INNES SIBUN
Stardust
rough trade/provogue
Innes Sibun gehört zu den Virtuosen unter den europäischen Gitarristen, aber nicht nur
das: Zusammen mit seiner Band hat er, inzwischen zum dritten Mal, ein bluesiges Rock-Album
hingelegt, daß sowohl hervorragende instrumentale Arbeit, stimmungsvollen Gesang (von
Nick Holland) und richtig gute Songs liefert. Die Band wird demnächst auch wieder live
unterwegs sein und Innes Slide-Spiel und die kräftig abrockende Combo sind
sehenswert! Für Blues- und Rock-Fans. (ju)
LUCKY PETERSON
Move
motor/gitanes
Gitarre, Hammond, Clavinet, E-Pianos und Klavier
bearbeitet Lucky Peterson, und immer wieder ist es Blues. Sehr schön kommt das soulige
,Lets Go Get Stoned (Wahlspruch der SM-Szene: Laß mal losgehen und uns
steinigen..."), ebenso ,Tin Pan Alley immer im typischen Sound, mit
seinem merkwürdigem Solid-State-Gitarrenton. Nur bei Princens ,Purple Rain ist dann
WahWah angesagt; aus der Nummer macht Lucky allerdings einen sehr einfachen kleinen blauen
Song das hatte TAFKAP besser drauf. Peterson macht den Minuspunkt aber in der
folgenden Nummer ,Pickin dann wieder wett... Fazit: OK. Für Fans:
Hörenswert. Für Drummer: Dennis Chambers zeigt straighte Qualitäten... (ju)
ATTILA ZOLLER
Solo Guitar: Lasting Love
rough trade/acoustic music
Er gehört seit den 50er Jahren zu den ganz wichtigen
europäischen Instrumentalisten. Von Wien über Frankfurt ging er in die USA, spielte mit
Lee Konitz, Paul Bley, Sonny Rollins, Herbie Hancock, Masahiko Sato, Ron Carter und Jimmy
Raney. Zu Attila Zollers Schülern und Fans gehören heute Kollegen wie Mike Stern, Pat
Metheny und Jim Hall. Der bluesig spröde Ton, der oft kantige Ansatz, die eigenwillig
balkaneske Moll-Stimmung seines Spiels, das sich vor allem in den 60er und 70er Jahren
zwischen coolen Standards und Free-Spielweisen bewegte, machen Zoller zu einem ganz
großen Jazz-Musiker, und zu einem der eigenwilligen Gitarristen des Genres. Ein
Solo-Album von ihm fehlte bisher noch, und das hat Peter Finger von acoustic music,
zusammen mit dem Gitarristen Woody Mann, jetzt ermöglicht. Attila Zoller pur. (lt)
GARY WILLIS
No Sweat
efa/alchemy
Zusammen mit Drummer Dennis Chambers (mal wieder!),
Keyboarder Scott Kinsey und Sax-Mann Steve Tavaglione spielt Knurr-Monster Gary Willis
einen Jazz-Funk-Sound, der den Vorteil der Transparenz in Band-Sound und Arrangement hat.
Und Willis ist dem Electric Jazz des Herrn Davis immer näher als dem polierten
Westcoast-Fusion. Warum viel Geld beim Musicians Institute in Hollywood ausgeben, wenn man
von einem Album des MI-Lehrers so viel lernen kann: Sound, Ökonomie, Groove,
Spannungsbögen... Interessant. (ju)
SLY & ROBBIE
Friends
eastwest
Die Rhythm-Section der 70er & 80er Jahre waren sie,
das nicht nur in ihrem ursprünglichen Reggae-Genre, später auch bei Bob Dylan, James
Brown, Joe Cocker, Mick Jagger u. a. Das vorliegende Werk entstand mit Kollegen von Simply
Red, mit Maxi Priest, Ali Campbell u. a. Ansatzweise genießbar geriet dabei allerdings
nur eine deftige Packung Groove, denn die Songs an sich sind relativ flach und
berechenbar. Und angeblich gibt es ja auch Pop-Reggae, der funktioniert, ohne daß man
sich die Megatüte gezogen haben muß... Ihr & euer Hannsgerd Harz. (hh)
JONAS HELLBORG/SHAWN
LANE
Time Is The Enemy
edel contraire
Feel free! Das neue Album von Jonas Hellborg am Bass, Gitarrist Shawn Lane und Apt.Q-258
