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I WANT TO BE READY Musik ist der stärkste Geist aller Kreativität", sagt Ben Harper. Sie hält die Menschheit zusammen. Sie bricht alle Schranken Alter, Sprache, Hautfarbe, sogar Zeit und Raum. Sie ist ein Geist, dem man demütig huldigen und größten Respekt entgegenbringen muß." Ben Harper spielt Slide auf seiner Hawaii-Koa-Lap-Gitarre, die Herman Weissenborn vor mehr als 50 Jahren gebaut hat und begleitet mit flüsternder Stimme seine Loblieder und Songs über Unfrieden. Harpers Musik spiegelt seine tiefe Bewunderung für afroamerikanische Roots-Musik aus der Geburtsstunde des Blues und früher wider. ,Homeless Child auf seinem neuen Album ,The Will To Live (Virgin) kombiniert rasselnde Percussion und Juke-Dance-Trommeln mit einem hypnotischen Slide-Riff, das dem alten ,Rollin And Tumblin-Thema ähnelt, welches in den Zwanzigern von Hambone Willie Newbern und Garfield Akers aufgenommen, und in den Fünfzigern von Muddy Waters und Little Walter wiederbelebt wurde ,I Want To Be Ready klingt sogar noch älter. Doch nicht alle Einflüsse Harpers entstammen dieser Zeit. Ry Cooder, Lowell George, Bob Marley sowie Jimi Hendrix gehören zu seinen Helden, und auf seiner neuen CD baut Ben das bittersüße ,Roses From My Friend zu orchestralen Ausmaßen auf, die an die Beatles erinnern. Wie man auf Stücken wie ,Faded, ,Will To Live und anderen hören kann, fürchtet Ben sich nicht davor, seine feine Weissenborn durch eine Fuzzbox und einen 150-Watt-Amp zu jagen, WahWah-Rhythmen mit einer Gibson-Flat-Top zu spielen oder Spuren mit verzerrten Rückwärts-Slides übereinander zu legen. Aufgewachsen in Claremont, Kalifornien, war der heute 27jährige von den Klängen der 78er-Platten seines Großvaters und den hervorragenden Instrumenten im Geschäft der Familie, dem Folk Music Centre, umgeben. Besonders gut gefielen ihm die Platten der Slide-Größen Blind Willie Johnson, Blind Willie McTell und Robert Johnson. Ich hörte nachts die Platten und in der Schule hörte ich sie dann im Kopf..." Die Musik, mit der ich groß geworden bin, versetzt mich in Trance, und das ist der Schlüssel zum ,Geist meiner eigenen Musik. Ich spielte jahrelang im Alter von 18 bis 20 mit dem Bottleneck, stundenlang von morgens bis abends. Ich versuchte, die Stücke von Robert Johnson hinzukriegen, machte Saiten kaputt, weil ich nicht wußte, daß er Slide mit einem Capodaster spielte. Mississippi John Hurt haute mich um, das war etwas, das ich auch spielen mußte! Dann rief mich Taj Mahal an. Er hatte mich spielen hören und sagte: ,Geh mit mir auf Tour. Mit Taj Mahal auf Tour zu gehen war großartig und danach begann ich, mein eigenes Ding zu machen. Dann kam die lyrische Inspiration. Ich begann zu schreiben und Platten zu machen." Auf das gefeierte 94er Virgin-Debüt ,Welcome To The Cruel World folgte 1995 ,Fight For Your Mind. G&B: Ben, deine Musik hat oft eine erbauende Message. Harper: Danke, daß du das fühlst. Es ist schön, mit diesem Bewußtsein hinter der Gitarre zu sitzen. G&B: ,Homeless Child besitzt die gleiche Qualität, die die alten Versionen von ,Rollin And Tumblin so einmalig machten. Harper: Ah! Gott segne dich! G&B: Es kommt aus diesem Geist heraus, in Trance zu geraten und das Lick soweit wie möglich durchzuziehen. Harper: (Seufzt) Absolut. Du weißt, wie schwer es ist, den Roots-Blues zu erneuern. Was dem Blues heutzutage zugefügt wird, ist wirklich nichts als Bar-Room, und der Bar-Room-Blues rührt mein Herz einfach nicht an. Daher ist es eine große Herausforderung. Ich hoffe, daß ich dem Geiste des Roots-Blues durch diesen Song gerecht werde. Ich schreibe eine Menge Blues-Songs und lege sie beiseite, weil sie nicht intensiv genug sind. G&B: ,I Want To Be Ready klingt noch älter. Als wäre es ein Spiritual aus dem Süden... Harper: Ja. Bei uns zu Hause wurde sehr viel Roots-Gospel-Musik gespielt, weil meine Familie das liebte. Sätze wie ,I Want To Be Ready To Wear My Long White Robe wurden in alten Delta-Blues- und Gospel-Stücken verwendet, und dieser Song ist definitiv dieser Tradition entsprungen. Der Song kam ganz plötzlich. G&B: Ist ,Homeless Child auch so entstanden? Harper: Die ersten zwei Strophen und der Lick waren sofort da. Die letzte Strophe kam später ganz plötzlich. G&B: In deinen Songs ist auch eine tiefe Melancholie vorhanden. Fühlst du dich Menschen verbunden, die in der Vergangenheit unterdrückt wurden? Harper: Du fühlst das Erbe deiner Ahnen, egal ob es dir bewußt ist oder nicht, und ob du danach handelst oder nicht. Ich fühle es sehr stark. Es ist ein großer Teil meines Ausdrucks... Jas
Obrecht
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