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Unplugged Only! Er ist vielleicht der einzige Gitarrist aus dem Jazz-Lager, der noch nie elektrisch zu hören war; ein reiner Akustiker also, dazu noch mit der recht ungewöhnlichen Instrumentenkombination von klassischer Nylonstring- und 12saitiger Steelstring-Gitarre. Spätestens jetzt wissen Interessierte, auf wen diese Beschreibung paßt... Es geht um Ralph Towner, Gitarrist und Mitbegründer der Gruppe Oregon. Der Multi-Instrumentalist (außer Gitarre spielt er Klavier, Synthesizer, Trompete und Percussion) hat eine außergewöhnliche Laufbahn hinter sich. Geboren 1940 startet er mit dem Klavier im Alter von 3 Jahren, beginnt mit 18 ein Musikstudium an der University of Oregon zunächst mit der Trompete und hält im vergleichsweise fortgeschrittenen Alter von 22 erstmals eine Gitarre in den Händen. 1963 und 1967 geht er jeweils für ein Jahr nach Wien und studiert bei dem klassischen Gitarristen Karl Scheit. Zurück in den Staaten arbeitet er in New York als Pianist und Gitarrist und wird 1970 Mitglied des Paul Winter Consort, einer ungewöhnlich instrumentierten Gruppe mit Cello und Oboe. Hier spielt er ausschließlich 12string-Gitarre und lernt Glenn Moore, Colin Walcott und Paul McCandless kennen. Eine folgenreiche Begegnung, denn diese vier gründen zwei Jahre später das Quartett Oregon, ein höchst wandlungsfähiger Klangkörper im Spannungsfeld zwischen europäischer Kammermusik, World Music und Jazz. Seitdem hat Ralph Towner als Solist, als Sideman und zusammen mit Oregon eine lange Reihe von Plattenaufnahmen vorgelegt, erhielt 1974 den Downbeats critics" Poll und gewann mit Oregon für das Album ,Ecotopia einen Grammy. Er erfährt bei Hörern und Musikerkollegen gleichermaßen größte Hochachtung und ist eines der gitarristischen Aushängeschilder des Münchner Labels ECM. Interview G&B: Ralph, du bist einer der pianistischsten Gitarristen überhaupt. Wie hast du diesen individuellen Stil entwickelt? Towner: Mein wichtigster Einfluß in dieser Hinsicht war sicherlich der Jazz-Pianist Bill Evans. Sein harmonisches Konzept und die fast kontrapunktische Spielweise habe ich versucht, auf die Gitarre zu übertragen. Deshalb auch der häufige Einsatz von open string voicings", um den charakteristischen Klang von kleinen und großen Sekunden im Akkord zu erhalten. Dadurch daß ich fingerstyle mit klassischer Anschlagstechnik spiele, kann ich die Lautstärke jeder einzelnen Note des Akkordes kontrollieren, eine sehr pianistische Konzeption. Noch heute versuche ich, jeden Tag ein neues ungewöhnliches Voicing zu finden, es ist eine never-ending-story. Die Gitarre ist natürlich im Vergleich zu einer Tastatur sehr unübersichtlich, eine richtige Herausforderung. Was mir dabei hilft ist eine lineare Sichtweise, ich versuche auch in langen Folgen von Akkord-Voicings jede einzelne Stimme unabhängig zu führen und herauszuarbeiten. G&B: Wie bist du eigentlich nach Klavier und Trompete zur Gitarre gekommen? Towner: Das ist eine lustige Geschichte, es war fast ein Zufall. Den elektrischen Gitarren-Sound mochte ich nicht, aber nachdem ich durch mein Kompositionsstudium zum erstenmal klassische Gitarristen hörte, war ich sehr interessiert. Als ich das nächste Mal wegen etwas ganz anderem in einen Musikladen ging, hat mir ein sehr geschickter Verkäufer tatsächlich eine Klassikgitarre verkauft. Ich habe dann angefangen, mir selbst einiges beizubringen und habe fast sofort auch kleine Stücke für Gitarre und Flöte geschrieben, die ich selbst kaum spielen konnte. Ein Professor an der Universität empfahl mir auf die Frage nach einem guten Gitarrenlehrer Karl Scheit in Wien. Ich dachte Wo ist Wien?" und war kurze Zeit später dort, studierte bei ihm und übte wie ein Verrückter zehn Stunden am Tag. G&B: Wie hast du die 12saitige Gitarre kennengelernt? Towner: Das war 1970, als ich anfing mit Paul Winter zu arbeiten. Er gab mir einfach eine und wollte, daß ich darauf spiele. Bis dahin hatte ich noch nie so eine Gitarre gesehen, wollte auch im Grunde gar nicht darauf spielen. Ich habe dann aber einfach meine klassische Spieltechnik darauf angewandt und angefangen, zu improvisieren. In dieser Band lernte ich auch Glenn, Colin und Paul kennen und wir verstanden uns musikalisch so gut, daß wir eine eigene Gruppe, Oregon, gründeten... Story by Andreas Schulz Das vollständige Interview plus Discografie und noch eine Menge mehr erscheint in Gitarre & Bass 12/97! Ab Freitag den 14. November im Handel! |