alias Jeff Sipe am Schlagzeug ist wie der Vorgänger ein Live-Mitschnitt. Von Funk, Blues
und Jazz beeinflußt spielen sich die Drei durch ihre lebendigen Improvisationen, bei
denen man ständig das Gefühl hat, als würde jeder Harmonie- oder Rhythmuswechsel auf
Zuruf/-blick erfolgen. Das Album bestätigt einmal mehr, daß hier tolle Instrumentalisten
am Werk waren. (am)
TWENTY TON FLY
Transcending
virgin
Nicht aus Chicago und auch nicht aus Seattle kommen diese Alternativisten, die allerdings
den US-Rock der 90er genauestens studiert haben. Aber Twenty Ton Fly klingen besser, als
viele Klon-Pannen der Post-Grunge- und Electro-Metal-Ära. Einmal abgesehen von der
hochgestochenen Verbal-Kacke im CD-Info der Plattenfirma, (Die Band weiß
künstlerisch zu polarisieren, lotet die ganze Bandbreite zwischen einfühlsamer
Intimität und kraftvoller Gangart aus. Die Ballade ,Flower In The Concrete stellt
die emotionale Grundversorgung dar.") geht es hier um zeitgenössischen Rock, dem man
nicht unbedingt anmerkt, daß er gerade aus Germany, dem Land der fleißigen Wertarbeiter
und der dichten Denker stammt (...Neben der Veröffentlichung des Albums stehen nun
zunächst die Konzertaktivitäten der Gruppe auf vorderster Wichtigkeitsstufe, die vor
allem die überschäumende Energie der Musiker transportieren sollen." Ende des
Zitats). Na ja, vielleicht merkt mans doch. Trotzdem eine gute, fast schon
eigenwillige Musik. (lt)
RICK OCASEK
Troublizing
sony/columbia
48 Jahre ist er alt, der ehemalige Sänger der US-Pop-Rock-Institution The Cars. Als
Alternative-Produzent hat er sich ebenfalls bewährt (Hole, Bad Brains, Bad Religion,
Weezer...), und so war es nach vier Jahren wieder an der Zeit für ein eigenes Album
sein fünftes übrigens. Bei einigen Songs war Smashing-Pumpkins-Genie Billy Corgan
mit dabei, als Musiker & Co-Produzent; und Hole-Basseuse Melissa Auf der Maur zupfte
den Bass. Resultat: V.U.-mäßig hämmernder Gitarren-Rock (einiges erinnert an
Ex-Strangler Hugh Cornwells geniales 97er Solo-Werk), dazu kommen dezente
Kinderorgelklänge und weitere Bastler-Elektronik. Ocasek versprüht eine Intensität, die
gelegentlich an Brian Ferry & Roxy Music erinnert (so im Titel-Track), andererseits
ganz nah am Punk gebaut hat. Beides garantiert Melodien und Bewegung. Verrücktes Album. (lt)
GAFFERS
Rotor Slow Rotor Fast
tis/tugrec
Die CD beginnt mit einem merkwürdiges Intro, das mit einem netten Sch..."
abgebrochen wird, und dann folgt der erste richtige Song. Song?! Gitarrenlärm, im Raum
stehen gelassene fette Basstöne, monotone Grooves, schräger Gesang und sonstige Sounds
ergeben eine Geräuschkulisse der besonderen Art. Obwohl die Band manchmal poppig klingt,
wird jede Eingängigkeit schnell wieder zerstört. Die Gaffers sind nichts für schwache
Nerven trotzdem hat die Band was. (am)
[NO ONE IS
INNOCENT]
Utopia
motor
Sie kommen aus Frankreich und singen teils in ihrer Heimatsprache, teils in Englisch; die
Musik von [No One Is Innocent] wird auf jeden Fall jeder verstehen, der auf harten Rock
mit schrägen Momenten à la Henry Rollins steht. Mit der Kombination aus dezent funkigen
Schlagzeug-Grooves, heftigen Distortion-Gitarren, einem fetten Bass-Fundament und einem
Sänger, der seine Texte dem Hörer geradezu entgegenschreit, gelingen der Band packende
Stücke, die einfach überzeugen. Eine interessante Post-Grunge/Crossover-Band mit einem
eigenen Sound. (am)
VANDERHOOF
Vanderhoof
spv/steamhammer
