CD
Joey Baron
CD
BIF
CD
D.Garfield
CD
Imani Coppola
CD
Natty U
CD
Kraan
CD
Guitarland
CD
Big Wreck
CD
Ian Brown
CD
James Iha
CD
Harvey Mandel
CD
Artifical Joy Club
CD
Eagle-Eye Cherry
CD
R.Leykam &
Frank Mark
CD
Everybody want
some

 

V.A.: ADVENTURES IN GUITARLAND
The New German Guitar Generation
g&b shop/metalimbo

Ein guter wie gutgemachter Sampler zum Thema „GuiDar" – was treibt die Gitarristen-Generation nach Kriegel und Sagmeister in Deutschland. Und in diesem Zusammenhang tauchen für G&B-Leser bekannte Namen auf: Alex Gunia, Torsten De Winkel, Philipp Van Endert, Franz Holtmann, Frank Haunschild, Susan Weinert, Joachim Schönecker, Frank Nimsgern, Norbert Scholly, Werner Neumann, Markus Segschneider, Peter Wölpl, Roland Gebhardt, Jazz Pistols, Thomas Langer und Markus Winstroer sind hier vertreten, teils mit unveröffentlichten Aufnahmen. Stilistisch wird, übrigens fast ausschließlich in Trio- oder Quartett-Besetzung, ein Spektrum von traditionelleren Jazz-Ansätzen bis zu schrägem Crossover und glattem Funk abgedeckt. Das musikalische Niveau, auf dem hier gespielt wird, ist durchweg beachtlich. Besonders schön: Dieses Album funktioniert nicht nur als Dokument einer speziellen Szene, man kann es auch ganz einfach durchhören, wenn man Spaß an jazziger Gitarrenmusik hat; ergänzende Information zu jedem Interpreten liefert ein schön gestaltetes Booklet. Eine runde Sache mit Abwechslung & Stil. lt

DAVID GARFIELD & THE CATS
I Am The Cat... man
g&b shop/creatchy

L.A.-Keyboard-Star Garfield hat sie alle um sich gesammelt: Mike Landau, Steve Lukather, Mike Miller, John Pena, Jimmy Johnson, Nathan East... – das sind nicht gerade die unbekanntesten Gitarristen & Bassisten des Genres. Geboten wird lockerer Fusion-Pop, mal mit Bläsern, mal ohne, zwei gewagte Cover-Nummern (The Beatles’ ,Strawberry Fields‘ und Claptons ,Layla‘), die vor allem in Garfields Piano-Soli abgehen, und dazu kommen natürlich immer wieder beeindruckende Gitarreneinlagen der o. g. Herren Luke & Landau – für deren Fans das Album Pflichtprogramm ist. lt

THE JIMI HENDRIX MUSIC FESTIVAL
Various Artists
rough trade/provogue

Walter Trout, Omar Dykes, Popa Chubby & Michael Lee Firkins sind hier über 70 Minuten lang zu hören, mit Interpretationen bekannter Kompositionen u./o. Hits des legendären Jimi H. Firkins geht die Sache instrumental an (,Little Wing‘), Popa Chubby rockt & swingt Songs (,Foxy Lady‘, ,Up From The Skies‘...), Omar Dykes beschränkt sich auf ,Hey Joe‘, und Walter Trout beweist einmal mehr, daß er es einfach kann: Mit einem furiosen Intro schliddert er in ,Voodoo Chile‘, er schreit den Song förmlich heraus, um dann in ,Red House‘ Blues zu predigen und anschließend mit den Kollegen cool jammend den Abend zu beenden – nein, rockend, denn da wird noch mal der Moneymaker geschüttelt. Die holländische Begleit-Combo macht ihren Job ordentlich, Hammond-Sounds passen zu diesen Songs. Fazit: Schönes, unangestrengtes Hendrix-Tribute mit rauhem Live-Sound. Gut. lt

V.A.: EVERYBODY WANTS SOME
A Loose Interpretation Of The Musical Genius Of Van Halen
roadrunner

