Riepl


Guitar! Die neue Serie stellt in den folgenden Monaten interessante Gitarristen aus unseren Breiten vor – Musiker, die nicht unbedingt bekannt, dafür aber um so hörenswerter sind. Es geht um Facts & Informationen, und damit man die Kollegen schön miteinander vergleichen kann, werden auch immer dieselben Fragen gestellt. In diesem Monat am Start: Der Münchener Gitarrist Tom Riepl. Eine Rezension seines aktuellen Albums ,Planet G. findet man weiter vorne im Heft.

Name: Tom Riepl (36)

Jobs: Solist, Studio, Clinics, Fender-Endorser, Workshops & Messe-Vorführungen für Roland

Ausbildung: Violinunterricht, autodidakt. Gitarre, MGI-Studium/bester Absolvent 86

Discografie: The Only One (1988), Dance The Blues (1991), Let The Guitar Do The Talking (1993), Planet G. (1997)

Laster: 15 Zigaretten täglich, „im Studio ein bißchen mehr"; Gitarren kaufen.

Einflüsse: Country, Cajun und Blues – Muddy Waters, B.B. King, Johnny Winter; Fusion – Larry Carlton, Lee Ritenour, Steve Morse; Rock: Van Halen... – und die TV-Musik von Mike Post (z. B. Detektiv Rockford)

CD Top 3: Donald Fagen – Nightfly; Van Halen – Van Halen I; Steve Morse Band – The Introduction; Wayne Toups – Fish Out Of Water (Louisiana Cajun Rock)

Equipment: Eine Contemporary Strat, eine 60s Strat & eine Danny Gatton Tele, alle aus dem Fender Custom Shop, sowie eine 1995er USA Standard Strat von der Stange sind Toms Hauptgitarren. Dazu kommen noch eine 87er PRS Signature, eine 82er Hamer Flying V, von Music Man die Modelle EVH und Steve Morse, von Gibson eine 80er ES 335 Dot, eine Les Paul Classic und eine Firebird V, sowie weitere Gitarren von Starfield, Ovation und Taylor.

Die Amps: Mesa/Boogie MK IIC (1984), Dual Rectifier & 2´ 12"-Cabinet, Fender Prosonic 2´ 10" und Fender Bronco. Toms Setup ist dreikanalig geschaltet (Effect/Clean/Effect verwaltet mit einem Nobels MS8 Switcher), zu seinen Effekten gehören u. a. ein Intellifex, ein Boss AC2 Acoustic Simulator, ein Ibanez Tube Screamer sowie ein Phaser Und ein Compressor von MXR.

Kontakt: Tomtone Music/Riepl, Moeslstr. 35, D-82140 Olching; T 08142 – 2283

Was unterscheidet dich von anderen Gitarristen?

Ich mache auf meinen eigenen CDs ausschließlich Instrumentalmusik. Außerdem lege ich nicht so großen Wert aufs Live-spielen, ich war eigentlich schon immer eher dieser Studio-Typ. Und ich bin sehr pingelig, bis mir eine Sache, die ich mache wirklich gefällt. Ich versuche immer an mir zu arbeiten und nehme die Sache ziemlich ernst (lacht). Ich denke auch, daß meine Musik einen Wiedererkennungswert hat.

Welche Eigenschaften sollte man haben, wenn man als Musiker (über)leben will?

Man muß zuverlässig sein, gute Menschenkenntnis haben, eine positive Einstellung alllen Jobs gegenüber haben – gerade im Studio-Bereich sollte man nicht zu wählerisch sein, sondern zumindest zuerst mal jeden Job annehmen – also auch mal Volksmusik-Produktionen machen und solche Sachen. Und sicher ist es von Vorteil, wenn man eine positive Ausstrahlung hat und ein umgänglicher, offener Mensch ist. Man sollte sich natürlich auch auf verschiedenste musiklische Situationen und Anforderungen einstellen und flexibel reagieren können, ein Gespür dafür haben, was der Song braucht. Als Instrumentalsolist sollte man die Sache auch mit Humor rüberbringen, sonst wird das alles schnell zu trocken. Mit Humor erreicht man neben den Gitarrenspezialisten auch ganz normale Musikhörer.

Informierst du dich über aktuelle Musik-Trends durch Radio, Viva, MTV etc.?

Radio weniger, Viva, MTV und VH-1 mehr, wobei mir VH-1 eigentlich am besten gefällt, (grinst) da kommt auch was für Leute aus meinem Alter. Außerdem lese ich jeden Monat Gitarre & Bass... (Brav, Tom; d. Red.)

Gibt es Musikerkollegen, die du besonders schätzt oder bewunderst?