Gitarrist Kurdt Vanderhoof spielte in den 80ern bei der Hardrock-Kapelle Metal Church. Mit
dabei war damals schon Schlagzeuger Kirk Arrington, den Vanderhoof jetzt für sein eigenes
Projekt wieder aktivierte. Die Band in der Besetzung g/b/dr/keys/voc spielt auf ihrem
Debüt eingängige Rock-Songs, die inspiriert sind von Led Zeppelin, Emerson, Lake &
Palmer und Deep Purple. Auch die Metal-Vergangenheit Vanderhoofs kommt bei einigen seiner
wohltönenden Gitarrenriffs immer wieder durch. Erwähnenswert sind auch die
geschmackvollen Orgel-Sounds von Keyboarder Brian Cokeley. Wenngleich einige Songs etwas
vom manchmal unfreiwillig komischen Pathos einer Metal-Ballade besitzen, ist dieses Debüt
eine runde Sache. (am)
GUANO APES
Proud Like A God
bmg/gun
Dem Quartett aus Göttingen sind auf seinem Debüt abwechslungsreiche Songs zwischen
Crossover und Pop gelungen, bei denen die tolle Stimme von Sängerin Sandra Nasic der
Musik den Stempel aufdrückt. Die Musiker können wirklich zufrieden sein mit ihrem Album,
obwohl das Potential der Band noch längst nicht ausgeschöpft ist. Und beim nächsten Mal
mit ein bißchen weniger Ernst gelingt vielleicht der große Wurf. (am)
OZRIC TENTACLES
Curious Corn
edel contraire/snapper
Die Kombination aus traditionellen Rock-Elementen und angesagten Electronic-Sounds aus dem
Dance/Techno/TripHop-Bereich ist schon länger angesagt. Die Ozric Tentacles gehören zu
den Bands, deren Wurzeln im Art-Rock und in der experimentellen Musik der 70er liegen, die
zugleich aber modernere bis aktuelle Trends in ihren eigenwilligen Instrumentalstücken
verarbeiten. Und das klingt schon reizvoll, wenn Satriani-inspirierte Gitarrenläufe auf
psychedelische Sounds treffen, oder orientalisch klingende Synthi-Linien mit typischem
Rock-Drumming unterlegt werden. Zudem ist im Hintergrund ständig ein bunt
zusammengemischter, wabbernder Klangteppich hörbar. Tanzbarer Electro-Psycho-Rock mit
Genialitätsanspruch, der die Ohren so richtig freipustet. (am)
MATALEX
Proud
efa/lipstick
Das vierte Album von Gitarrist & Jazz-Grunge-Erfinder Alex Gunia und seiner Band
Matalex ist zugleich das bisher ausgereifteste. Am Start sind wieder der Hamburger Drum
NBass-Doppelpack Jost Nickel/Arnd Geise und Keyboarder Matthias Krauß, daneben gibt
es bei einem Song mit Thomas D. von den Fanta4 wieder einen populären Gastmusiker. Die
äußerst homogen agierende Band ruht sich nicht auf früheren Verdiensten aus: Matalex
geht wieder einen Schritt weiter in Sachen Erneuerung des guten alten Jazz-Rock und sie
reichern ihren Metal-Funk-Jazz-Sound auch gerne mit trendigen wie ironischen Elementen an.
Alex Gunia beschränkt sich in gitarristischer Hinsicht auf less is more", und
fast, ja fast klingt er schon dreckig. Wenn das so weitergeht... (am)
JARS OF CLAY
Much Afraid
rough trade/silvertone
Nach der überraschenden Platin-Auszeichnung für ihr Debüt Album hätten die hohen
Erwartungen an Jars Of Clay aus Nashville zur Last werden können. Aber die 4 jungen Boys
entäuschen nicht, und bringen ein entspanntes, kommerzielles, gereiftes Album voller
großartiger Pop-Melodien und schöner Harmonien an den Start. Das akustische Klangbild,
die luftige Produktion, die latente Melancholie und der intensive Gesang, der
zwischendurch an John Waite erinnert, machen das Album zu einer angenehmen Berieselung. (ds)
DEAN MAGRAW
Kitchen Man
rough trade/acoustic music
Das 1994er Werk des US-Akustikgitarristen Dean Magraw wurde in den Staaten als
