CULTUREDPEARLSB.LASTRIDNORTEXSUPEREDPEARLS BASSTRIDNORTH CULTUREDPEARLS

 


CULTUREDPEARLSB.LASTRIDNORTEXSUPEREDPEARLS BASSTRIDNORTH CULTUREDPEARLS

SPACE AGE HONEYMOON

Tex Super ist Bassist von Cultured Pearls dem guten Trio um die schöne Sängerin Astrid North. Sie singt gut. Und das ist schön so. Super. Tex spielt nicht nur Bass, auch Trompete, Gitarre und Keyboards. Und er spielt mit B.La, denn zu einem Trio gehören immer drei. B.La ist der Schlagzeuger. Auch so etwas muß es geben.

Tex Super (26) kommt aus Siegen, hat seine Karriere mit Blockflötenunterricht begonnen, wechselte dann zur Trompete und bekam mit neun Jahren klassischen Unterricht. „Aber da war ich nicht fleißig genug, und bei Trompete muß man fleißig sein, wenn es nach was klingen soll." Das kennt man von Miles Davis und Walter Scholz, dem Mann mit der Teufelszunge – aber zurück zu Tex Super: Mit 15 fehlte dann der Bassist in einer seiner Bands, und er wechselte, zusätzlich angetrieben von Weltschmerz und Liebeskummer, zum E-Bass. „Die Disziplin, die mir bei der Trompete fehlte hatte ich beim Bass sofort. Ich habe dann jeden Tag vier Stunden geübt, und daher ging es einigermaßen schnell vorwärts."

Den ersten Bass-Unterricht hatte Tex bei einem Gitarristen, „einem richtigen Jazzer. Ich wollte Standards spielen, Walking Bass. Daher dachte ich mir, es sei schlauer von einem Gitarristen zu lernen, weil wir dann direkt zusammenspielen könnten. Und so war das dann auch." Es folgten gelegentlich immer mal wieder ein paar Unterrichtsstunden bei verschiedenen Bassisten: „Das reicht um gute Eindrücke zu bekommen, Anregungen zum weiterüben. Mehr brauchte ich eigentlich nicht."

Zusammen mit Drummer B.La (25) hat Tex längere Zeit in der Live-Band von Sissy Perlinger gespielt und auch verschiedene Studio-Jobs absolviert, u. a. für die Berliner Rock-Sängerin Lisa und für Pop-Soul-Jazz-Diva Randy Crawford. „Bei Sissy Perlinger knallten Welten aufeinander. Wir kamen da als Musiker hin, ambitioniert, und sie machte Kleinkunst und wußte das gar nicht zu schätzen, wie sauber wir auf den Punkt spielen können. Sissy ging es eben darum, eine gute Show zu basteln, und diese Erfahrung, diese andere Sichtweise hat uns eine Menge gebracht.

Bei Cultured Pearls können wir uns stilvoll ausdrücken, und wir sind auch als Musiker befriedigt. Bei Sissy Perlinger ging es darum, diese ulkige Frau da vorne zu unterstützen; und da muß es auch mal klappriger und beschissener klingen. Wir haben in dieser Band viel über Humor in der Musik gelernt. Das ist auch wichtig. Wenn etwas keinen Humor hat, dann ist es die Musik von Joe Satriani..." Da gibt es allerdings einige Vertreter, die die Sache gefühlsärmer, verkrampfter und verbissener angehen als der Satriani Josef. Aber bei vielen Nachahmern hat die Sache ja bekanntlich oft unfreiwillige Komik.

„Wir haben damals vor den Shows auch oft Wunschkonzerte gemacht, und auf Zuruf alle möglichen Titel auf allen unmöglichen Instrumenten gespielt. Außer ,Schwarzbraun ist die Haselnuß‘, da haben wir gestreikt. Und bei solchen Aktionen mußt du einfach nur reagieren, da kannst du überhaupt nicht immer gut spielen. Seitdem übe ich auch nicht mehr auf dem Bass."

