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Die SG ist schon eine merkwürdige Gitarre irgendwie. Frank Zappa, Angus Young, Carlos Santana, Pete Townshend, Mick Taylor, Jerry Garcia, Eric Clapton, gar George Harrison sie alle spielten in wichtigen Phasen ihres Musikerlebens eine SG und machten doch so unterschiedliche Musik, dabei ist die SG nicht etwa vielseitiger als andere Gitarren mit zwei Tonabnehmern. Irgendetwas muß also an dieser Gitarre dran sein, aber was? Ich gestehe, ich war bis dato kein großer SG-Fan. Nicht, daß ich sie nicht mag, aber mich interessierte diese Gitarre einfach nicht. Dabei ist die SG Gibsons einzige (!) Solidbody-Gitarre, die seit ihrer Einführung ununterbrochen produziert wurde; so falsch kann die Firma mit diesem Modell also nicht liegen. Die SG wurde in der Form, wie wir sie heute kennen, anfangs der 60er Jahre auf den Markt gebracht, um die bis dahin recht erfolglosen schweren Les-Paul-Modelle mit ihren gewölbten Ahorn-Decken abzulösen ein marketingpolitischer Schachzug", der heute nur ungläubiges Kopfschütteln hervorrufen würde, damals aber tatsächlich Sinn machte. Diese Gitarren, die es in Junior-, Standard- und Custom-Versionen gab, hießen noch nicht gleich bei ihrer Einführung SG", was im übrigen für Solid Guitar" steht, sondern ... Les Paul"! Die eigentliche Geschichte der SG begann jedoch schon 1960, als die bis dahin unter dem Namen Les Paul TV und Les Paul Special angebotenen Modelle der unteren Preisskala in SG TV", respektive SG Special", umbenannt wurden. Liebe Schüler, wir fassen wie folgt zusammen: In den ersten 60er Jahren wurden existierende Les-Paul-Modelle in SG" umbenannt, während den neuen SG-style-Modellen jedoch der Name Les Paul" verliehen wurde. 1961/62 wurden die SG TV und Special re-designed und sehr stark den damals neuen Les-Paul-Modellen nachempfunden, ja teilweise hat Gibson sogar die gleichen Bodies und Hälse für beide Serien verwendet. Als nun 1962 Les Pauls Vertrag mit Gibson auslief, untersagte der Gitarrist dem Hersteller, seinen Namen weiterhin für diese neuen Gitarrenmodelle zu verwenden; er konnte sich einfach nicht mit den dünnen Brettgitarren identifizieren. Als logische Konsequenz nannte Gibson fortan alle vorher beschriebenen Gitarren einheitlich SG"! konstruktion Hals und Korpus der Gitarre bestehen aus Mahagoni, das im traditionellen Cherry-Farbton gebeizt ist. Für den Korpus werden drei Stücke verwendet, bei dem Hals sind sowohl Kopfplatte als auch Halsfuß angeschäftet: Wenig Verschnitt senkt halt die Produktionskosten. Das Palisander-Griffbrett schmücken die sog. Crown"-Einlagen an den üblichen Stellen, eine weitere Krone befindet sich als Perlmutt-ähnliche Einlage in der schwarz lackierten und polierten Kopfplatte. Die Kanten des Korpus sind deutlich konturiert und verhindern erfolgreich ein brett-artiges" Design, wenn für meinen Geschmack die Konturen ruhig etwas stärker hätten ausfallen können. Der Hals/Korpus-Übergang findet bei der SG am letzten der 22. Bünde statt. Kein Wunder also, daß diese Stelle der neuralgische Punkt, manche sprechen sogar von einer Soll-Bruchstelle, einer jeden SG ist. Um dieser Konstruktion die nötige Stabilität zu geben, ragt der Hals mit einer Art Zunge" so weit es eben geht in den Korpus hinein, was natürlich bei SGs mit zwei Tonabnehmern wie unserer hier nicht besonders weit ist. Die SG/Les Paul Junior, deren Produktion übrigens 1964 eingestellt wurde, bot wegen ihres einzigen P-90 Pickups z. B. deutlich mehr Raum für die Verankerung der Halszunge. Aber SG-Spieler müssen mit diesem Problem leben, was sich verschmerzen läßt, wenn man auf die klanglichen Auswirkungen, die eine solch knappe Verbindung mit sich bringt, steht. Doch dazu später mehr. Wie bei allen Epiphone-Instrumenten, die ich in der letzten Zeit testen durfte, muß ich