10 Jahre Blade-Gitarren

Gary Levinson stammt aus Illinois, USA und lebt seit Mitte der 70er Jahre in Basel, Schweiz. Gitarre & Bass-Lesern der ersten Stunde wird er noch als Workshop-Autor bekannt sein: „Gitarrosophie" hieß seine beliebte Serie, die von 1986 bis 1989 erschien. Gary’s Zitat aus dieser Zeit im unverkennbaren amerikanisch-schweizer Dialekt ist in der G&B-Redaktion mittlerweile zum geflügelten Wort geworden: „Die Bässe brummen wie den Sauen".

Historie
1977 eröffnete er seine Gitarrenwerkstatt, mit der er sich durch anspruchsvolle Reparaturen, Modifikationen und Sonderanfertigungen einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet hat. Neben der Werkstatt baute Levinson einen Vertrieb für Musikinstrumente auf, der heute noch – mit Vertretungen für die Schweiz von Fabrikaten wie Washburn, Tune, Blade, SWR, Rocktron, Zildjian, Gretsch, Seymour Duncan, Tech 21 u.v.m. – ein Standbein der Firma ist.

1982 entwickelte Gary die ersten eigenen Gitarrenprototypen und Custom-Instrumente, die damals unter dem Namen Levinson auf den Markt kamen. Aus diesen Modellen mit innovativen Pickup-Systemen, einem speziell geformten Hals und vielen Hardware-Ideen entstanden die Blade-Gitarren, die Levinson mit Hilfe von internationalen Partnern aus der Gitarrenfabrikation seit 1987 weltweit produziert und vertreibt.

Heute
In Allschwil, in der Nähe von Basel, hat die Firma Levinson heute ihren Firmensitz. Dort ist der Vertrieb beheimatet, Design & Marketing für Blade ist hier zu Hause. Im Levinson-Custom-Shop werden von der Crew um Gary – das sind Walter Ochsner, Elektronik, Michael Koch Gitarrenbauer und Godi Brunner, Gitarrenbauer – alle Blade-Prototypen gefertigt und Pickups sowie Elektroniken der verschiedenen Instrumente entwickelt. Auch die Modelle der California-Custom werden hier hergestellt, ca. 200 bis 250 pro Jahr.

Die Standard-Modelle von Blade werden hauptsächlich in Japan gefertigt, ein paar Modelle kommen aus Korea. Gary ist der Meinung, daß Design und Entwicklung weitaus wichtiger sind als die eigentliche Produktion: „Wir hören dem Musiker zu und gehen auf seine Bedürfnisse ein. Im Gegensatz zu anderen Herstellern legen wir einen viel größeren Wert auf die Entwicklung von Instrumenten und die Lösung von Problemen, anstelle sich mit Detaillösungen der Produktion zu beschäftigen. Warum soll ich mir eine CNC-Maschine zulegen, wenn auf der ganzen Welt Überproduktionskapazitäten bestehen. Wenn ein Programm für eine solche Maschine einmal geschrieben ist, dann arbeitet sie immer gleich, egal ob sie hier, in Kalifornien, Korea, Indonesien, Japan oder Taiwan steht. Der Unterschied liegt in der Auswahl der Hölzer, da legen wir großen Wert drauf und legen Spezifikationen fest, und schlußendlich in der Verarbeitung."

Nur wenn es um ganz spezielle Feinheiten geht, dann werden die Gitarrenbauer in der Schweiz aktiv. Für die Custom-Instrumente werden Rohlinge von Swamp-Ash-Bodies mit Ahorndecken (Flame oder Curly) aus Kalifornien bezogen und Halsrohlinge aus Japan kombiniert und dann geschliffen, lackiert und montiert. Es stehen aber alle Maschinen bereit, so daß im Sonderfall auch Bodies und Hälse in der Werkstatt angefertigt werden können.

„Wir machen unsere Custom-Instrumente mit Spezial-Lackierungen immer noch hier, denn das können wir hier einfach noch besser."