Bewundern weniger; aber ich schätze sehr einen Drummer, mit dem ich schon viel im Studio gearbeitet habe, Alex Drab; an Gitarristen schätze ich Thomas Blug und Abi von Reininghaus.

Wie arbeitest du an der Entwicklung deiner praktischen, wie an der deiner theoretischen Fähigkeiten?

Theoretisch habe ich mich immer mit Unterricht fitgehalten; in diesem Zusammenhang muß ich viele Sachen noch einmal durchdenken und vorbereiten. Mit der Praxis läuft es ähnlich: Ich muß, wenn ich unterrichte, auch immer mal wieder ein neues Steve-Vai-Lick oder ein paar Joe-Satriani-Sachen zu lernen, wenn meine Schüler das wollen. Das hält fit. Ansonsten versuche ich eine Stunde am Tag konzentriert zu üben, das möglichst immer zur gleichen Tageszeit, denn ich habe die Erfahrung gemacht, daß das sehr gut funktioniert. Dann versuche ich aber an musikalischen Ideen zu arbeiten, weniger an technischen Dingen.

Wie wichtig sind technische Neuheiten für dich?

Interessieren mich sehr, durch meine Messe-Jobs und Workshops werde ich eh immer mit neuen Sachen konfrontiert. Wenn ich Testberichte lese, und die jeweiligen Geräte interessieren mich, dann versuch ich auch, sie in einem Musikgeschäft aufzutreiben und zu testen. Und ich bin Gitarren-Freak, ich habe immer eher den puren Sound bevorzugt, weniger die Effekte. Für mich sind Gitarren mehr als nur Werkzeuge, das sind Instrumente, mit denen ich in direktem körperlichen Kontakt bin; und der Sound kommt dann aus dem Kopf und aus den Fingern.

Wolltest du schon mal alles hinschmeißen?

Ja. Ja, des öfteren schon. Dann überlegt man sich, ob das Ganze den Aufwand wert ist. Aber dieses Auf und Ab macht jeder durch, das geht immer so. Ich habe nichts dagegen für unbekannte Leute zu spielen oder Unterricht zu geben – überhaupt nicht. Ich erwarte nur Anerkennung für die harte Arbeit. Und irgendwann zahlt sich das auch aus, wenn man durchhält.

Was tust du, um fit und auf dem Boden zu bleiben?

Wenn man mal ganz unten ist, dann hilft nur, wenn man sich nach ein paar Tagen Durchhängen wieder an die Arbeit macht, wieder eigene Songs schreibt, Gitarre spielt – das hilft. In erster Linie spielt man doch für sich selbst, denn das macht Freude, auch wenn man an dem Tag mal kein Geld damit verdient. Die Kunst und den Job, das muß man trennen können. Und über Erfolge muß man sich einfach freuen können.

Gibt es einen anderen Beruf, der dich interessieren könnte?

Ich wollte mal Gitarrenbauer werden, und das kann ich mir eigentlich immer noch vorstellen. Ansonsten ist Gitarrist mein Traumberuf. Ich habe jetzt aber auch schon die vierte CD für andere Leute produziert, und das gefällt mir auch. Man muß auch mal was von anderen Stilen mitkriegen, sonst wird das Ganze zur Sackgasse.

Womit beschäftigst du dich außerhalb der Musik?

(grinst) Da gibt es eigentlich nichts. Und der Musiker-Job beinhaltet ja mehr, als nur Gitarre zu spielen... Ich bin großer Amerika-Fan, aber das hängt auch mit der Musik zusammen. Manchmal lege ich mich abends auch einfach nur vor den Fernseher (grinst), und dann schaue ich mir amerikanische Serien an, aber auch wegen der Musik. Und manchmal muß ich auch spülen und einkaufen, außerdem koche ich gern.

Welche Pläne hast du?

Ich möchte mich mit einigen geplanten Workshops im kommenden Jahr als Fender-Endorser etablieren. Durch solche Veranstaltungen lernt man immer viele Leute kennen – und so kann ich dann auch meine Platten verkaufen. Außerdem hätte ich Lust mal auf der NAMM-Show zu spielen, und ich würde mal gern bei einer größeren Band einsteigen, nicht als der Dauer-Solist, sondern einfach als Gitarrist...

Dann schau mer mal, ob Maffay, Westernhagen oder Grönemeyer mal anrufen – die Nummer steht oben.

Lothar Trampert
Fotos: Dieter Stork

Dieses Feature (und noch viel mehr...) erscheint in Gitarre & Bass 11/97 – ab Freitag den 10. Oktober im Handel!

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