75-Watt-Speakern. Hinzu kamen ein Morley Power WahWah und einige Effekte vom Eventide Ultra Harmonizer. n

Discografie

Jim Martin & Faith No More

  • We Care A Lot (1985)
  • Introduce Yourself (1987)
  • The Real Thing (1989)
  • Live At Brixton Academy (1991)
  • Angel Dust (1992)

Jim Martin Solo

  • Milk And Blood (1997)

Story: Arnd Müller
Fotos: SPV, A. Müller

 

Das komplette Interview mit Jim Martin (und noch viel mehr...) erscheint in Gitarre & Bass 11/97 – ab Freitag den 10. Oktober im Handel!

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