Tex zupft sein Instrument mit den Fingern; er bevorzugt einen dunklen, tragenden Ton, das obwohl er mal ein Mark-King-Bass-Buch besaß. Herr Super spielt, als geborener Linkshänder, ein normales Fender-Jazz-Bass-Rechtshändermodell (1972), dazu kommen Ampeg-Amps und keine Effekte. „Als ich abfing, wußte ich überhaupt nicht, daß es auch Bässe für Linkshänder gibt. Ich habe mich eben so lange abgemüht, bis es auch so funktionierte."

Entgegen manchen Vermutungen ist auf ,Space Age Honeymoon‘ nur bei einer Nummer ein Computer-Bass zu hören, alle anderen Tieffrequenzen entstanden in Handarbeit. Tex spielte seinen Jazz-Bass direkt ins Pult. „Wenn ich im Studio über den Ampeg oder meinen alten Orange-Amp spielte, klang das immer indirekter, als wenn ich direkt ins Pult ging. Das hat in diesem Zusammenhang einfach mehr Druck. Live nehme ich allerdings den Ampeg ab, das funktioniert sehr gut."

Tex Super mag ,OK Computer‘ von Radiohead, er hört viel Filmmusik (Albert Herman, Henry Mancini) und ist auch aktiv in diesem Musikbereich als Komponist tätig: „Ich habe für einige Dokumentationen die Musik gemacht, und ich hoffe, das läuft auch weiter. Zuletzt war das eine ZDF-Reportage über den Bundesrechnungshof (grinst) so ein ganz aufregendes Thema. Das war sehr geil und super entspannend. Da gab es eine Sequenz, in der die Beamten über die Gänge laufen, und da habe ich so eine eher gutgemeinte Jazz-Musik druntergelegt – Bar-Piano, Walking-Bass, Vibraphon – das macht einen Heidenspaß. Im Moment arbeite ich an einer Dokumentation über spanische Rinderherden. Das brauchst du aber nicht alles zu schreiben..." Oh, zu spät.

Hört man nur flüchtig in ,Space Age Honeymoon‘, das neue Album von Cultured Pearls rein, dann registriert man sehr eingängige, soulige, gut produzierte Popmusik. Nach und nach erschließen sich dann aber auch ein paar Ecken und Kanten, einige Schärfen in anfangs harmlosen Songs. Dazu gehören auch so dezente Schweinereien wie ein ultraschräges Gitarrensolo mit speziellem Dilettanten-Flair im eigentlich ultraharmonisch-ironischen Titel-Track.

„Es gibt manchmal Momente, da hat man im Studio keine Zeit die Gitarre zu stimmen", erzählt Tex grinsend. „Aber das paßt zu der Nummer. Ich bin wirklich kein guter Gitarrist, aber auf dieses Solo bin ich stolz. Eigentlich ist es ja so eine Frage-Antwort-Geschichte zwischen zwei Gitarren, einer jazzigen und einer verzerrten. Bei solchen Sachen gebe ich mir nie mehr als fünf Minuten Zeit, um den Gitarren-Sound einzustellen. Und diese Art von Reibung muß sein; ansonsten kommt die Platte schon eher gekonnt rüber, denke ich."

Stimmt. Aber in solchen Kleinigkeiten liegt vielleicht auch die Eigenart dieser Band. Cultured Pearls machen keinen glatten Happy-Go-Lucky-Pop. „Das finde ich auch", meint Tex. „Jens Krause, unser Produzent, mischt die Musik immer sehr aufgeräumt, sehr angenehm; das ist vielleicht verwirrend, weil man deshalb erst beim zweiten oder dritten Mal die Haken und Ösen der Songs hört. Und da gibt es viel zu entdecken, auch wenn man andererseits ganz locker über die Musik ,weghören’ kann."

Die Band ist mit dem zweiten Album nicht gerade schlechter geworden: Astrid North (24) hat sich als Song- und Textschreiberin weiterentwickelt, und Tex Super und B.La, die ebenfalls am Songwriting beteiligt sind, haben sich diesmal intensiver und gezielter mit dem Material befaßt, als beim ersten Album...

Story: Lothar Trampert
Fotos: WEA, L.J. Eifel

Die komplette Story & noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass nachlesen. Die G&B-Ausgabe 01/98 ist ab Freitag 12. Dezember 1997 im Handel.

 

 

home