Music Man Axis Sport TR-6  

 

Music Man Axis Sport TR-6

Ursprünglich war die Music Man Axis ja die Eddie-Van-Halen-Gitarre. Seitdem der Meister jedoch das Lager gewechselt hat, und ein anderer amerikanischer Hersteller ein verdächtig ähnliches Gitarrenmodell anbietet, darf der Ex-Endorser natürlich nicht mehr in Verbindung mit der Music-Man-Gitarre genannt werden. Flugs hat Ernie Ball das Instrument in „Axis" umgetauft und ansonsten (fast) alles beim alten belassen.

Mit der „Sport" hat man nun der Axis einen schlichteren und gleichzeitig preisgünstigeren Ableger an die Seite gestellt. Die Gitarre ist alternativ auch mit Ahorngriffbrett, ohne Vibrato, mit SSS- und HSS-Pickup-Bestückung und in schwarzer, 3-Tone-Vintage-Sunburst- und fünf verschiedenen Transparent-Lackierungen erhältlich.

konstruktion
Der Body wird aus zwei Stücken Esche gefertigt. In puncto Design erinnert die Axis Sport an eine Mischung aus Tele und Strat, und so hat Ernie Ball der Gitarre auch nur das rippenschonende Shaping auf der Body-Rückseite spendiert, die Armauflage hingegen beschränkt sich auf abgerundete Kanten. Die Federkammer des Vibratos und das Elektrikfach werden durch Kunststoffplatten abgedeckt, letztere Oberkante bündig abschließend und mit einer Alufolie beklebt, die Massekontakt besitzt. Im E-Fach trifft man auf hochwertige Potis und einen PU-Switch mit zwei Schaltungsebenen. Alle drei Bauteile wurden mit einer abschirmenden Blechplatte unterlegt. Auf einem soliden Montageblech an der unteren Zargenrundung findet die Klinkenbuchse Halt.

Paßgenau und unlackiert stellt die Halsaufnahme mit Unterstützung von fünf Holzschrauben und einem eingelassenen Konterblech eine großflächige Verbindung von Hals und Korpus dar. Stabiler geht’s nimmer. Durch die ergonomische Formgebung des Übergangs lassen sich die obersten Lagen komfortabel erreichen. Der einteilige Ahornhals zeigt eine leichte Vogelaugenstruktur und besitzt ein fein gemasertes Palisandergriffbrett, in das 22 mittelstarke Bünde (2,4 ´ 1,2 mm) perfekt eingesetzt wurden. Ihre gewölbte bis runde Abrichtung und die abschließende Politur (auch der abgerundeten Enden) zeugt von tadelloser Verarbeitung. Zwischen Griffbrettende und Pickup ist der Halsjustierstab problemlos zugänglich. Den weißen Sattel, offenbar aus einem gleitfähigen Kunststoff, hat man optimal aus- und auf eine möglichst niedrige Saitenlage abgerichtet. Die parallel nach hinten versetzte Kopfplatte ist mit exakt arbeitenden Schaller M6-IND-Mechaniken bestückt, die mit ihren Klemmvorrichtungen einerseits verstimmungsfördernde Reibungskräfte mindern, anderseits den Saitenwechsel beschleunigen. Ihre kurzen Achsen sorgen für einen starken Knickwinkel der Saiten und gleichzeitig für erhöhten Druck auf den Sattel. Stringtrees o. ä. erübrigen sich somit.

Als Vibrato kommt eine Music-Man-eigene Vintage-Variante mit Stahlblech-Bridges zum Einsatz, die nach dem Messerkantenprinzip an zwei justierbaren Bolzen hängt. Der Hebel wird einfach eingesteckt und sitzt absolut spielfrei. Mit Hilfe von zwei Inbusschrauben läßt sich die Gängigkeit und das Achsenspiel in Längsrichtung einstellen. Werkseitig mit drei Federn bestückt – zwei weitere zählen zum Lieferumfang – hat man das System so justiert, das die Grundplatte auf der Korpusdecke aufliegt und bei String-Bendings nicht nachgibt. Fazit: Das Vibrato funktioniert völlig verstimmungsfrei und nimmt auch Dive Bombs oder ähnlich brutale Attacken gelassen hin.

Die schwarze Schlagplatte dient nur der Optik. Man könnte sie auch entfernen, wenngleich die Bohrlöcher natürlich nicht sehr reizvoll aussehen. Apropos – hier wird deutlich, wie sehr Music Man in puncto Verarbeitung ins Detail geht: So wurden z. B. alle Bohrlöcher (auch die der rückseitigen Abdeckungen) angesenkt, um eine Beschädigung der Lackierung zu vermeiden. Für die Axis werden spezielle DiMarzio-Pickups hergestellt, beim Testmodell sind es zwei Humbucker, der am Steg mit „B1", der in der Halsposition mit „N2" gekennzeichnet. Die gewachsten Tonabnehmer hat man in ihren engen lackierten Ausfräsungen fest mit dem Korpusholz verschraubt. Eine Höhenjustierung ist nur mit Hilfe der Polschrauben möglich. Das kann dem Sound nur gut tun, schließlich nehmen die Korpusschwingungen auch Einfluß auf die Pickups. Die Volume- und Tone-Regler lassen sich butterweich bedienen, der Fünfwegschalter ermöglicht folgende Spulenkombinationen:

  • Position 1: Hals-Humbucker
  • Position 2: innere (creme) Spulen beider Pickups
  • Position 3: beide Humbucker
  • Position 4: äußere (schwarze) Spulen beider Pickups
  • Position 5: Steg-Humbucker.

praxis
Erstaunlich, wie schnell man sich an einen derart schmalen Hals gewöhnen kann. Das leicht asymmetrische D-Profil – hinter den Baßsaiten ist die Rundung ausgeprägter, hinter den Melodiesaiten flacher – läßt sich zusammen mit dem Öl/Wachs-Finish angenehm bespielen. Hinzu kommt die perfekte Bearbeitung der Bünde, deren Abrichtung den Saiten definierte Auflagepunkte bietet. Es fällt kaum auf, daß wir es hier, zumindest hinsichtlich der Höhe, eigentlich mit Jumbo-Frets zu tun haben. In Sachen Spielkomfort läßt die Axis Sport keine Wünsche offen. Nicht nur im Sitzen, sondern auch am Gurt zeigt sie eine optimale Gewichtsverteilung.