„Für Fans & Feinde" sollte auf dem Cover stickern! Geniale Neuempfindungen bekannter Klassiker der Firma Van Halen werden hier von mir unbekannten Musikermerkwürden geboten – und es ist ja zu befürchten, daß dieses Material mehr Brisanz hat als das kommende VH-Album... ,Eruption‘ mal als barockes Orgelstück, dann als Banjo-Nerver, ,Jamie’s Crying‘ als bizarres Disco-Mex-Debakel, ,Atomic Punk‘ als Hörspiel, ,Why Can’t This Be Love‘ im Beatles-Sound, ,Jump‘ als cooler Folksong usw. Eine Platte, die Spaß macht. Der Chill-Out-Sound für die 70s/80s-Rock-Party. lt

DEVIN TOWNSEND
Ocean Machine
tis/usg

Er ist 26 Jahre alt, ein guter Sänger, ein beeindruckender Gitarrist und ein ausgereifter Musiker: Devin Townsend kennen Steve-Vai-Fans noch aus dessen ,Sex & Religion‘-Phase, wo Devin aus dem Gitarristen-Guru endlich mal wieder einen Rocker mit Band machte. Er war auch als neuer Sänger für Judas Priest im Gespräch, konzentrierte sich aber anscheinend lieber auf eigene Projekte. Das vorliegende Album ist definitiv kein typisches Gitarristen-Album – in dieser Hinsicht betreibt Devin geradezu Understatement. Ihm scheinen Stimmungen, Atmosphären, wichtiger zu sein als Solo-Spots, und so hat seine Musik ein gewisses Art-Rock-Flair, das allerdings im positivsten Sinn der Jetztzeit: Art Rock 2000 – monumental, kühl, lebendig, anspruchsvoll. lt

HARVEY MANDEL
Planetary Warrior
semaphore/lightyear

Schon das bunte Cover-Bild, eine Reminiszenz an vergangene und wieder in Mode gekommene Hippie-Kultur, macht neugierig auf den Inhalt – und der hat es in sich. Kult-Gitarrist Harvey Mandel, der schon seit Ende der 60er im Geschäft ist, spielt auf seine Art schräges Zeug der Marke „Alt-Hippie trifft auf Rack-Technologie". Die meist instrumentalen Nummern bewegen sich zwischen Rock, Funk und Blues, sind aber alles andere als konventionell, denn Gitarrenspiel und -Sound überraschen immer wieder und bringen den nötigen Pep in die Kompositionen. Da paßt es auch ins Bild, daß Mandel den Klassiker eines anderen Originals, ,Rumble‘ von Link Wray, covert. Abgefahrenes Gitarrenalbum. am

JAMES IHA
Let It Come Down
virgin

James Iha ist der Gitarrist der Smashing Pumpkins, und legt mit ,Let It Come Down‘ sein erstes Solo-Album vor. Wer jetzt mit krachenden Gitarren und progressiven Power-Songs rechnet, ist allerdings schief gewickelt, denn Ihas Programm geht in eine ganz andere Richtung. Offenbar beeinflußt von zeitgenössischen Folk- und Songwriter-Größen, beinhaltet das Repertoire seiner Debütscheibe unheimlich melodische, zarte Liebeslieder. Hier greift James Iha sogar öfter mal zur Akustikgitarre. Süß. ds

 

KRAAN
The Famous Years Compiled
intercord

Kult! Kraan zählten in den 70er und 80er Jahren zu den deutschen Bands, deren Mischung aus Jazz, Funk, Art-Rock und arabischen Einflüssen auch international für Aufmerksamkeit sorgten. ,The Famous Years...‘ gibt einen Überblick aus allen Schaffensperioden der Band, und dabei ist es erstaunlich wie unverbraucht die überwiegend instrumentale Musik von Kraan heutzutage rüberkommt. Peter Wolbrandts Gitarren-Sound hört sich vergleichsweise modern an, ebenso die funky Spielweise von Bassist Helmut Hattler, der bekanntlich zusammen mit Trompeter Joo Kraus als „Tab Two" immer noch hyperaktiv ist. Eine empfehlenswerte und interessante Compilation, die sicher ein guter Einstieg in Sachen Kraan ist. am

CHARLES MINGUS
Passions Of A Man – The Complete Atlantic Recordings 1956-1961
tis/eastwest