bestes Intrumental-Album" gefeiert, und vorweggenommen kann man behaupten, daß
,Kitchen Man auch das Zeug für eine solche Auszeichnung hat. Magraw, schon als Kind
begeistert von der Komplexiblität und Klangstruktur der Swing-Bands, liefert hier
hervorragendes Material zwischen Folk, Rock & Jazz ab. Seine Zusammenarbeit mit
Fretless-Bassist Jim Anton ist eine originelle, unaufdringlich virtuose und vor allem
swingende Vorstellung moderner A-Gitarrenmusik. (ds)
CHRIS DUARTE
Tailspin Headwhack
rough trade/silvertone
Gitarristisch hat er es faustdick hinter den Ohren: Chris Duarte, 1995 von den Lesern des
Guitar Players als Best New Talent" gefeiert, liefert mit ,Tailspin
Headwhack einen Haufen knackiger Blues-Rocker ab, bei denen eine amtlich klingende
Stratocaster schön im Vordergrund steht. Deswegen vergleichen ihn einige Kritiker auch
mit Stevie Ray Vaughan oder Jimi Hendrix. Bei seiner sehr Hendrix-mäßigen Coverversion
von ,Drivin South mag der Vergleich ja noch angehen, bei seinem eigenen
Material jedoch nicht. Das ist nämlich durchaus eigenständiger, breiter
Texas-Gitarren-Blues-Rock. (ds)
G. LOVE
& SPECIAL SAUCE
Yeah, Its That Easy
sony epic/okeh
Und noch ein Drittwerk, das stilistisch zwischen den Genres pendelt: Bei
Sänger/Harmonicaster & Gitarrist G. Love und seinen beiden Begleitern sind das, neben
dem allgegenwärtigen Blues, Soul, Funk, HipHop... eine bunte Mischung, die
überwiegend sehr acoustic" zelebriert wird. Kontrabaß & Drums grooven
beeindruckend, und auch Herr Liebes Schrammelgitarre kommt originell, elektrisch wie
unplugged. Ungewöhnliche Musik aus USA, schönes Album für den Rest der Welt. Und mit
Extra Multimedia"! (lt)
HOLLY COLE
Dark Dear Heart
emi
Wer sich gerne mit Musik im Stil von Joni Mitchell, Suzanne Vega oder Mary Margret
OHara verwöhnt, sollte sich auch Holly Cole einmal anhören. Die junge Kanadierin
hat zusammen mit Producer Larry Klein, ihren beiden musikalisch Partnern Aaron Davis (kb)
und David Piltch (b), sowie einigen Studio-Cracks ein wunderbar entrücktes, softes
Singer/Songwriter-Album verwirklicht. Neben Hollys markanten, beeindruckenden Vocals gibt
es hier stimmungsvolle Gitarrenarbeit von Kevin Breit, Dean Parks und Greg Leisz (an der
Pedal Steel) zu hören. Originell. (ds)
LUIS BORDA
y ZAIDA SAIACE
Nouveau Tango
boulevard/hammer
Piano und Akustikgitarre spielen Tango-Eigenkompositionen und wagen sich sogar an
Klassiker wie Piazollas ,Contrabajeando heran kann das gutgehen? Es kann, und
gerade die ungewöhnliche Kombination der beiden virtuosen Instrumentalisten Borda (g) und
Saiace (p) macht den Reiz dieser Produktion aus. Ein anspruchsvolles, stellenweise
schwermütiges Album, für dessen Genuß man sich Zeit nehmen sollte. (jk)
EXPRESSIVE D&B
Various Artists
liquid stein/D4D
Subsonische Tiefstbässe im hyperaktiv zuckenden Schlagzeug-Gewitter nichts für
schwache Nerven, aber guuut! Mit Deutschlands Drum & Bass-Gott Alex Buchal aka L-X
(auf welcher Compilation ist der eigentlich nicht vertreten?) und seinen englischen
Counterparts Doc Scott (aus der Goldie/Metalheadz-Crew) und A Guy called Gerald
(Preisfrage: Was haben David Bowie und Tricky gemeinsam?). Die derzeit innovativste Musik
kommt aus dem Computer. (jk)
Tip$
König Bibi ruft, und alle kommen: Van Morrison, Tracy
Chapman, Mick Hucknall, Bonnie Raitt, Dr. John, Paul Carrack, Joe Cocker, Zuchero, die
kompletten Rolling Stones... und jeweils gibts ein Duett mit B.B. KING.
