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James Taylors Leben begann 1948 in Boston, und die Vorzeichen, als Sohn eines angesehenen Mediziners in eine wohlhabende Familie geboren zu werden, waren nicht schlecht. Mit 17 verbrachte das Glückskind bereits 10 Monate in der Psychiatrie, wegen Depressionen. 1967 fällt James New Yorker Band, The Flying Machine" auseinander, und er widmete sich statt dessen dem Heroin Aufnahmen aus dieser Zeit wurden selbstverständlich nach seinen ersten Erfolgen, Anfang der 70er Jahre, wiederveröffentlicht.1968 nimmt er in London sein offizielles Solo-Debüt auf, übrigens auf dem Beatles-Label Apple". Der Erfolg hält sich in Grenzen, Taylor geht zurück in die USA, wieder in die Psychiatrie, diesmal in den Entzug, und dann in die Kreativität. Kreativität hat meist auch was mit Sensibilität zu tun, und eine solche Eigenart kann gefährlich werden, besonders als Alternative zu Sucht und Abhängigkeit. Sein im März 1970 veröffentlichtes Zweitwerk ,Sweet Baby James hält sich zwanzig Monate in den Charts, und Baby Taylor kommt nicht nur beim Plattenkäufer sondern auch bei den Kolleginnen gut an. Nach einer Affäre" mit Joni Mitchell (Institution) heiratet er 1972 Carly Simon (,Youre So Vain). In musikalischer Hinsicht wird er ab dieser Zeit immer wieder an seinem zweiten Erfolgs-Album gemessen so gesehen sein schwieriges Album. Druck? Versagensängste? Die Kritik ist mit den nachfolgenden Alben nie so ganz zufrieden; erst die 1993er Live-Retrospektive vereint die Gemeinde. Taylor engagiert sich bis in die 90er Jahre auch immer wieder politisch, u. a. in Bewegungen gegen die Nutzung der Atomenergie, gegen den Golfkrieg und gegen den sauren Reagan. 1997 ist James Taylor ein paar Schritte weiter. Näher an sich selbst und weiter weg von einigen Menschen, die ihm nahestanden: Seine zweite Ehe ist Vergangenheit, sein Vater und sein Freund & Produzent Don Grolnick starben, sein Bruder Alex hat sich totgesoffen. James Taylor hat überlebt, aber solche Triumphe machen einsam... I passed on the cocaine / said bye-bye to my methadone / Put down the bottle for one more day / Backing off my Tobacco Jones / Still I feel like a hopeless junkie / Like a man who cant say no...", singt James Taylor in ,Little More Time With You, zu hören auf seinem Mitte 1997 erschienenen Album ,Hourglass. Also: Warum hat ein James-Taylor-Song nun dieses spezielle Flair? Weil es ein Song von James Taylor ist. Der Mensch steht im Mittelpunkt, ganz egal ob es um die banale Tatsache geht, daß ein Sänger mit geradezu pathologischen Wiedererkennungswert, wie Bob Dylan, sich seine Stimme nicht gekauft oder ausgesucht hat, oder um bestimmte Talente oder handwerkliche Fähigkeiten. Ebenso bekam Taylor seine Psyche, seine Entwicklung, seine Stimme, seine Sensibilität, seine Depressionen, vielleicht sogar noch mehr von dem was seine Biografie und seine Musik ausmacht, in die Wiege gelegt. Den Rest erledigt das Umfeld. James Taylor sitzt in einem spärlich beleuchteten Hotelzimmer in Köln. Draußen ist Herbst, drinnen auch. Er strahlt trotzdem, als er die mitgebrachte Ausgabe des G&B-Vorläufers Musiker" vom Juni 1986 durchblättert mit ihm selbst auf dem Titel.