Charles Mingus (*1922 – † 1979) zählte zu den Großen des Jazz. Von Hause aus Bassist, muß Mingus entwicklungsgeschichtlich in erster Linie als Komponist & Bandleader gesehen werden, der die formalen Strukturen des Jazz seiner Zeit kompromißlos aufgebrochen hat und der Improvisation einen breiteren Raum einräumte. Mit seinen, schon in der hier dokumentierten Phase, kollektiv improvisierenden Ensembles, arbeitete er den freieren Spielarten der 60er zu, genau wie seine Verarbeitung der schwarzen Musik-Tradition von Blues & Gospel das in den folgenden Jahren wachsende Bewußtsein der eigenen kulturellen Identität der Black Community unterstützte. Dabei klingt das Atlantic-Material stellenweise selbst für heutige Ohren noch schön-schräg und bietet reichlich Hörstoff. Die sechs CDs umfassende Compilation beinhaltet u. a. vier Alternative-Takes und ein Interview mit Mingus. Eine runde Sache, der Gesamtklang stimmt und die CD-Box wurde anspruchsvoll gestaltet. Einziger Schönheitsfehler: Im informativen Booklet wurden leider aus Versehen ein paar Seiten falsch herum gebunden und zudem noch oben abgeschnitten, so daß ein Teil des Textes fehlt. Beim Kauf also kontrollieren! am

PEARL JAM
Yield
epic/sony

Pearl Jam haben den Rock ’n’ Roll entdeckt: Crunchige Gitarren, ein fettes Baßfundament und solides Rock-Drumming sorgen für einen geschmackvollen Sound. Selbst Eddie Vedder unterdrückt stellenweise sein nörgelndes Gesangsvibrato und ist auf dem besten Wege, die schlechte Laune zu vergessen. Musikalisch bewegen sich Pearl Jam zwischen hartem Garagen-Rock mit 60s-Appeal und ruhigen Songs in bester Singer/Songwriter-Tradition. Die Gruppe hat ein gutes Album (mit Hidden Track!) abgeliefert, das zudem in einem auffallend gestalteten Cover präsentiert wird. Weltweite Charts-Erfolge sprechen für sich. am

STRANGELOVE
Strangelove
emi/electrola

Zwischen 60s-Songs, 80s-Indie-Sound und 90s-BritPop pendeln Strangelove auf ihrem drittem Album. Retro-Gitarren, Fender-Rhodes-Piano und der eigenwillige Gesang von Patrick Duff sorgen für einen speziellen Sound. Die Songs sind rockig gespielt, wobei die ruhigen Momente überwiegen. Dank cleverer Arrangements klingen Strangelove interessanter und eigenwilliger, als andere Vertreter der sich immer noch vermehrenden BritPop-Szene. am

MARK HOLLIS
Mark Hollis
polydor

Kommen wir zur Abteilung „merkwürdig & atmospärisch": Mark Hollis und seine Pop-Formation Talk Talk beglückten die Musikwelt anfangs der 80er mit ein paar wohlklingenden Hits. Später wandelte sich der Band-Sound, und die Musiker bewegten sich weg vom dreiminütigen Pop-Song, hin zu langen Kompositionen, die, unterstützt von Orchestermusikern, mehr an klassische Werke erinnerten. An jene Phase der Band knüpft Hollis mit seinem neuen Album an. Die rein akustische Instrumentierung verleiht der Musik eine intime Atmosphäre. Sparsame Einwürfe von Klavier und Akustikgitarre, sowie diverse Blasinstrumente (u. a. Fagott, Trompete, Flöte) erschaffen eine schwermütige Musik, die trotz aller Klassik-Orientierung eine Nähe zum Jazz besitzt. Outstanding Performance, die die Ohren freimacht. am

 

IAN BROWN
Unfinished Monkey Business
polydor

Nach dem Split seiner alten Band Stone Roses, machte sich Sänger Ian Brown auf, die Welt solo zu erobern. Für sein Debüt, das er im Alleingang produzierte, griff er zu Bass, Gitarre, Drums, Keyboards, Trompete und Mundharmonika, und zeigt dabei eine erstaunliche Musikalität. Stilistisch wird queerbeet gesurft, von Rock zu Pop zu Funk zu Reggae. Und weil Brown dabei seine Lockerheit nicht verliert, erhält der Hörer ein starkes Album im Beckschen Format. Alle Achtung. ds

 