,Deuces Wild (universal) ist eine abwechslungsreiche Blues-Platte, und bis auf das
grausig stampfende Duo mit Eric Clapton (wg. programmierter Drums) musikalisch eine runde
Sache. GEORGE BENSON hat nicht nur einige seichte Pop-Soul-Nummern mit genialer
Gitarrenarbeit veredelt, auch eine Reihe hervorragend gespielter Instrumentals gehen auf
sein Konto. Die bringt ,Best Of The Instrumentals (wea), inklusive dem Ohrwurm
,Breezin RAY FENWICK? Nie gehört. Auf ,Riding The Rock Machine
(edel contraire/rpm)zeigt sich dann allerdings, daß der englische Gitarrist von 1962 bis
1976 einiges angestellt hat: Spencer Davis Group, Hardin & York, Bo Diddley, Ian
Gillan... Traditional BritRock. Ein anderer britischer Gitarrist hat da für mehr Furore
gesorgt: ALLAN HOLDSWORTH. Ein Großteil seines Backkatalogs ist wieder lieferbar
(über fenn/jms), so auch ,With A Heart In My Song, 1988 eingespielt im Duo mit dem
Keyboarder GORDON BECK. Absolut empfehlenswert & für A.H.-Fans ein Muß! l An
,THE SONGS OF JANIS JOPLIN haben sich verschiedene Größen und Kleinen der
internationalen Blues-Szene gewagt. ,Blues Down Deep heißt das Album, u. a.
eingespielt von Taj Mahal, Etta James, Sugar Blue, Lonnie Brooks, Koko Taylor...
(inakustik) l Bassist STANLEY CLARKE hat uns nicht nur ,Schooldays beschert,
eine Menge weiterer Funk & Fusion-Knaller gehen auf sein Konto. ,The Bass-Ic
Collection (sony/epic) bringt außerdem auch zwei neue Nummern.
,"play" heißt das nicht weniger funkende
neue Werk vom kanadischen Sechsaiter-Bassisten ALAIN CARON
& Le Band" (fenn/jms). Selbst Fusion-Allergiker unter den Bassisten werden
sich mit dieser knackigen Groove-Musik anfreunden können hervorragende originelle
Handarbeit! Aber das ,Impressions-Bass-Solo ist ja wohl eine deutlichste
Hommage" an Weather Report & Jacos ,A Remark You Made...? Oder nicht?
l P-Funk-Ikone BOOTSY COLLINS ist ein Original, egal ob am
Bass oder als Video-Actor. Auf ,Fresh Outta P-University (wea) ist er außerdem der
perfekte Pop-Clown, der den Hardcore-Arschgesichtern von der militanten Rap-Mafia
klarmacht, daß es eigentlich mal um Fun ging, bei der Musik. Und: Gute harte
Warteschleife bis zum nächsten Prince-Album...
Echten Jazz-Rrrrock gibts den überhaupt noch? Jou! UNIVERSAL
CONGRESS OF haben mit ,Sparkling Fresh (efa/hazelwood) ein neues Album
vorgelegt, das kracht, funkt, trötet (sax, b, dr, g) kurz: Morphine in der Disco.
Seit 1987 ist die untypische L.A.-Combo unterwegs, und diese Musik ist mehr als nur eine
Warteschleife z. B. bis zum nächsten RHCPeppers-Album. Geht ab! l Diese Rubrik
wurde eigentlich dafür geschaffen, um CD-Rezensionen kurz zu halten. Aber wenn eine Band SERIOUS
SOLID SWINEHEARD IS BETTER THAN HOMECOOKED heißt, die dann ihr Album ,LIVE Dance With
The Skeletons In Hell nennt, was übersetzt ungefähr so viel heißt wie, Is
zu spät, Mutti", dann kann man daran auch nichts mehr machen... Also: Das bizarre
Kölner Trio (g/voc, b, dr) wird hier erweitert durch einen fetten Bläsersatz (Ganz
schön fett, die Bläser") und die musikalische Kaffefahrt geht durch Cream-Rock,
Frith-Jazz, beefharten Nonsense... Man läßt auch keine zeitgeistigen Notwendigkeiten wie
mittelalterliche Klänge aus (,Saltarello): Plötzlich fühlt der andächtige Hörer
sich mitten in einem Mantel & Degen-Film, und Ritter Spocht kommt um die Ecke. Im
nächsten Track fließt dann folglich James Blood Ulmer, es resultieren eine traurige
Ballade, Zappaeske Hektik usw. usw. Abgefahrene schräge Songs zwischen allen Stühlen
& Stilen. Gut... Gut! Gut!!! (spv/day-glo). l Beim US-Country haben wir die Texte
nicht verstanden, beim Deutsch-Rock die Musik nicht, bei Tom Astor die Welt nicht mehr
feine Sache! Bei FINK und ihrer ,Vogelbeobachtung im Winter kann man
sich weder US-Ländlerklang noch den im hiesigen Idiom artikulierten Inhalten entziehen.