Taylor: Ich habe immer mal wieder Gitarren-Magazine gelesen. Ich spreche auch lieber über musikalische Aspekte, als über sonstige Dinge. G&B: Du hast seit einigen Jahren nicht mehr in Deutschland gespielt; wird in dieser Hinsicht 1998 etwas passieren? Taylor: Es ist eine Frage der Finanzierung. Vielleicht werde ich im Frühjahr hier spielen, und nach Möglichkeit zusammen mit der Band, die auch im Studio mit dabei war. (U. a. Jimmy Johnson (b), Carlos Vega (dr), Bob Mann (g), vier Vokalisten...; d. Verf.) G&B: Ich habe schon mit einigen Gitarristen gesprochen, die deine Songs, bzw. die Atmosphäre deiner Musik, als Ziel angaben für die Qualität ihrer eigenen Kompositionen; u. a. waren das Joe Satriani und Tommy Emmanuel. Hast du mal über diesen atmosphärischen Aspekt, unabhängig von deinen Texten, nachgedacht? Taylor: Einerseits überrascht mich das, auf der anderen Seite hat Musik nun mal eine großartige, direkte Wirkung auf Menschen. Der harmonische Aspekt ist ein sehr wichtiger Bestandteil bei einem Song für Musiker vielleicht der wichtigste. Mein Bruder Livingstone sagt immer: Texte sind dafür da, um einen Sound drumherum zu packen. Und ich denke, da ist was dran. Ich schreibe sehr textorientierte Songs, aber da ist immer auch diese atmosphärische Connection. G&B: Ich höre in deiner Musik eine Art von Atmosphäre, die z. B. auch Chet Baker gelegentlich kreierte, egal ob er gesungen hat oder Trompete spielte beide Stimmen transportierten diese Qualität. Bei dir ist das ähnlich, was das Verhältnis zwischen deinem Sound, deiner Stimme und dem Song an sich angeht. Taylor: Diese Einheit war bei Chet Baker da, das stimmt. Da kam eine Haltung rüber, wenn er Musik machte; Persönlichkeit. G&B: Man hört einen ganz kurzen Ausschnitt, und weiß sofort, wer es ist. Taylor: Stimmt genau. G&B: Du verbreitest ein sehr eigenes, weißes Blues-Feeling; eine Zwischenstimmung, nicht ganz fröhlich, nicht ganz traurig. Taylor: Man kann etwas sehr persönliches, intimes über Menschen herausfinden, wenn man ihre Musik hört, wenn man hört, welche Harmonien sich jemand ausgesucht hat. G&B: Und du würdest dieselbe Atmosphäre auch dann ausstrahlen, wenn du z. B. Jazz-Standards interpretierst...? Taylor: Wenn ich Standards spiele ist es genau so. Ich bin Gitarrist und Sänger, und so entstehen auch meine Stücke: So entstehen die Harmonien über die Gitarre, und die Melodie kommt aus meinem Kopf. Für Außenstehende klingt das alles dann sehr schnell nach einem einzigen bestimmten Sound, ich selbst sehe in meinen Songs aber viele sehr verschiedene Einflüsse: Blues, Country & Western, Latin, Afro-Cuban, brasilianische und keltische Musik, irische Musik, Kirchenmusik... Gitarren James Taylors Instrumente werden von James Olsen aus St. Paul, Minnesota, hergestellt; die beiden lernten sich 1985 kennen, und seitdem ist Taylor von diesen Gitarren überzeugt. Während er früher voluminöse Martin-Dreadnoughts einsetzte, haben seine Olsen-Modelle relativ kleine Korpusse, einen etwas breiteren Hals (der in der Dicke zwischen Martin und Gibson liegt) und einen brillanteren Ton. Unter der Bridge der Olsen befindet sich ein Lloyd-Baggs-Piezo-PU. Zu diesem Direktsignal kommen im Studio zwei Mikrofonspuren: die Gitarre wird von rechtwinklig zueinander angeordneten Mikros, rechts und links vom Schalloch abgenommen; optionale Raummikrofonierung wird nur gelegentlich eingesetzt. Taylor spielt John-Pearse-Saiten (.011 .050) bei niedriger Saitenlage. DiscografieJames Taylor (1968); Sweet Baby James (1970); Mud Slide Slim & The Blue Horizon (1971); James Taylor & The Original Flying Machine (1966/67 rel. 1971); One Man Dog (1972); Walking Man (1974); Gorilla (1975); In The Pocket (1976); Greatest Hits (1976); JT (1977); Flag (1979); Dad Loves His Work (1981); Thats Why Im Here (1985); Never Die Young (1988); New Moon Shine (1991); James Taylor Live (1993); Best Live (1994); Hourglass (1997) Story: Lothar Trampert Das ungekürzte Interview & noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass nachlesen. Die G&B-Ausgabe 01/98 ist ab Freitag 12. Dezember 1997 im Handel. |