RALPH TOWNER WORKSHOP

 


RALPH TOWNER WORKSHOP

Anläßlich einer Masterclass an der Hochschule der Künste in Bremen stellte Ralph Towner einige der musikalischen und spieltechnischen Aspekte vor, die für seine individuelle Stilistik wichtig und typisch sind.

Voicings

Die von Towner favorisierten Akkord-Voicings zeichnen sich durch die Kombination von gegriffenen und leeren Saiten aus. Dadurch sind besonders enge Intervallkonstruktionen möglich (im Fachjargon „Cluster" genannt), die anders auf der Gitarre unspielbar sind. Siehe hierzu Beispiel 1!

Arpeggio-Technik

Die Art, wie Towner gezupfte Akkordzerlegungen verwendet, unterscheidet sich deutlich von den ermüdenden klassischen Übungen. Hier ist ein Arpeggio-Pattern aus sechs Anschlägen, das seinen spezifischen Klang in Verbindung mit dem ungewöhnlichen Akkord erhält. Diesen Akkord kann man bei gleichbleibendem Grundton A im Bass verschieben und erhält so Beispiel 2.

Beispiel 3 beruht auf dem gleichen Prinzip, diesmal mit dem Grundton E:

Rhythmische Überlagerung

Wichtig für den offenen und schwebenden Klang Towners ist das, was er selbst als polymetrisches Spielen bezeichnet. Das ist einfacher, als es sich anhört. Angewandt auf die Arpeggio Studien heißt es beispielsweise, daß man das Anschlagspattern aus Beispiel 2 mit sechs Noten in einem Sechzehntelrhythmus (also vier Anschläge pro Viertelnote) spielt. Das ergibt einen ganz neuen flüssigen Klang, bei dem die Abfolge der Noten viel weniger vorhersagbar ist (siehe Beispiel 4). Ein Metronom oder Drum-Computer beim Üben kann nicht schaden, da dieser Effekt erst in Verbindung mit dem Grundbeat zu hören ist. Beispiel 5 ist eine zweite Variante dieser interessanten Spielweise. Diesmal haben wir ein Anschlag-Pattern aus vier Noten, das wir rhythmisch gesehen in Triolen, also Dreiergruppen spielen. Wieder ist der Effekt der, daß sich die Anschläge und Betonungen innerhalb des Taktes verschieben.

Übrigens sind diese Beispiele, mit dem Plektrum auf der E- Gitarre gespielt, hevorragende Übungen für die Anschlagshand! Auf diesem Feld gibt es noch Einiges zu entdecken. Viel Spaß beim Herumexperimentieren!

Text: Andreas Schulz
Foto: Hyou Vielz

 

Den kompletten Workshop mit Noten & noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass nachlesen. Die G&B-Ausgabe 01/98 ist ab Freitag 12. Dezember 1997 im Handel. MIDI-Files zum Workshop findet man auf dieser Website!

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