![]() |
Beinahe ausgestorben scheint die Gattung der Halbresonanzbässe, und der neue Guild Starfire ist allein deswegen eine willkommene Bereicherung des Angebots. Auch bei den Bassgitarren mit kurzer Mensur bietet der Markt nicht gerade viel, und wiederum darf man diesen Guild als Mediumscale-Instrument willkommen heißen. Verarbeitungsstandard und Preis, nicht zuletzt auch der superedle Formkoffer stellen vorneweg bereits klar, daß es sich bei diesem Instrument nicht um einen billigen Gag handelt; wer auf Semiakustik steht, soll mit dem Starfire II auf höchstem Niveau bedient werden. Das attraktive Instrument ist in den Ausführungen Blonde und Antique Burst mit Ahornkorpus, in Black und Crimson Transparent Red mit Mahagonikorpus lieferbar. konstruktion Der eingeleimte Hals besteht aus zwei Streifen Mahagoni mit dünnerem Ahorn-Mittelstreifen, die nach hinten abgewinkelte, riesige Kopfplatte ist im klassischen Guild-Design gehalten. Im Palisandergriffbrett sitzen 21 mittelstarke Jumbobünde und schlichte Punktmarkierungen. Alle Oberflächen mit Ausnahme der Griffbrett-Vorderseite sind mit einer hochwertigen Glanzlackierung versehen, und insgesamt kommt dieser traditionell gebaute, hervorragend verarbeitete Halsbresonanzbass ausgesprochen nobel rüber. Mechaniken: Die schweren, halboffenen Grover-Mechaniken lassen, zumal bei der großen Kopfplatte und der Gurtaufhängung am Halsstock, doch einige Sorgen um die Balance des Basses aufkommen. Tatsächlich erweist sich der Starfire am Gurt als eindeutig kopflastig. Nicht in jeder Hinsicht erscheint es angemessen, die alten Vorlagen exakt zu kopieren, hier hätte ein kleinerer Headstock mit leichtgewichtigeren Stimmechaniken sicherlich eine Verbesserung bedeutet. Die Anordnung der Mechaniken für A- und D-Saite ist zudem nicht günstig, weil diese Saiten allzu nahe an den Wickelachsen für E und G vorbeilaufen, wenn sie nicht gar die dort aufgewickelten Saiten berühren. Auch der wohlgeformte, aber letztlich doch recht schlichte Blechsteg erscheint für diesen schönen Bass nicht optimal, da seine Grundplatte aufgrund der Deckenwölbung nicht vollständig aufliegt, sondern teilweise in der Luft schwebt. Ein Flachsteg ist halt nur etwas für einigermaßen gerade Oberflächen, bei einer stark gewölbten Korpusdecke wäre eine schwebende" Brücke, die auf drei Schrauben steht, sicherlich vorzuziehen, auch wenn der verwendete Flachsteg beim Guild ohne Klappern funktioniert. Hardwaremäßig ist dieser Nobelbass nicht gerade mit glücklicher Hand bestückt worden, wozu auch die kleinen, konventionellen Gurthalter zu zählen sind. Bei einem teuren, relativ empfindlichen Instrument wie dem Starfire sollten arretierbare Sicherheits-Gurthalter zur Standardausstattung gehören. Für die Sammler, die konsequent auf lupenreinen Vintage-Stil bestehen, könnte man ja die normalen Gurtknöpfe zusätzlich beilegen. Tonabnehmer: Elektrisch arbeitet der Starfire II rein passiv, zeigt sich aber im Rahmen dessen sehr umfangreich ausgestattet. Die beiden großen Humbucker mit den Chromkappen werden von Seymour Duncan für Guild geliefert, und an separaten Polschrauben läßt sich jede Saite individuell im Volumen abgleichen. Jeder Tonabnehmer besitzt ein eigenes Volumenpoti und eine eigene Höhenblende; für schnelle Soundwechsel steht zudem noch ein dreistufiger Kippschalter bereit. Der kleinere Potiknopf unterhalb des Hals-Pickups ist ein Mastervolumenregler, die Ausgangsbuchse sitzt in der Zarge. praxis Allgemein darf man von einem E-Bass mit verkürzter Mensur nicht den satt-definierten, reichhaltigen Ton erwarten, den ein echter Longscale liefert. Aber für einen Mediumscale bietet der noble Guild eine durchaus erstklassige Tondefinition bis in tiefste Lagen, gesundes, langes Sustain und ausgewogenes Tonvolumen quer übers Griffbrett. Diese hochwertige Mediumscale-Konstruktion braucht einen Vergleich mit einem guten Longscalebass nicht zu scheuen. Und dabei weist der Guild doch einen recht eigenständigen Toncharakter auf, der geprägt ist vom samtig-trockenen Ansprechverhalten, charaktervoll holzigem Mittentimbre und einem satten, gut kontrollierbaren Baßfundament. Nicht nur beim Plektrumspiel kommt dieser erwachsene Ton knackig-fundiert rüber, auch schnelle Flitzläufe mit weichem Fingeranschlag präsentiert der Starfire plastisch differenziert und dynamisch. Auch wenn die Übertragungseigenschaften der Tonabnehmer nicht vordergründig auf Draht und helle Brillanz getrimmt sind, erweisen sich die höheren Frequenzlagen als ausgewogen ausgeleuchtet und erlauben auch präsente Einstellungen. Die große Stärke des Halbresonanzbasses sind aber sicherlich tragfähige Sounds, die eindeutig nach Baß klingen, nicht allzu vintagemäßig dumpf, sondern eben mit moderner Präsenznote, die dennoch nicht das satt-trockene Fundament übertönt. resümee P L U S
M I N U S
Ü B E R S I C H T
Dirk Groll |