EAGLE-EYE CHERRY
Desireless
polydor/superstudio

Eagle-Eye Cherry ist der Sohn des berühmten Jazz-Musikers Don Cherry und der Bruder von Neneh Cherry. Bei soviel Musik in der Familie wundert es gar nicht, daß Eagle-Eye ebenfalls in dieser Richtung aktiv wird, auch wenn er ursprünglich Schauspieler werden wollte. Gut, daß er die Kurve noch gekriegt hat, denn sein Debüt ist wirklich hörenswert. Mit warmer Stimme singt Adlerauge eingängige, melodische Songs. Immer wieder taucht eine bluesige Akustikgitarre auf, mal angezerrt aufgenommen, mal mit Slide gespielt. Auffällig ist auch die sehr gute Aufnahmequalität dieses wirklich ausgeschlafenen Debüts. Respekt, Igelei! ds

 

HUGO RACE & THE TRUE SPIRIT
Chemical Wedding
tis/eastwest

Noch mal zum Thema „merkwürdig & atmospährisch" (s. Mark Hollis). Hugo Race & Band spielen eine eigenwillige Musik zwischen Blues und Indepedent-Rock der 80er Jahre. Allerlei akustische Instrumente treffen auf dezent eingesetzte Loops und verbinden sich mit der Stimme von Hugo Race zu nicht ganz einfach konsumierbarer Musik, bei der Sounds statt Songs im Vordergrund stehen. Düster, dies alles – aber gut gemacht. am

PIERRE BENSUSAN & DIDIER MALHERBE
Live Au New Morning
rough trade/acoustic music

Diese Live-Aufnahme aus dem Pariser Club New Morning besticht einmal durch ihre exzellente Klangqualität, und natürlich durch die perfekte Performance der beiden Qualitätsmusiker. Wunderbar ist das hier erzeugte Klangspektrum aus Akustikgitarre (Bensusan), und Blasinstrumenten (Malherbe), wobei neben Sopransax auch exotische Instrumente wie Bambusflöte, Okarina oder die armenische Doudouk zum Einsatz kommen. Angetörnte, unaufdringlich virtuos gespielte, zwischzeitlich dem melodischen Jazz zugeneigte Instumentalmusik mit dynamischer Eleganz. ds

 NATTY U
The Return of the Whitey Dons
rough trade/whacky baccy

Nach der Trennung von seinem langjährigen Produzenten wirkt das neue Album von Natty U fast wie ein Befreiungsschlag, bei welchem sich der Dortmunder Reggae-Vokalist von einer bisher unbekannten Seite zeigt. Old-Skool-Dub trifft auf Drum&Bass und TripHop, wobei zwischen tausend Ideen, Samples und Effekten leider an einigen Stellen der rote Faden etwas verloren geht. In der zweiten Hälfte läuft das Album jedoch zu Höchstform auf und beglückt die Reggae-Gemeinde u. a. mit einer Dub-Version der vielgesuchten ersten Natty-U-Maxi inklusive des berüchtigten Ronald-Reagan-Samples. jk

PARACUMBE
Tambo
crs/ashe

Das Ensemble Paracumbe widmet sich den traditionellen puertoricanischen Musikstilen Bomba und Plena. Beide haben ihren Ursprung in der Zeit der Sklaverei und verbinden Gesang und Tanz, wobei die Bomba ihre afrikanischen Einflüsse deutlicher bewahrt hat als die von europäischen Elementen geprägte Plena. So verwundert es nicht, daß die Bomba ausschließlich mit Percussion (2 Barrils, Cuas-Stöcke, Maraca) und Gesang auskommt, wobei sich letzterer in eine ausschließlich von Frauen vorgetragene Frage-und-Antwort-Struktur gliedert. Beide Stilistiken werden von den 13 Paracumbe-Musikern meisterlich interpretiert, wobei das Ensemble durch die sporadische Integration neuer Elemente gekonnt eine musikalische Brücke zwischen Tradition und Gegenwart schlägt. jk

TIBETAN FREEDOM CONCERT
Various Artists
emi/spin

1996 und ’97 fanden in San Francisco und New York die Tibetan Freedom Concerts zugunsten des Milarepa Funds statt, einer Organisation, die sich u. a. für die Befreiung Tibets einsetzt. Simon Yauch von den Beastie Boys, Mitbegründer der Stiftung, hatte zum guten Zweck aufgerufen und viele kamen: U2, Foo Fighters, Patti Smith, Ben Harper, Rage Against The Machine, Beck, The Fugees, Björk, Porno For Pyros... Der bunte Querschnitt durch die Rock- & Pop-Musik der 90er liegt jetzt als 3-CD-Pack vor, wobei CD 3 „extra multimedia" für den PC enthält (z. B. Interviewausschnitte, Konzertfotos etc.). An dem Album, der Musik und der guten Absicht ist nichts auszusetzen – und 1998 soll das Tibetan Freedom Concert in die dritte Runde gehen. am