Entgegen allen Erwartungen klingt das sogar originell; außerdem war ich schon immer
dafür, ein paar Vertreter der Hamburger Hilfsschule in den mittleren Westen zu
verbannen... nein, der Fink soll bleiben, im heimischen Forst. (indigo/xxs)
Ebenfalls aus Germany kommen die pathetischen Art &
Fantasy-Rocker von EVERON. In Japan sind sie bereits erfolgreich. ,Venus
(rough trade/mascot) ist ein ausdruckstarkes Album mit emotionalen Songs, guten Sound und
intelligenten kleinen Überraschungen. l Und noch mal Do-it-schland: ,ZENSUR!?
heißt die DoCD-Benefiz-Compilation mit raren & unveröffentlichten Tracks von allen
die hier schräg, gut oder angesagt sind: The Notwist, Donna Regina, Throw That Beat,
Flugschädel, Messer Banzanai, Ärzte, Fettes Brot, Fanta4, Grönemeyer, Sterne, Scherben
Slime, Skrupel. Das Booklet gibt interessanteste Informationen zu bisher gelaufenen
Zensur-Aktionen von übereifrigen Kleindiktatoren & -geistern gegen denkende Menschen,
Genießer & Comic-Freunde. Und dagegen kann man was tun. (lt)
Weihnachtszeit ist Best-Of-Zeit! Hier viermal das Beste:
,The Best Of MARC BOLAN & T. REX 72
77 (edel contraire) bietet die bekanntesten Songs aus Bolans Glam-Rock-Phase
plus Interview und ein Gedicht die Wurzeln des BritPop! l ,The Ozzman Cometh
(epic/sony) präsentiert eine Auswahl des besten Solo-Materials von OZZY OSBOURNE sowie
vier Black-Sabbath-Aufnahmen von alten Studio-Demos plus ein Interview.
Obwohl ,All Areas-Worldwide von ACCEPT kein
Best-Of-Album ist, beinhaltet die Doppel-Live-CD alle Klassiker der Band in guter
Klangqualität. Schön! l Neben Peter Green zählte MICHAEL
BLOOMFIELD zu den einflußreichsten weißen Blues-Gitarristen jener Zeit. Das jetzt
erschienen ,Best Of Michael Bloomfield (edel contraire) enthält abwechslungsreiches
Material, das Bloomfield als erstklassigen Interpreten sowohl auf A- wie auf der E-Gitarre
zeigt.
Auch die Best-Of-Compilation von MIDNIGHT OIL ,
20.000 R. S. L. (sony/columbia) bietet alle Hits und einen guten Überblick auf das
20jährige musikalische Schaffen der Band. Als Appetithappen gibt es zwei neue Stücke des
1998 erscheinenden Albums ,Redneck Wonderland. (am) l Auch SOUNDGARDEN bescheren
uns ihre ,A-Sides (polydor/a&m) als erste Staffel mehrerer geplanter
Wiederveröffentlichungen (B-Sides", Live Recordings" und
Alternative + Demo Mixes") der mittlerweile aufgelösten Seattle-Band. Es geht
um Singles, von ihrer Indie-Zeit bis zum letzten Major-Album; dazu gibts noch die
Nummer ,Bleed Together aus der ,Down On The Upside Recording Session, die
bisher nur in Europa, und zwar nur als B-Seite (!) erhältlich war. Ein Programm für Fans
also! (ds) l Mike Varneys schier nie versiegender Quell für Freunde virtuoser
Gitarrenmusik sprudelt wieder einmal heftig. Auf drei CDs rauschen SUPER GUITAR HEROES
(u. a. Marty Friedman, Jason Becker, Tony MacAlpine, Darren Housholder, Joey Tafolla und
Michael Lee Firkins) durch die Skalen, kurz alles und jeder, der beim Flinkfinger-Label
Shrapnel (rough trade/roadrunner) unter Vertrag steht. Vol. 1 steht unter der Überschrift
,Neo Classical, Vol. 2 unter ,Contemporary und Teil 3 bringt die Balladen. Die
Auswahl der Tracks unterliegt dabei leider einer gewissen Beliebigkeit, denn von einigen
Interpreten gibt es erheblich stilvollere Stücke. Sonderlich innovatives Songwriting darf
man von Varneys Talentschmiede ohnehin nicht erwarten, dafür jedoch Saitenakrobatik bis
zum Abwinken. (sw) |