Schon unverstärkt macht sich ein kraftvolles ausgeglichenes Klangbild mit präsenten Höhen, Brillanz und sattem Obertongehalt bemerkbar. Die direkte Ansprache kommt ebenso wie die schnelle Tonentfaltung dem Spielkomfort zugute; beides Faktoren, die einen erheblichen Anteil an der Umsetzung der Spieldynamik und dem „sich auf dem Instrument wohlfühlen" haben. Die Qualität der verwendeten Klanghölzer läßt sich u. a. an ihrem intensiven Resonanzverhalten erkennen, das nach jedem angeschlagenen Akkord oder Ton deutlich am eigenen Körper zu spüren ist. Das Resultat ist langsam und gleichmäßig ausklingendes Sustain.

Die DiMarzio Custom-Humbucker liefern eine etwas höhere Ausgangsleistung als Standard PAFs. Brillanz und Obertonreichtum der Music-Man-Gitarre bleiben auch über die Tonabnehmer erhalten, wenngleich nicht aufdringlich, sondern eher gut abgestimmt und ins Gesamtklangbild eingebettet. Während der Steg-PU kraftvolle, klare, von Vitalität und Frische geprägte Sounds liefert, liegen die Stärken des Hals-Humbuckers in warmen, bluesig-bauchigen, druckvollen Klängen, ohne dabei Transparenz vermissen zu lassen. Die Kombination beider Doppelspuler bringt den gewohnten glockigen Klang mit wohldosierten Baßanteilen, die Schalterpositionen 2 und 4 Strat-angelehnte, leicht näselnde In-between-Sounds, sehr schön für cleane Arpeggios oder funky Rhythmusarbeit.

Wie schon im unverzerrten, so verdient die Axis Sport auch im Crunch- bis High-Gain-Bereich beste Noten. Sowohl der Steg- als auch der Hals-Pickup ist in der Lage, extreme Zerrsounds druckvoll und transparent wiederzugeben und dabei sensibel auf spieltechnische Feinheiten und Anschlagdynamik zu reagieren. Solospiel wird vom Sustain unterstützt, und einzeln ausklingende Töne kippen leicht in Obertöne um. Diese lassen sich mit entsprechenden Anschlagtechniken auch nach Belieben erzeugen. Aufgrund der Schaltungsweise der Tonabnehmer – es sind stets mindestens zwei Spulen in Betrieb – und der wirkungsvollen Abschirmung bleiben Einstreugeräusche auch bei High-Gain-Sounds außen vor. Bliebe noch zu erwähnen, daß sich das Volume-Poti bestens zur Steuerung des Verzerrungsgrades eignet, ohne dabei größere Lautstärkeunterschiede zu verursachen.

resümee
Die Axis Sport läßt sich uneingeschränkt in die Reihe der bislang erschienenen und getesteten Music-Man-Instrumente einordnen. Die aus hochwertigen Materialien und erstklassiger Hardware hergestellte Gitarre präsentiert sich als solides Werkzeug für den anspruchsvollen Musiker. Sie überzeugt nicht nur durch hervorragende Klangeigenschaften und hohen Spielkomfort, sondern auch durch tadellose Verarbeitung. Das Vintage-Vibratosystem funktioniert verstimmungsfrei, und die Justiermöglichkeiten des Hebels sind beispielhaft. Zwar sind knappe 3 1/2 Mille nicht gerade ein Pappenstiel, jedoch erhält der Käufer mit einem Top-Instrument made in USA und einem stabilen Luxuskoffer einen adäquaten Gegenwert. n

Ü B E R I C H T

  • Fabrikat: Music Man
  • Modell: Axis Sport TR-6
  • Herkunftsland: USA
  • Typ: Solidbody E-Gitarre
  • Mensur: 650 (mm)
  • Hals: Vogelaugenahorn, einteilig, fünffach verschraubt, Palisandergriffbrett, 22 Medium-Bünde
  • Halsform: D, leicht asymmetrisch
  • Halsbreite: Sattel: 40,90; XII. Bund: 50,60 (mm)
  • Halsdicke: I. Bund: 21,10; V. Bund: 21,40; XII. Bund: 23,30 (mm)
  • Korpus: Esche
  • Oberflächen: Korpus: Polyester-Lack, Opaque Ivory, deckend, hochglänzend poliert; Hals: Öl/Wachs-Finish
  • Tonabnehmer: 2´ DiMarzio Custom-Humbucker
  • Bedienfeld: 1´ Fünfweg-PU-Schalter, 1´ Volume, 1´ Tone
  • Steg/Vibratosystem: Music Man Vintage-Vibrato
  • Hardware: verchromt
  • Mechaniken: Schaller M6-IND Locking, 16:1
  • Saitenlage: E-1st: 1,4; E-6th: 1,7 (mm)
  • Gewicht: 3,5 (kg)
  • Preis: ca. DM 3490,– (inkl. Luxuskoffer)

P L U S

  • Sounds
  • Schwingungsverhalten/Sustain
  • Ansprache/Tonentfaltung
  • Qualität der Klanghölzer und Hardware
  • Konstruktion/Funktion des Vibratos
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit

Michael Dommers

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