PETER FINGER & FLORIAN POSER
Best Of...
rough trade/acoustic music

Das Material dieser CD stammt aus den beiden Anfang der 80er Jahre veröffentlichten Alben ,Windspiele‘ und ,Im Labyrinth‘. Akustikgitarrist Peter Finger und Vibraphonist Florian Poser kreierten hier einen Sound, der mich etwas an das legendäre ,Matchbook‘-Album von Ralph Towner und Gary Burton erinnert. Stilistisch bewegt sich das Programm von ,Best Of...‘ zwischen Jazz, Klassik, Rock, Folk, und begeistert den Freund virtuoser Intrumentalmusik mit verblüffender Fingerfertigkeit, rhythmischer Raffinesse und ausgeprägter Musikalität. Zeitlose Instrumentalkunst, die auch viele viele Jahre nach ihrer Entstehung nichts an Kraft und Inhalt verloren hat. ds

V.A. AN AMERICAN WEREWOLF IN PARIS
Soundtrack
polydor/hollywood

Soundtrack zu einem komischen Gruselfilm, der einige ordentliche, knackige Songs transportiert. Hörenswert sind z. B. Cake mit ihrem Remake von ,Never Gonna Give You Up‘, oder das schwermütige, remixte ,Mouth‘ von Bush. Kompakt und kurzweilig. ds

ANAKIN
Various Artists
rough trade/4ad

Diese 4AD Compilation präsentiert 10 Tracks, die teilweise von gerade veröffentlichten Alben stammen, zum anderen Teil eine Vorschau auf in der nahen Zukunft erscheinende Releases sind. Da gibt es z. B. das wehmütige ,Sacrifice‘ von Lisa Gerrards Mitte April erscheinenden zweitem Solo-Album, das spartanisch-folkige ,Ain’t No Lie‘ von His Name Is Alive, das fragil-melodische ,Say What You Came To Say‘ von Scheer, sowie das finstere Electrical ,Dreamt You In A Dream‘ von Starry Smooth Hound. Das Programm der zehn Titel ist sehr abwechslungsreich und unterhaltsam, und bietet einen Einstieg in die eigenwillige musikalische Welt von 4AD. ds

 

TIP$z + HIT$

PETER GLANZMANN heißt der Schweizer Gitarrist, dessen neues Album ,The Elephants Walk‘ instrumentalen Gitarren-Rock in gekonnter Interpretation präsentiert. Virtuos und mit Gefühl spielt sich Glanzmann durch Balladen und Rocker, wobei er nie versucht, die Wahrheit neu zu erfinden: Joe Satriani, Steve Morse und ein Hauch europäische Romantik bestimmen seine Kompositionen. Das Album kann (für sFr 30,– inkl. Porto & Verpackung) bestellt werden unter T (0044) (0)55 – 2463214 l Zwei interessante Aufnahmen von Flächenmeister BILL FRISELL liegen vor: Zusammen mit dem Jazz-Geiger MICHAEL WHITE hat der Gitarrist mit ,Motion Pictures‘ (smd/intuition) ein stimmungsvolles, ruhiges Album eingespielt, das seine eigenwillige Spielweise transparenter denn je macht. Schräg & schön.

