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Bereits zum 12. Mal veranstalteten Jörn Eisenhauer und Emil Schoppe im November 97 die Oldenburger Vintage-Show, die sich im Laufe der letzten Jahre zur bedeutendsten und größten regelmäßigen Veranstaltung dieser Art in Deutschland entwickelt hat. Etwa 55 Händler, Sammler und Liebhaber stellten Instrumente, Verstärker, Effekte und Parts aus der vermeintlich guten alten Zeit aus. Gut, daß auch einige Hersteller da waren, die mit ihren neuen Produkten beweisen konnten, daß auch heute noch gute und wohlklingende Instrumente hergestellt werden. Dazu zählen z. B. die 60er Jahre Replikas Metropolitan (USA) und Burns (GB), aber auch heimische Hersteller wie der Hamburger Dommenget und der Oldenburger Börjes. Wenn es überhaupt einen Trend in der recht konservativen Vintage-Szene gibt, dann der, daß Voll- und Halbresonanzgitarren der amerikanischen Markenfirmen deutlich im Wert gestiegen sind und dementsprechend das Angebot so groß und vielseitig wie noch nie zuvor war. Das Preisniveau der alten Strats und Paulas ist ungebrochen hoch mit immer noch langsam steigender Tendenz, denn die gut erhaltenen Instrumente werden natürlich rarer. Dagegen scheint der Marktwert der Solidbody-Gitarren, die nicht Strat, Tele oder Les Paul heißen, kaum zu steigen. Für eine 63er Jazzmaster bspw. kann man anscheinend heute nur noch dann einen hohen Preis erzielen, wenn sie entweder absolut gut erhalten ist (dead mint") oder aber in einer Custom Colour lackiert wurde. Ebenso steigt der Marktwert des Jazz Bass immer noch, während die Preise für gute alte Precisions eher in den letzten Jahren gleichgeblieben sind. Stark im Kommen, d. h. immer teurer werden die alten deutschen Marken wie Framus, Hopf, Hoyer, Höfner und andere, von denen ausgesprochen viele Instrumente, oft noch in einem sehr guten Zustand, ausgestellt waren. Daß die deutsche Vintage-Szene eher stagniert denn expandiert, bestätigte mir neben etlichen ausstellenden Händlern auch Jörn Eisenhauer, einer der beiden Veranstalter. Seit etwa drei Jahren haben wie die gleiche Anzahl Aussteller und Ausstellungsstücke. Etwa 50 % davon sind Musikhändler, die nebenbei auch Vintage-Instrumente führen. Dann finden sich hier auch einige Sammler ein, die gar nicht verkaufen, sondern nur ausstellen oder vielleicht tauschen wollen." Daß die Vintage-Szene in Deutschland eher ein Rand-Dasein führt, beweist auch die Tatsache, daß es praktisch keinen professionellen Händler gibt, der nur von Vintage-Equipment existieren kann. Das ändert auch nicht die Tatsache, daß immer mehr Leute mit Geld" im Instrumentenkauf eine Möglichkeit zur Kapitalanlage sehen. Dieses Klientel beziffert Eisenhauer auf allerhöchstens 10 % der Vintage-Käufer, was auch mein Eindruck bei der Betrachtung der zahlreichen Besucher der Vintage Guitar Show bestätigt. Der Großteil besteht immer noch aus Musikern, die naturgemäß nicht in Kapitalanlagen, sondern in ihr Handwerkszeug investieren wollen. Und dann handelt es sich meist um Beträge bis 3.000,- oder 4.000,- DM, aber selten darüber. Eisenhauer: Instrumente bis 2.000,- werden erfahrungsgemäß hier sehr gut und viel verkauft, aber alle teuren Sachen über 5.000,- werden ohne große Verkaufserwartung ausgestellt." Die meisten Händler und Sammler beziehen mittlerweile ihre Instrumente aus Deutschland. Nicht nur der für uns ungünstige Dollar-Kurs, sondern auch die extrem gestiegenen Preise haben das einstige Vintage-Mekka USA eher unattraktiv werden lassen. Besonders die Instrumente aus den 70er Jahren sind drüben" teilweise doppelt (!) so teuer wie hier bei uns. Dann sind die Instrumente der 70er Jahre also der heiße