![]() |
Es ist schon ein völlig anderes Spielgefühl, seine Gitarre auf die Oberschenkel zu legen, sich zurückzulehnen, dem Sonnenuntergang in die Augen zu schauen, den Steelbar über das Open Tuning wandern zu lassen und das alles noch am Strand von Hawaii! Kein Wunder, daß diese wunderbare Spielhaltung dort kultiviert wurde. Nun ist es jedoch nicht so, daß die Redaktion mich nach Hawaii geschickt hat, um dieses Spielgefühl zu testen (das wäre doch mal eine Idee!), sondern mir freundlicherweise ermöglicht, dieses Spielgefühl auch zu Hause, mitten im naßkalten, regnerischen, norddeutschen Herbst zu genießen denn in dem Karton, der heute aus Köln hier eintraf, befindet sich die neue Epiphone Spider Dobro. Also Strandgeräusche-CD eingelegt, das Hawaii-Hemd übergestreift, Bounty und Bacardi bereitgestellt, den Steelbar poliert und flugs ein paar relaxte Weisen intoniert! Aloha! konstruktion Daß ich diese Resonatorgitarre ungestraft Dobro nennen darf, hat zwei Gründe. Zum einen hat sich diese Bezeichnung als allgemeingültiger Begriff für Resonator-Gitarren zumindest im Volks- und Musikermund etabliert, denn schließlich war es John Dopyera, ein Pionier dieser speziellen Gitarren, der seinerzeit nach seinem Weggang von National die Firma Dobro gründete und dort, weil er kein Geld für teure Stanzmaschinen hatte, Resonatoren in Holzkorpi einbaute. Zum anderen hat Übermutter Gibson, zu deren Konzern bekanntermaßen Epiphone ebenfalls gehört, vor einigen Jahren ebenfalls die Firma Dobro annektiert und darf nun guten Rechts und ungestraft dort kopieren, was das Zeug hält. So ist denn auch unsere Spider eine optisch ziemlich exakte Kopie des Dobro-Modells 60. Lediglich die verwendeten Materialien und die kleinere Mensur unterscheiden die Epiphone von den US-Modellen schließlich ist unsere Spider-Dobro ein kostengünstiges Instrument aus koreanischer Fertigung. Daß hier der Rotstift der Konstrukteure eine große Rolle spielte, wird ersichtlich, wenn man sich die Spider genauer ansieht: Der gesamte Korpus ist aus gesperrtem Mahagoni gefertigt, und der Mahagoni-Hals besteht nicht aus einem einzigen Stück, sondern besitzt einen angeleimten Halsfuß und eine angesetzte Kopfplatte. Das spart Kosten! Um Decke und Boden verläuft ein cremefarbenes Binding aus Kunststoff, das auf der Oberseite durch eine nette dreischichtige Einlage ergänzt wird. Zentrales Feature einer Dobro ist natürlich der Resonator, ein kesselförmiges Gebilde, das in den Korpus eingelassen wird, und dessen Membran dafür verantwortlich ist, daß eine Dobro so schön laut klingt. Schließlich sind in den 20er Jahren aus dem Wunsch der Gitarristen, lauter zu werden, überhaupt erst die Resonatorgitarren entstanden. Der hier verwendete Resonator ist ein sog. Single cone", besitzt also nur einen großen Kessel mit einem Durchmesser von ca. 26,5 cm. Der cone" ist im Gegensatz zu den konvex geformten Teilen des Konkurrenten National konkav geformt, denn über ihm verläuft die sogenannte Spiderbridge", eine entfernt an ein Spinnennetz erinnernde Strebenkonstruktion, in deren Mittelpunkt eine einfache Holzbrücke sitzt, über die die Saiten laufen. Hier werden die Schwingungen der Saiten aufgenommen, von der Spider"-Konstruktion auf auf die dünne Alu-Membran des Resonators übertragen und dann entsprechend verstärkt" wiedergegeben. Der komplette Resonator ist mit einer Abdeckung (engl.: cover plate) im klassischen Stil mit fächerförmig angeordneten Schallöchern vor unseren Augen verborgen. Über dem Holzsteg befindet sich ein in die Abdeckung eingearbeiteter Bügel, der das Auflagen der Spielhand erlaubt. Unterhalb des Halsendes sind drei kleine Schallöcher, weiter links und rechts zwei größere mit den klassischen Teesieb"-Abdeckungen angebracht. Die Saiten werden von einer für diese Art Gitarren typischen Saitenhalterung gehalten, die frei über der Resonator-Abdeckung schwebt und auf der anderen Seite bis über den Gurthalteknopf hinausreicht. Gurt? Ja klar, in Bluegrass-Bands z. B. wird die Squareneck-Dobro auch im Stehen gespielt und mittels einer Gurtes, frei nach dem Bauchladenprinzip, getragen...
Den kompletten Testbericht & noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass nachlesen. Die G&B-Ausgabe 01/98 ist ab Freitag 12. Dezember 1997 im Handel. |