Etwas aktueller ist Frisells Aufnahme ,Down Home‘, die er mit der Band von Drummer JOEY BARON eingespielt hat (smd/intuition). Hier, zusammen mit Ron Carter (b) und dem fantastischen Arthur Blythe (sax), zeigt sich Bill von seiner braven Saite – und, wer hätte es gedacht: Er kann auch grooven wie ein Tier, im ganz traditionellen swingenden, Mainstream-Kontext. Interessant, nie zu glatt & fast immer eigenwillig. l Elf Jahre alt sind die Aufnahmen von LARRY CORYELL & MIROSLAV VITOUS – keine Frage, daß diese Duo-Platte ,Quartet‘ heißt (jazzpoint); gewidmet ist sie (den imaginären Mitspielern?), dem Pianisten Bill Evans und seinem legendären Bassisten Scott LaFaro. Interpretiert werden bekannte Standards wie ,Someday My Prince Will Come‘, ,Solar‘, ,Autumn Leaves‘, ,Stella By Starlight‘ etc., die vor allem durch Vitous’ Improvisationen am Kontrabaß ihren Reiz haben. l Bleiben wir beim Bass: TONY LEVIN, u. a. bekannt durch seine Nebenrollen bei Peter Gabriel und King Crimson, wie auch als Experte für den Chapman-Stick ist auf drei Alben zu hören, die in den vergangenen Monaten erschienen: ,From The Caves Of The Iron Mountain‘ (discipline global mobile) entstand zusammen mit dem Flötisten Steve Gorn und Percussion-Spezialist Jerry Marotta in einem alten Bergwerk: Meditative & atmosphärische, sehr transparente Instrumentalmusik mit CD-Video-Track. l In der Band von Gitarrist JOHN DURANT geht Tony Levin ähnlich sensibel zur Sache: ,Silent Extinction Beyond The Zero‘ (efa/alchemy) klingt wie eine gute Mick-Karn- oder David-Torn-Platte – letzterer saß hier übrigens am Pult. Dieses Trio (mit Drummer Vinny Sabatino) bringt improvisationslastige Ambient-Gitarren-Sounds mit weiten Spannungsbögen und langen Tönen bei gelegentlich knapper kompositorischer Substanz. l Aber LEVIN kann auch abrocken: Zusammen mit Drummer Terry BOZZIO und Gitarrist Steve STEVENS entstand ,Black Light Syndrome‘ (magna carta/mascot), und hier geht es um instrumentalen Gitarren-Rock mit Jazz-Schrägen, Blues-Rauheit, Flamenco-Virtuosität, einer bizarren Ballade... – kurz: ein Album mit Überraschungspotential. Empfehlenswert!

Gitarren & Synthesizer bestimmen die einzigartige Klangwelt von ROMAN LEYKAM & FRANK MARK. ,Instant Influx‘ (semaphore) ist ihr viertes gemeinsames Album, und zeigt Konsequenz: Weiterhin wird viel spontan erarbeitet, weiterhin steht „Sound" vor „Kompositionsstruktur", weiterhin ist „Raum" wichtiger als „Zeit". Als „Blend Of Impulsive-Ambient-Instrumental-Experimental" charakterisieren die Klangskulpteure ihre Musik. Die CDs von Leykam & Mark werden einmal gesuchte Sammlerstücke sein. l Merkwürdig-schrägen Minimal-Pop spielen die beiden Multiinstrumentalisten Martin Birke & Aaron Kinney, alias CASUALTY PARK: ,Telepathy‘ (semaphore) heißt ihr minimalistisch angehauchtes viertes Album, das Sample-Technologie und Handmade-Philosophie verbindet. Daß die Musik im sonnigen California entstand, glaubt man kaum – da klingt eher britische Pop-Coolness der 80er und NY/europäische Nervös-Jazz-Avantgarde mit. Verrückt! l Moderner schräger Elektro-Pop kann aber auch positiv gestimmt sein... – und schon nennt man’s Easy Listening. Na ja, nicht ganz, aber AIR haben mit ,Moon Safari‘ (virgin) die Gratwanderung zwischen kitschiger Pop-Kultur und künstlerischer Intelligenz gemeistert. Ihre Kompositionen aus sparsamen Hooklines (,Sexy Boy‘), sentimentalen Melodien, tiefgründigen Sounds, eingängiger Harmonik und unaufdringlichen Grooves haben Charakter – ob Instrumental oder Song. C’est Pop-Müzik!

Schönen, gelegentlich auch schrägen Pop mit coolen Acoustic-Gitarren schenkt uns IMANI COPPOLA mit ,Chupacabra‘, was übersetzt ungefähr heißt: Ich möchte reich und berühmt werden. Schön und talentiert ist die junge Sängerin schon, und sie kann in Zukunft in einem Atemzug mit Erykah Badu, Neneh Cherry oder Claudia Jung genannt werden – ohne allerdings deren Tiefe(n) zu erreichen (sony/columbia). Aber: Sehr, sehr schöner Frühjahrs-Pop!