auch hier eine sehr gute Verarbeitung konstatieren einzige die etwas zu engen Kerben am Sattel, die zu leichten Verstimmungsproblemen bei Vibrato-Gebrauch führen können, sind mir aufgefallen. Hardware und Pickups Das Epiphone VibroTone-System ist ein Nachbau von Bigsbys erfolgreichem B5-Vibrato. Die Saiten werden mit ihren Ballends auf kleinen Stiften befestigt, um die hintere Rolle und dann unter einer Art Andruckrolle" hindurch über einen Tune-o-Matic-Steg geführt, der gesamt in der Höhe und dessen Saitenreiter für die Oktavreinheit längswärts einstellbar sind. Auf die Verwendung eines Rollensteges wurde verzichtet, sicherlich nicht nur aus traditionalistischen Gesichtspunkten. Vielen ist ein Rollensteg in Verbindung mit einem Bigsby-System im Ton zu schwammig, auch wenn es eine größere Stimmstabilität verspricht. Großes Lob eines Bigsby-Geschädigten im übrigen für den VibroTone-Designer, denn er hat die Stifte, über die die Ballends gezogen werden, nahezu doppelt so lang wie beim Bigsby-Original gestaltet so flutschen die Ballends beim Saitenaufziehen nicht so leicht wieder raus! (Saitenwechseln bei Gitarren mit Bigsby-Systemen ist bekanntlich eine üble Strafarbeit, aber der Schreiber dieser Zeilen hat einen kleinen Trick entdeckt, der vieles einfacher macht demnächst in dieser Zeitung nachzulesen!) Als Mechaniken werden Kluson-Kopien mit Hornimitat-Knöpfen verwendet. Es sind verschlossene Aggregate, die ab und zu auch mal geschmiert werden können für die Ölung es braucht ja nicht die letzte sein ist eine kleine Öffnung im Gehäuse vorhanden. praxis Wenn es e i n e Bluesgitarre gibt, dann die SG! Dies ist eine Erkenntnis, die ich mir selbst hinter die Ohren schreiben muß (da ist viel Platz!), der ich diesem Modell bisher so wenig Beachtung geschenkt habe. Auch diese Epiphone SG-400 reproduziert den klassischen, rauhen Ton, der von einer SG nun eben mal erwartet wird. Nicht so brillant wie eine Fender-stlye Gitarre, aber auch nicht so dick und fett wie eine Les Paul sondern dynamisch-erfrischend, zwischen diesen beiden Soundwelten bewegt sich die SG. Bei verzerrten Sounds bleibt die Gitarrre erstaunlich lange transparent, was auch für die Pickups spricht, bei cleanen Sounds klingt sie satt und rund mit reichlich Bauch" lediglich der Step-Pickup erscheint clean und solo ein wenig steril. Wohl fühlt sich die SG jedoch besonders im soundlichen Mittelfeld, also bei angezerrten Sounds; hier liefert sie erstklassige, dyamisch-transparente Sounds ab, die allesamt schon Rockgeschichte geschrieben haben. Der Hals, der deutlich dicker ist als die gefürchteten, weil ultra-dünnen, Hälse der Spät-Sechziger-SGs, liegt satt in der Hand, und dank der Gibson-typischen Mensur kommt eine sehr gute Bespielbarkeit zum ansonsten schon positiven Eindruck hinzu. Das VibroTone arbeitet, wie es soll: Hier ein Schimmern, da ein Jammern, dann ein bißchen Stimmen nicht mehr, nicht weniger. Wer mit solchen Klängen nichts anfangen kann, hat die Möglichkeit, die SG-400 auch ohne VibroTone zu erwerben. Ich könnte mir vorstellen, daß diese Version noch eine Idee knalliger und konkreter" rüberkommt; Angus läßt grüßen! Dank des extrem späten Korpusübergangs läßt sich die SG in den obersten Lagen so gut bespielen wie keine andere Gitarre. Daß die Hals/Korpus-Verbindung weniger stabil ist als andere, darüber haben wir gesprochen. Dafür läßt sich aber der Hals dieser SG so richtig schön verbiegen und Tonhöhenänderungen bis zu einem halben Ton produzieren, ehe die Saiten auf den Bünden aufliegen doch er hat immerhin soviel Masse, daß er sich nicht bewegt, wenn er nicht soll; selbst bei heftiger Spielweise bleibt er stabil in Ruhelage, was bei den oben erwähnten dünnen SG-Hälsen der Endsechziger-Periode leider nicht der Fall war. resümee
P L U S
M I N U S
Ü B E R S I C H T
Heinz Rebellius |