CUCUMBER MEN

 


CUCUMBER MEN

Früher waren wir besser...

Auf die Frage, was er denn für Equipment benutze, wird Justin Balk, Sänger und Gitarrist der Cucumber Men, ganz aufgeregt und bemerkt ironisch: „Oh Mann, ich wollte es schon immer sagen: Ich spiele die grünen Jim-Dunlop-Plektren, Tortex, und .010er-Saiten!" Endlich wissen wir’s, liebe Zuschauer draußen an den Bildschirmen: Das richtige Plektrum und die richtige Saitenstärke sind der alleinige Schlüssel zu guter Musik. Schön, wenn’s so einfach wäre...

Denn vielmehr als Plektrum oder Saitenstärke sind das Zusammenspiel innerhalb der Band der Grundpfeiler für gute Musik. Und Zusammenspiel lernt man am besten auf der Bühne und nicht im Proberaum; eine Erkenntnis, die sich bei den Cucumber Men aus dem Landkreis Pinneberg bei Hamburg frühzeitig durchgesetzt hat. 1990 begannen Justin Balk (g), Heiko Franz (dr), und Boris Büchner (b) gemeinsam Musik zu machen. Seitdem gab man kontinuierlich Konzerte, bis schließlich 1996 mit ,Früher Waren Wir Besser die erste CD veröffentlicht wurde. Die Band überzeugt hier mit funkigen Rocksongs, die auf den Punkt kommen. Im Vordergrund steht Justin mit seinen luschtigen bis nachdenklichen Texten und einem an Hendrix orientierten Gitarrenstil. Heiko und Boris geben den Songs den nötigen Druck und machen „untenrum dicht".

Die Kritiken auf die Platte waren positiv, und das Video zur Single-Auskopplung ,Ich Kenn Den Bruder Dessen Freundin Hat Ne Schwester Deren Vater Früher Mal Sein Fußballtrainer War wurden von MTV und VIVA gesendet. Für die Gurkenmänner liefen die Dinge also gut, bis sich Boris Anfang ’97 aus Krankheitsgründen das Leben nahm. Eine traurige und schwierige Situation, „denn", wie Justin betont, „Boris war unser Freund, nicht einfach nur, wie für die Medien, der Bassist der Cucumber Men".

Justin und Heiko, beide 25 Jahre alt, haben die Situation verkraftet und waren eine Zeitlang mit einem Ersatzbassisten auf Tour. Das Gespräch mit Justin fand kurz nach dem Auftritt beim diesjährigen Bonner Rheinkultur-Festival statt, und dem Interviewer ist nicht verborgen geblieben, daß die Cucumber Men eine Live-Band sind, die für Laune beim Publikum sorgt...

 

G&B: Man merkt euch an, daß ihr viel live gespielt habt.

Justin: Wir haben uns zwei Monate vor dem ersten Auftritt gegründet, d. h. wir sind sofort rauf auf die Bühne gegangen. Ich kenne viele Bands, die ewig rumprobieren, sich nicht trauen und denken, daß sie nicht genug Programm hätten, um auftreten zu können – wahrscheinlich weil sie glauben, sie müßten zwei Stunden Programm haben. Wir spielen eigentlich am liebsten 50 Minuten.

G&B: Wie geht ihr an eure Songs ran?

Justin: Wenn ich ein Gitarren-Riff habe, dann spielen wir einfach und daddeln erst Mal auf diesem Riff rum. Wir sind nicht die Innovativsten, was das Arrangement und den Song-Aufbau betrifft. Grundsätzlich ist schon klar, daß es eine Strophe und einen Refrain geben muß. Man weiß ungefähr, an dieser Stelle muß es abgehen oder die Strophe muß ein bißchen dezenter sein usw. Da wir immer viel aufgetreten sind, konnten wir die Stücke live testen. Nach drei, vier Auftritten merkt man dann, daß ein Stück nicht schlecht ist, sondern vielleicht nur zu lang, und dann gehen wir z. B. schneller in den Refrain.

G&B: Wie schreibst du deine Texte?

Justin: Ich habe ein Buch, wo ich alles reinschreibe, auch wenn es nur eine Phrase ist, z. B. „Ich kann das Wort Sex nicht mehr hören". Ich hatte sehr viele Vorstellungen, was ich damit sagen wollte. Ein paar Wochen später hatte ich dieses Funk-Riff, und wir dachten, daß es zu dieser Phrase passen könnte. Wir haben es dazu gesungen, und dann mußte ein Text her. Das ist ein wenig Arbeit, oftmals geht es aber auch ganz schnell. Meistens ändert man immer noch mal ein paar Zeilen.

G&B: Dein Gitarrenspiel und verschiedene Song-Parts klingen sehr Hendrix-inspiriert.

Justin: Ja, das ist offensichtlich, und das verleugnen wir auch nicht. Viele Leute kennen das ja gar nicht mehr in diesem Sinne. Jüngere Leute würden eher sagen, daß es nach Lenny Kravitz oder so klingt, dabei hat der auch alles geklaut. Es ist natürlich kein Zufall, das ich Strat und die alten Marshalls spiele. Allerdings tue ich das nicht nur, weil ich diesen Musiker Hendrix toll finde, sondern weil ich diese Kombination der Instrumente einfach mag. Ich finde, daß Hendrix auch ein großartiger Sänger war. Und wenn man mich als Gitarrist mit Hendrix vergleicht, ist das natürlich eine Farce – seine Sachen sind so was von komplex! Irgendwann ist mal geschrieben worden: „Die Cucumber Men vergleichen sich mit Hendrix und den Chili Peppers. Dabei muß bemerkt werden, daß ihnen die Genialität dieser beiden Bands bei weitem abgeht." Daß wir so genial wären, haben wir nie behauptet; Hendrix und die Chili Peppers geben einfach nur unsere Musikrichtung an...

Arnd Müller
Fotos: Mercury. A. Müller

Die ungekürzte Story & noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass nachlesen. Die G&B-Ausgabe 01/98 ist ab Freitag 12. Dezember 1997 im Handel.

 

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