Bei ihrem Debüt hieß die kanadische Sängerin BIF noch Naked mit Nachnamen – inzwischen hat ihr wohl jemand ein Mäntelchen über die von zahlreichen Tätowierungen verzierte zarte Haut gelegt. Und auch das Image hat sich etwas geändert. Früher blickte sie vom Album-Cover, wie jemand, der kleinen Jungs weh tut – beim aktuellen Werk könnte man sich das durchaus gefallen lassen ohne die Adresse vom örtlichen Männerhaus in der Tasche. ,I Bificus‘ (sony/epic) wird Bif allerdings kaum zum Teenie-Idol der 90er werden lassen, wie die Plattenfirma vermutet – dafür ist sie einfach immer noch too much rock ’n’ roll. Ein schönes, Gitarren-lastiges Album, das Spaß macht, und nach zwei Mal anhören hooked. Gut. l Ebenfalls aus Canada stammen ARTIFICIAL JOY CLUB, und auch hier hat eine Frau das Singen: Sal heißt sie, und ihre Stimme paßt zur selbstgewählten Schubladenbezeichnung der Musik von ,Melt‘ (universal): „Junk Pop" braucht nun mal eine scharfe Röhre. Die zehn Songs des Albums knallen ausnahmslos, die Gitarren schrammeln intelligent arrangiert durch runde Songs. Konkurrenz für Garbage & Skunk Anansie? Yo!

Death Metal – Original & Parodie liegen hier bekanntlich nahe beieinander: MORBID ANGEL, das Trio um Gitarrist & Composer Trey Azagthoth, klingt auf dem aktuellen Werk ,Formulas Fatal To The Flesh‘ (intercord/earache) wie das Tier von den Muppets im Stahlwerk. Aber der gute Trey outet sich auf seiner Siebensaitigen als fähiger, schräger Individualist. Fürchterlich, aber dann auch irgendwie... – verrückt. l Wer sein Leben lieber in Ruhe zu Ende bringt, kann sich dagegen mit QUADRO NUEVO begnügen. Das Quartet (sax, g, accordeon, b) interpretiert eigene und klassische Melodien (,Nature Boy‘, ,Kommissar Maigret‘) im sentimentalen Tango-Sound – das zum Glück mit Humor. Stimmungsvoll: Die Easy-Listening-Alternative. lt

STATUS QUO spielen seit knapp 300 Jahren die gleichen 3 Akkorde, und das machen sie einfach unnachahmlich. Ja, sie sind gut, und deshalb gibt es jetzt die DoCD ,Whatever You Want – The Very Best Of Status Quo‘ (mercury/polydor) mit über 150 Minuten Spieldauer (!), die alle Klassiker und Hits bietet. Wer erinnert sich nicht gerne an Christopher Lee in der Rolle des Dr. Fu Manchu. Die Band zum Film gibt’s schon seit längerem: FU MANCHU vermixen auf ihrem aktuellen Album ,The Action Is Go‘ (polydor) die 70er Rockmusik so wild es geht. Herausgekommen ist eine heftige und coole Mischung zwischen Punk und Hardrock. Antesten!!! Das gleiche gilt für BIG WRECK, deren Musik auf dem neuen Album ,In Loving Memory Of...‘ (tis/eastwest) wie eine poppige Ausgabe von Soundgarden klingt. Außerdem sind hier schöne Slide-Gitarren zu hören. Eine Band mit Potential.

Schon seit vierzehn Jahren läuft OHNE FILTER im Fernsehen und beglückt die Zuschauer mit live vorgetragenem und handgemachtem Blues, Rock, Soul, Funk und Jazz. Um so unverständlicher ist es, warum die ,Ohne Filter Vol. 4‘-Compilation nicht die Live-Mitschnitte der Fernsehaufzeichnungen beinhaltet, sondern bereits veröffentlichtes Studiomaterial. Die Musikzusammenstellung stimmt: Keb’ Mo’, Average White Band, Los Lobotomys, Popa Chubby, Michael Hill’s Blues Mob... – da bleibt einfach nur die Hoffnung auf einen günstigen VK-Preis. am

Das alles & und noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass 04/98 nachlesen. Ab Freitag den 13. März im Handel!

 

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