Und auch beim Lackieren geht Gary den gleichen Weg. Man arbeitet mit einer Spezialfirma für Lackierungen zusammen, die in der direkten Nachbarschaft angesiedelt ist. Dort stehen perfekte Gerätschaften und jahrelanges Know-how bereit.

Gary

Entwicklung
Ein großer Teil der Arbeit wird in die Entwicklung von Elektroniken gesteckt.

„Es gibt auch kaum noch einen Hersteller, der es sich trauen würde, im eigenen Haus eine Elektronik zu entwickeln. Anstatt sich irgendeine Elektronik schicken zu lassen, und sie zu probieren, gehen wir an die Sachen als Einheit ran. Wie paßt welcher Pickup zu welchem Holz, und was kann die Elektronik daran noch verbessern. Das ist unser Vorteil."

Blade steht heute wie vor 10 Jahren immer noch unter dem gleichen Motto: klassisches Design und kreative Technologie miteinander kombiniert ergibt ein Musikinstrument, das eine Alternative zu anderen Instrumenten darstellt und die Möglichkeit gibt, sich mehr in musikalischer Kreativität auszudehnen.

„Vor zehn Jahren stellte ich mir die Frage, ob der Markt eine weitere Gitarre braucht. Die Antwort: ja, aber nur dann, wenn Blade irgend etwas hat, was andere nicht bieten können. Daher die Kombination von diversen Features und Designelementen. Dazu gehören Entwicklungen wie das Falcon-Vibrato, das verstimmungsfreie Up- und Downbendings bietet bei problemlosen Saitenwechseln, den Adjustable Tension Guide für die Kopfplatte, die VSC-Tonecontrol, kombiniert mit dem Hals, den wir durch jahrelanges Studium in der Werkstatt entwickelt haben. Den Hals haben wir von der ersten Stunde an übrigens nie verändert".

Veränderungen
Andere Dinge haben sich mit dem sich wandelnden Musikgeschmack verändert. So wurden die Pickups im Laufe der Zeit angepaßt. „ Heute ist ein viel direkterer Klang gefragt, bei den Singlecoils ein Vintage-Ton mit einem ausgeprägten Resonanzpeak, bei den Humbuckern der klassische Ton, der durch 550 Wicklungen und 42er Draht erzeugt wird, und einen direkten, offenen Klang erzeugt. Vor 10 Jahren war EMG das Maß aller Dinge. Heute ist der ehrliche Gitarrenton gefragt."

Ein Hauptbereich ist daher immer noch die Weiterentwicklung und der Bau von Prototypen und Mustern für die Fabriken. Ein Blade-Instrument wird von Grunde auf durchgecheckt, Baumaterial und Bauart muß zusammen passen, die Hardware, Pickups und Elektronik müssen auf das Instrument abgestimmt werden. „Wir machen keine Baukasten-Gitarren, indem wir bestehende Teile zusammensetzen!"

Fertig konzipierte Instrumente werden auf cleane Sounds geprüft, und müssen dann auch in Crunch-, Marshall- und „Boogie"-Modes vollkommene Zufriedenheit erzeugen, bevor sie in die Produktion gehen.

Zur Zeit wird noch eifrig an den „Hybrid-Modellen" der California und Durango gearbeitet, die zu Frankfurter Musikmesse vorgestellt werden sollen. Für den im Steg integrierten Piezopickup wird gerade ein eigener Preamp feinabgestimmt, damit wie bei allen anderen Blade-Modellen ein perfektes Instrument auf den Markt kommt. Wünschen wir dem Team um Gary Levinson und seiner Frau Romy, die ebenfalls in der Firma arbeitet, viel Glück für die nächsten 10 Jahre.

Blade im Internet:
http://www.bladeguitars.com/

Dieter Roesberg

 

Das alles & und noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass 04/98 nachlesen. Ab Freitag den 13. März im Handel!

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