Fingerprints
Mit instrumentaler akustischer Gitarrenmusik ist
das immer so eine Sache: Die technischen Fähigkeiten und die virtuose Darbietung des
Solisten sind in der Regel beeindruckend leider fehlt den meisten Vertretern der
Fingerstyle-Gitarre das nötige Händchen für spannende und interessante Kompositionen.
Wer einfallsreich gespielte Akustikgitarrenmusik sucht, sollte es mal mit der aktuellen CD
von Jacques Stotzem versuchen.
Auch auf ,Fingerprint vereint Stotzem in seinen Stücken Elemente aus Jazz,
Blues, Klassik und Folk zu einer eigenen bis eigenwilligen Mischung. Der melodische Aspekt
steht immer im Vordergrund; zudem wird mit Pausen und sehr viel Dynamik gearbeitet.
Jacques Stotzem wurde 1959 in Verviers, Belgien, geboren. Relativ spät, im Alter von
sechzehn Jahren, begann er mit dem Gitarrespielen. Der Auslöser war ein Fernsehauftritt
des amerikanischen Gitarristen Stefan Grossmann. Begeistert von dessen
Blues/Ragtime/Folk-Musik kaufte sich Jacques zwei Tage später seine erste Akustische und
ein Gitarrenlehrbuch von Grossmann. Und die Investition hat sich gelohnt: Jacques Stotzem
zählt heute zu den renommiertesten Fingerstyle-Gitarristen seiner Zunft. Grund genug also
für ein Interview mit dem sympathischen Belgier, der offen über sich und seine Musik
erzählte...
Einflüsse
G&B: Was hat dich damals an der Akustikgitarre so fasziniert?
Jacques: Ich weiß wirklich nicht, was es speziell war. Mir hat es einfach
unheimlich gut gefallen, und ich bin Grossmann dankbar dafür, daß er mich zur Gitarre
gebracht hat.
G&B: Kennst du ihn persönlich?
Jacques: Ja, wir haben uns inzwischen öfters getroffen. Vor kurzem haben wir
bei einem Gitarrenfestival in Lüttich das erste Mal miteinander gespielt. Das war für
mich etwas Besonderes.
G&B: Wer sonst war noch wichtig für deine musikalische Entwicklung?
Jacques: Da ich nicht wie Grossmann singe, war seine Art von Musik sehr begrenzt
für mich. Ich merkte sehr schnell, daß bei diesen Blues-Sachen ohne Gesang ein wichtiger
Teil fehlt. Da Ragtime usw. somit für mich zu begrenzt war, und weil ich damals gerne
melodische Sachen hörte wie James Taylor und Jackson Browne, begann ich eigene
Kompositionen zu schreiben. Ich wollte die traditionelle Fingerstyle-Technik mit
melodischen Sachen mischen. Mein Ziel war es immer, melodische Sachen zu schreiben. Mit
der Zeit habe ich auch sehr viel Jazz gehört. Die Musik, die ich heute schreibe, ist
wirklich eine Mischung aus diesen verschiedenen Einflüssen. Ich bin kein Purist oder
Ragtime-Gitarrist. Ich höre auch gerne klassische Musik oder südamerikanische
Gitarristen...
Natürlich gibt es Gitarristen, die ich gerne mag, aber sehr oft sind es keine
Akustikgitarristen. Ich höre sehr gerne Pat Metheny und John Scofield oder Leute wie
Sting, der ein guter Komponist ist. Aber ich versuche nie, mir von einer Platte die ganzen
Licks rauszuhören. Ich verarbeite die Musik eher in meinem Kopf, und dann tauchen diese
Einflüsse in meinem Spiel wieder auf ...
Story: Arnd Müller
Das komplette Interview mit Jaques
Stotzem, Infos zu seinem Equipment & und noch viel mehr kann man in Gitarre & Bass
04/98 nachlesen. Ab Freitag den 13. März im Handel! |