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Paul Reed Smith hat in den vergangenen Jahren bewiesen, daß er Solidbody-E-Gitarren in bestechender Qualität bauen kann. Jetzt geht es in die zweite Phase. Mit den Modellen McCarty-Archtop und -Hollowbody kommen Gitarren mit Resonanzkorpus ins Programm, eine weitere Herausforderung. Paul Reed Smith wäre aber nicht der, der er heute ist, wenn er die Konstruktion dieses Gitarrentypus einfach übernommen hätte. Die beiden neuen Modelle Archtop = Vollresonanz-Gitarre, Hollowbody = Halbakustische Gitarre mit stark gewölbter Decke und Boden werden komplett (!) aus massiven Hölzern gefertigt und haben natürlich die berühmte PRS-Korpusform mit gewölbter Decke und kleinem Korpus. Seit einigen Jahren ist Paul Reed Smith eng mit Ted McCarty befreundet, dem Mann, der in seiner Position als Präsident bei Gibson (1948 1966) für die Entwicklung von Les Paul, Flying V, Explorer, Firebird, SG, Byrdland, Tune-o-matic-Brücke und dem Humbucking Pickup u. v. m. verantwortlich war. Und natürlich fällt in seine Zeit auch die Entwicklung der semiakustischen Gitarre (z. B. 335), die McCarty im Nachhinein als eine seiner wichtigsten Leistungen betrachtet. Paul Reed Smith bringt die neuen Modelle unter dem Namen McCarty auf den Markt. Natürlich weisen die neuen akustischen" Modelle die Features der McCarty-Solidbodies auf: eine größere Neigung der Kopfplatte als bei den normalen" PRS-Gitarren, ein dickerer, breiterer Hals mit 22 Bünden und die einteilige Steg/Saitenhalterung PRS Stoptail. Es gibt in dieser Serie insgesamt 5 Modelle, die sich hauptsächlich durch die Holzauswahl voneinander unterscheiden: die beiden semiakustischen Hollowbody und Hollowbody II und die vollakustischen Modelle Archtop, Archtop II, Archtop Artist. Zum Test haben wir eine McCarty Hollowbody vorliegen, ein Instrument, das von der Premiere auf der NAMM-Show Los Angeles kommt und auf der Frankfurter Musikmesse ausgestellt wird. konstruktion Dieses Instrument hat keinen Sustainblock o. ä., die Decke besitzt keine Verstrebungen. Lediglich der Block zwischen Boden und Decke (wie beim Geigenbau Sound Post" genannt) sorgt für die nötige Stabilität im Stegbereich und für die Verbindung zwischen Decke und Boden. Der McCarty-Hals (wide, fat) ist aus einem Stück Mahagoni gefertigt, das aufgeleimte Palisandergriffbrett mit Dotinlays hat 22 Bünde, an der Kopfplatte sind 6 PRS-Mini-Mechaniken mit Holzknöpfen montiert, alles aus Gründen der Gewichtsreduzierung, um Kopflastigkeit zu vermeiden. Der Hals ist mit dem Korpus verleimt, er reicht bis unter den Halspickup hindurch und ist mit Decke und Boden auch hier ist etwas Holz beim Fräsen stehengelassen worden perfekt verbunden. Interessant ist bei diesem Modelle (wie auch bei der Archtop I) die Verwendung von Fichte als Deckenmaterial. Fichte wird bei einem Großteil der Westerngitarren verwendet und hat beste akustische Eigenschaften. Daher wird auch für alle hochwertigen Jazz-Gitarren mit massiver Decke Fichte verwendet: Beispiele sind die Gibson L-5 und Super 400, DAngelico, DAquisto, Benedetto u. v. m., wogegen alle bekannten Semiakustik-Gitarren mit gesperrten Hölzern (meistens mit Ahorn-Furnier) gefertigt werden. Wahlweise ist die Hollowbody auch mit massiver Ahorndecke erhältlich; bei der Hollowbody II sind Boden und Decke aus massivem Ahorn, und nur die Zargen aus Mahagoni. Die Gitarre ist nur hauchdünn lackiert, die Oberflächen sind bei der Fichten-Variante nicht auf Hochglanz poliert sondern haben einen seidenmatten Glanz, der Erinnerungen an alte Geigen weckt. Für diese Art der Lackierung kann weniger Lack verwendet werden, dadurch vermag das Klangholz besser zu schwingen. Hardware und Pickups Die beiden Pickups sind in Rähmchen befestigt und in der Decke montiert, die Schaltung besteht aus Volumen- und Tonregler sowie einem Dreiwegschalter . Die Gitarre ist ab Werk mit einem Satz .010er DAddario-Saiten bespannt. Spezielle Gurthalter sorgen für einen festen Sitz des Tragbandes. Es wird sicher einige Gitarristen geben, die auf Grund des leichten Korpus auch im Sitzen ein Tragband verwenden werden. Die Gitarre ist mit Tragband perfekt ausbalanciert und die leichte Kopflastigkeit, die man ohne verspürt, ist beseitigt. praxis Schon akustisch angespielt überrascht die McCarty-Hollowbody durch einen lauten, vollen und doch ausgewogenen, brillanten Klang, mit einer erstaunlich schnellen Ansprache und einem für diese Bauweise außergewöhnlichen Sustain. Was sich aber beim zweiten Nachdenken durch die Konstruktion erklärt: Im Prinzip haben wir es ja mit einer Solidbody aus massiven Hölzern zu tun, bei der die äußere, stabile Hülle stehen geblieben ist und nur Holz aus dem Inneren entfernt wurde. Schließt man die Gitarre nun an einen Amp an, wird der eben erwähnte Klangeindruck völlig bestärkt, wobei jetzt vor allem die Ausgewogenheit überrascht. Die Pickups übertragen die Eigenschaften der Gitarre sehr authentisch. Und egal, ob am Verstärker eine cleane oder eine Overdrive-Einstellung gewählt wird, die Hollowbody überzeugt durch einen sahnig, weichen Klang mit einer völlig ausgewogenen Obertonstruktur, einem jederzeit durchsichtigen Sound mit schöner Brillanz und einem wunderschönen Attack. Gerade verzerrt gespielt, hat man den Eindruck, die Gitarre hätte ein Klangfilter integriert, das alle unangenehmen Töne wegnimmt und den Klang so veredelt. Es fällt vor allem dann auf, wenn man zu mal wieder zu einer Solidbody oder herkömmlichen Semi-Akustik greift, die einen weitaus lineares Frequenzbild abgeben. Wechseln man wieder zurück, wirkt der Ton einfach geprägter und angenehmer fürs Ohr. Beim Spielen fühlt" es sich außerdem besser an. Es ist eine Gitarre, die für alle möglichen Musikrichtungen geeignet ist, und nicht nur auf Jazz oder Rock-Jazz beschränkt ist; sie kann losrocken, sie kann singen, sie kann bleusig weinen, sie kann grunchen". Auch für verzerrte gespielte Slide-Geschichten ist sie eine Wucht. Ich bin mal gespannt, wie anders" die Ahorn-Variante (Hollowbody Ii) klingen wird. Die Hollowbody ist trotz des hohlen" Korpus so gut wie überhaupt nicht feedbackanfällig; das sonst beim semiakustischen Gitarren mit gesperrter Decke gefürchtete Heulen ist völlig unterdrückt, aber das kennt man ja auch von teuren Jazz-Gitarren mit massiver Fichtendecke, die ebenfalls weitaus weniger rückkoppeln. resümee P L U S
Ü B E R SI C H T
Dieter Roesberg |