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PEDALSTEEL-SPIELEN IST WIE HUBSCHRAUBER-FLIEGEN Man kann sie an einer Hand abzählen, die Steeler in Deutschland. Trotz ihrer Sonderstellung ist das Leben und Überleben im deutschen Musikerwald kein Zuckerschlecken, wie Martin Huch zu berichten weiß. Martin Huch ist einem größeren Publikum durch seine Mitgliedschaft in der Band Heinz-Rudolf Kunzes bekannt geworden. Mit seinen eigenen Formationen Head Over Heels" und Lost Mavericks" spielte und spielt er vorwiegend die deutschen Country-Clubs und -festivals auf und ab, wobei ihm persönlich die Hüte- und Fransen-Fraktion zu puristisch erscheint. Ich habe Martin Huch in seiner Heimatstadt Hannover besucht. Harte Zeiten Martin: Wo soll ich anfangen? G&B: Mit der Zeit, als es anfing, ernst zu werden! Martin: Klar, ich fing mit Gitarre an und war anfangs von den britischen Bands wie Beatles, Stones etc. beeinflußt. Mein Interesse wurde aber schon bald in Richtung Amerika ausgerichtet, als dort die Eagles, Byrds, Flying Burrito Brothers und andere bekannt wurden. Die Pedalsteel-Gitarre habe ich allerdings erst später bei meinen all time favorite Bands Little Feat und Steely Dan so richtig wahrgenommen. Ich wußte erst gar nicht, was für Instrument ich da hörte, ehe mir einer sagte: Das ist eine Pedalsteel-Gitarre, die stammt aus der Country-Musik." Kurz darauf spielte in Hannover die erste Country-Band, die ich live sah, die Emsland Hillbillies mit Hermann Lammersmeyer an der Pedalsteel. Und da ist es dann endgültig passiert ich war infiziert, und schon bald hatte ich meine erste eigene Pedalsteel und kam, im Gegensatz zu vielen anderen, auch relativ schnell damit klar; ich mußte wohl einen Draht zu diesem Instrument gehabt haben. Schon nach zwei, drei Monaten habe ich dann die Pedalsteel bei meiner damaligen Band Head Over Heels live eingesetzt. Erst viel später habe ich Leute wie Ry Cooder oder David Lindley gehört und bin dann völlig auf Lapsteels und Dobros abgefahren. G&B: Natürlich warst du Autodidakt, denn Lehrer für diese Instrumente gab es bestimmt nicht. Martin: Stimmt. Ich habe mir alles durchs Raushören beigebracht, was manchmal gar nicht so einfach war, denn praktisch jeder Steeler spielte früher in einer eigenen Stimmung und Pedalbelegung. Heute gibt es ja Videos, die in Nahaufnahmen die Hände, Füße und Knie des Steelers zeigen und so den Einstieg viel einfacher machen. Pedalsteel-Spielen ist so ähnlich wie Hubschrauber-Fliegen, ebenso komplex. Wenn ich Zugang zu solchen Videos gehabt hätte, hätte ich mir sicherlich drei Jahre Üben ersparen können. G&B: Aber es gibt nicht wenige, die behaupten, daß gerade dieses Raushören eine der wichtigsten Übungen überhaupt ist. Martin: Stimmt auch wieder, denn du bekommst dann automatisch auch ein Gespür für Arrangement und setzt dich unbewußt sehr intensiv mit dem jeweiligen Stück auseinander. Letztlich geht es immer um den Song an sich, alles andere ist nur Dekoration. G&B: Du bist einer der wenigen in Deutschland, die mit solchen Instrumenten richtig gut umzugehen wissen. Ist das ein Vorteil, solch ausgefallene Instrumente zu spielen? Martin: Es gibt einige sehr gute Leute, allen voran Nils Tuxen aus Hamburg. Nils ist der einzige, der auch von den Amis ernstgenommen und regelmäßig zu ihren Pedalsteel-Conventions eingeladen wird. In Sachen Lapsteel oder Dobro gibts jedoch immer noch sehr wenige kompetente Leute. Das scheint auf den ersten Blick eine sehr gute Lücke für mich als Musiker darzustellen, aber die Entwicklung in den letzten Jahren ist eher zäh, denn diese Instrumente und ihre Sounds sind einfach bei uns nicht so angesagt. Also, ich kann da keinen Vorteil entdecken. G&B: Aber viele, gerade viele junge Bands, benutzen doch oft Slide-Instrumente. Martin: Das ist richtig, aber meistens versuchen sich dann die jeweiligen Gitarristen an diesen Instrumenten, und meistens kommt dabei nicht mehr als eine reine Background-Klangfarbe heraus, weil sie nicht in der Lage sind, richtige Melodien, die man auch in einem Arrangement unterbringen kann, sauber rüberzubringen. Durch meine Arbeit mit Kunze kam es allerdings, sowohl im Studio als auch live, zur Zusammenarbeit mit Leuten aus der sogenannten Liedermacherszene, wie Klaus Hoffmann, Reinhard Mey und Hermann van Veen. Für diese Jungs habe ich teilweise auch produziert und komponiert. Im Rock- und Pop-Bereich gab es einige sehr schöne Produktionen, von denen leider bisher noch nicht soviel zu hören war. Ansonsten ist Hannover eben nicht die Stadt, in der Studiomusiker viel Arbeit haben. G&B: Bezieht sich das auf deine Musik, oder ist das generell zu verstehen. Martin: Das ist schon allgemein gemeint. Es gibt zwar einige Bands hier, die ganz gut laufen, wie z. B. Fury In The Slaughterhouse, Scorpions, Kunze und Techno-Acts wie Scooter, aber die ziehen alle ihr Ding selbst durch und brauchen so gut wie nie Studiomusiker. G&B: Du hast in der Kunze-Band gespielt. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit? Martin: Wie so oft, spielte auch hier der Zufall eine wichtige Rolle. Ich erhielt aus heiterem Himmel eines Tages einen Anruf... Story & Fotos: Heinz Rebellius Das komplette Interview & noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass nachlesen. Die G&B-Ausgabe 01/98 ist ab Freitag 12. Dezember 1997 im Handel. |