Tip für den angehenden Sammler? Dazu Eisenhauer: Ja, finde ich schon. Ich selbst habe mich auf Jazz Bässe spezialisiert, und zur Zeit kann man wirklich relativ günstig Bässe ab etwa Baujahr 1970 einkaufen. Wer sich heute überlegt, eine Sammlung anzulegen, tut gut daran, sich auf ein Thema, eine Richtung zu spezialisieren. Es gibt Leute, die z. B. das Thema Beatles be-sammeln, also Linkshänder-Höfner- und Rickenbacker-Bässe, Gretsches, Epiphones etc. Andere sammeln nach Jahrgängen wie z. B. alle Strats von 1969, wieder andere nach Farben und so weiter." Während wir miteinander sprachen, sah ich einen älteren Herrn über den Hof gehen, in seiner Hand einen Gretsch-Koffer mit der Aufschrift Barnstorm Tour Joe Walsh". Nein, das ist nicht Joe Walsh, das ist unser Nachtwächter Wolfgang Grosse", lacht Jörn Eisenhauer und erzählte mir dann folgende unglaubliche Geschichte, die sich vor einigen Jahren zugetragen hatte. Der Nachtwächter hatte damals am Abend des ersten Tages der Vintage Guitar Show einen Besucher entdeckt, der immer noch in den Hallen herumlief und sich ganz in Ruhe die Angebote ansah. In seiner Hand trug er eben jenen weißen Gretsch-Koffer. Der knapp 60jährige Grosse, der von Gitarren zwar kaum Ahnung hat, wohl aber die Eagles und den Namen Joe Walsh kennt, sprach den Besucher auf seinen Gitarrenkoffer an. Man kam man ins Gespräch und es stellte sich heraus, daß der Besucher die 64er Gretsch Nashville, die angeblich aus dem Bestand Joe Walshs stammen sollte, hier in Oldenburg verkaufen wollte, aber den ganzen Tag über keinen Interessenten dafür begeistern konnte. Grosse dachte einige Tage über diese Gitarre nach, und fuhr in der nächsten Woche nach Hamburg, um die angebliche Eagles-Gretsch dort für etwa 3.000,- zu erwerben. Wieder zu Hause, schrieb er einen Brief an das Management der Eagles, um sich die Authenzität der Gitarre bestätigen zu lassen. Wie zu erwarten, bekam er keine Antwort... bis zum letzten Jahr, als die Eagles auf Deutschland-Tour waren. Da rief nämlich aus heitem Himmel Joe Walshs Gitarren-Roadie Smokey an und lud Grosse zum Dortmunder Konzert der Eagles ein. Im Backstage-Raum zeigte Grosse dann Joe Walsh seine Gretsch und der erkannte sie tatsächlich: Das ist meine erste richtig gute Gitarre gewesen... in den 70er Jahren hatte ich sie meinem damaligen Roadie verkauft..." Dem Wunsch, die Gitarre wieder zurückzukaufen, wollte Grosse jedoch nicht entsprechen und sicherte Walsh lediglich das Erstkaufrecht zu, falls er sie einmal veräußern würde. Diese Geschichten, die das Leben mit und um Vintage-Instrumente schreibt, kennzeichnen die Vintage-Szene und machen sie vordergründig gefühlsecht". Um viele Instrumente ranken sich Mythen und Musikerschicksale (siehe den Stevie-Ray-Vaughan-Altar!), die Entstehung des Rock n Roll ist natürlich eng an bestimmte Instrumente gebunden, und Assoziationen werden zuhauf geweckt, wenn man durch eine Ausstellung wie die Oldenburger Vintage Show geht. Was wäre z. B. ein Höfner-500/1-Bass ohne die Tatsache, daß ein gewisser Paul McCartney ihn mal gespielt hätte? Daß sich diese Querverweise auf die Historie der populären Musik der 50er bis 70er Jahre mit all ihren Illusionen und Emotionen auch auf das Business mit diesen Instrumenten auswirkt, ist natürlich ohne Frage richtig. Trotzdem sind sie, auch wenn sich einige Händler redlich Mühe geben, noch nicht zum reinen Spekulationsobjekt und Geldmelken verkommen aber weit davon entfernt ist auch unsere Vintage-Szene nicht mehr. Text: Heinz Rebellius Diese Story & noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass nachlesen. Die G&B-Ausgabe 01/98 ist ab Freitag 12. Dezember 1997 im Handel. |