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Scorpions, UFO, Scorpions, MSG, Contraband, MSG, UFO... Michael Schenker (42) ist im vergangenen Vierteljahrhundert immer wieder zwischen diesen Polen hin und her gewandert, das ohne jemals die Seite zu wechseln: Sein Format hieß immer Rock Guitar", sein Rezept Sound", seine Gitarre Flying V" mit diesen Zutaten wird man bekanntlich nicht unbedingt Superstar. Schenker wurde damit Kult-Gitarrist, Rock Institution & natürlich ist er Scorpion Rudolf Schenkers Bruder. Mit 15 Jahren war Michael Schenker auch schon einmal Gitarrist der Scorpions, die er zwei Jahre später verließ, um bei der britischen Rock-Legende UFO einzusteigen: Sechs gemeinsame Alben entstanden, und die Band hatte soviel zu tun, daß Schenker sogar eine Einladung zur Audition bei den Rolling Stones ablehnte, die damals nach Ron Wood suchten. Die Stones blieben die Stones, und UFO wurde eine der international einflußreichsten Rock-Bands der 70er Jahre. 1978 verließ Michael Schenker trotzdem das unbekannte Flugobjekt und half mal wieder bei den Scorpions aus. Resultat: Das gemeinsame Album ,Lovedrive brachte den weltweiten Durchbruch der Band. Lange hielt die Verbindung allerdings nicht, denn es zeigten sich bei Michael extreme gesundheitlich bedingte Ausfälle; er machte solo weiter. Ein Jahr später erschien ,The Michael Schenker Group; dieser Veröffentlichung folgten noch 11 weitere MSG-Alben (u. a. mit Cozy Powell, Billy Sheehan, Graham Bonnet, Robin McAuley...), nur unterbrochen von einem weiteren Schenker-Projekt, der Contraband, zu der 1991 unter anderem Tracii Guns gehörte. 1993/94 tourte Michael noch mal mit den Scorpions durch Europa und Japan, und er wurde auch von Deep Purple gefragt, ob er nicht einsteigen wolle. Ja sagte er aber nur zur Idee einer UFO-Reunion: 1993 wurde zum ersten Mal nach Jahren wieder gemeinsam getourt. Gerade erschien das aktuelle" Album der Originalbesetzung jetzt auch in Deutschland; in Japan gab es ,Walk On Water ohne Bonus-Tracks schon vor knapp zwei Jahren. Eine UFO-Tour folgt im Dezember... 1997 steht Michael Schenker 25 Jahre als Musiker in der Öffentlichkeit, und er ist nach einigen harten Lebensphasen wieder voll da: Seine neue Live-DoCD (,The Michael Schenker Story Live performed by The Michael Schenker Group) dokumentiert nicht nur die wichtigsten Songs seiner Karriere in Neueinspielung, sondern zeigt einmal mehr, daß Schenker zu den ganz großen Rock-Virtuosen an der E-Gitarre gehört. Der Mann hat immer noch einen tierischen Ton und außerdem nicht nur eine Menge Tricks drauf nein, er kann die auch noch musikalisch mehr als sinnvoll einsetzen. Eine seltene Kunst... Kult-Gitarrist wurde Schenker vor allem durch seine UFO-Tätigkeit von 1973 bis 78: Bands wie Def Leppard, Metallica und die wohl nur noch in unserer Erinnerung und Axls Wunschdenken existierenden Guns N Roses sehen sich selbst als UFO-bestrahlt, internationale Musik- und Muikermagazine wählten den deutschen Mich(a)el aus Hannover immer wieder zum Number One Guitarist", One of the most influential guitarists of all time", etc. Und wenn man sich aktuelle wie historische Aufnahmen des Gitarristen anhört, sind diese zugeschriebenen Qualitäten absolut nachvollziehbar. Auf der aktuellen Live-Platte ist in jedem der 30 Tracks fantastische Gitarrenmusik zu hören, und auch bei UFO wird wohl wieder an einem kräftigen Brett gesägt, wenn sie live halten, was sie auf einigen Songs von ,Walk On Water versprochen haben. Dabei hat Schenker nie das Bedürfnis, auch nur ansatzweise poliert rüberzukommen: Bei aller Virtuosität in seinen Linien und Riffs kommt in jedem einzelnen Ton immer noch eine Menge Dreck rüber. Hervorragend. Zum Interview treffe ich einen gut organisierten Musiker, der, nicht wie Lodamatäus nur ständig darüber redet, daß er es 1998 noch oimoal soa rischtig wissen will", sondern wirklich die Fäden in der Hand hält. Professionell werden alle Fakten zu den aktuellen Veröffentlichungen durchgegangen, das Info-Material liegt auf dem Tisch, das etwas unübersichtliche Tracklisting des Albums wird klargestellt. Hervorragende Promo-Arbeit kann man da nur sagen (auch im Vorfeld), und wenn alle schön mitmachen, dann wird das nächste ein Schenker-Jahr. Und was für ein Zufall: Alle hier genannten CDs eignen sich natürlich auch großartig als Weihnachtsgeschenker. Schenker: Mit diesem Live-Album habe ich jetzt ein Chapter abgeschlossen, im Grunde genommen das meiner letzten 24 Platten. Und jetzt konzentriere ich mich auf UFO. Ich lebe eigentlich in Scottsdale, Arizona, werde mich aber wegen der UFO-Sache jetzt häufiger in Europa aufhalten. G&B: Kommen wir direkt zu deiner Musik: Hast du ein spezielles Konzept, wie du an einen Song rangehst? Schenker: Ich übe jeden Tag, regelmäßig, und wenn ich dabei an irgendeiner Sache hängenbleibe, z. B. an einem Riff, dann nehme ich das schnell auf; oft sind das nur fünf, sechs, sieben Sekunden. Wenn ich dann ein bis zwei Tapes voll habe und wieder eine neue Platte machen will, meist so nach einem Jahr, setze ich mich hin und höre die ganzen Sachen durch. Wenn ich dann etwas Gutes höre, spiele ich gleich wieder dazu, lasse mich inspirieren, und so wachsen die Stücke allmählich immer weiter. Wenn ich dann mit einem Song weit genug bin, gebe ich das Material dem Sänger, und der sucht sich dann das für ihn beste heraus. Und dann gehen wir in den Übungsraum und spielen es als Band. Mit UFO wollen wir es bei der nächsten Platte anders machen: Wir setzen uns in den Übungsraum, einer spielt ein Riff, der andere macht was daraus, und so sollen dann die Songs wachsen. So, wie wir das früher alle gemacht haben. G&B: Wie gehst du bei Soli vor? Wie viele entwickeln sich spontan, wie viele werden zur Komposition und bleiben dann immer gleich? Schenker: Das kommt natürlich aufs Stück an, eine bestimmte Strategie habe ich nicht. (Michael nimmt die neue Live-DoCD in die Hand) Bei ,Doctor Doctor ist das Solo ja praktisch eine feste Melodie, die ich immer wieder spiele. ,Let It Roll habe ich mal übernommen; das Solo von der UFO-Live-LP ist praktisch improvisiert über ,Strangers In The Night... Es gibt dabei immer Teile die sich wiederholen, andere kommen neu improvisiert dazu. ,Lights Out ist dagegen immer anders, ,Only You Can Rock Me war damals bei den Plattenaufnahmen improvisiert, dann habe ich es aber so übernommen. Es kommt auch immer darauf an, ob ich mit dem was improvisiert wurde zufrieden bin. Manchmal ist aber der Reiz, etwas Neues zu versuchen, größer. G&B: Die Flying V ist weiterhin die Schenker-Familiengitarre? Schenker: Eine Familiengitarre wäre sie nur, wenn Barbara sie auch spielt. Meine Schwester hat nämlich gerade angefangen, Gitarre zu lernen; der Wishbone-Ash-Gitarrist bringt ihr das bei. Warte mal ab, zwei drei Jahre; und dann spielt sie vielleicht auch Flying V ...
Facts! The Michael Schenker Story Live (IRS/event): DoCD,
aufgenommen in Tokyo im März 97, zweieinhalb Stunden Musik, 28 Songs, davon 12 zum ersten Mal live
eingespielt, 20 Seiten Booklet, Mini-Poster, Discografie. Besonderheit: Über Mailorder
oder auch bei Konzerten von Michael Schenker gibt es diese DoCD mit zwei zusätzlichen
Bonus-Tracks. Und wann & wo kann man Michael Schenker live erleben? Zusammen mit UFO tritt er an den folgenden Terminen auf:
Story by Lothar Trampert Fotos: United Talents, L.J. Eifel, Barbara Stiller
Das vollständige Interview mit Michael Schenker und noch eine Menge mehr erscheint in Gitarre & Bass 12/97! Ab Freitag den 14. November im Handel! |