David Lindley  

David Lindley

THE BEST ROCK ’N’ ROLL GUITAR PLAYER

„David is the best Rock ’n’ Roll guitar player", meinte Booker T. Jones, der legendäre Leader von Booker T & The MGs. Es geht um David Lindley! Hier das Interview zur anstehenden Europa-Tour des Slide-Meisters, präsentiert von Gitarre & Bass – Termine weiter unten.

„Morgen, hier ist Heinz von Gitarre & Bass in Germany. Ist David da?" Eine weibliche Stimme antwortet: „Äh, ... David ist auf der Toilette. Kannst Du so lange warten?"

Na, das fängt ja gut an! Ich bin zu einem Telefoninterview mit David Lindley zu mitternächtlicher Stunde verabredet – das bedeutet etwa 13 Uhr nach kalifornischer Zeitrechnung und normalerweise die Zeit, um die sich der von seinen Fans aus aller Welt liebevoll „The King Of Polyester" genannte Lindley aus dem Bett schält. Also – ich lege auf, um mir unnötige Telecom-Kosten (oder war es Arcor?) zu sparen, und melde mich nach einer Anstandsviertelstunde zurück. Diesmal ist David persönlich am Apparat – direkt von der Kloschüssel zur Ohrmuschel ...

G&B: Guten Morgen, habe ich zu früh angerufen?

Lindley: Nein, nein – ich bin heute schon um 12 Uhr aufgestanden, weil ich noch etwas an meinem neuen Album arbeiten wollte. Also (lacht) – ich bin wach!

G&B: Welches neue Album? Gerade sind in Deutschland deine beiden offiziellen Bootlegs, die aus Live-Mitschnitten der Konzerte mit Hani Naser entstanden sind, veröffentlicht worden.

Lindley: Ich habe mit meinem neuen Partner Wally Ingram zwölf Stücke aufgenommen – 50 % Live-, 50 % Studio-Aufnahmen.

G&B: Hast du in deinem Haus denn selbst ein Studio?

Lindley: Oh ja, und das ist auch gut so! Ich nehme mit einem 8-Spur Digitalgerät von Sony auf, habe ein paar sehr gute Mikrofone von Neumann und AKG – damit lassen sich toll klingende Aufnahmen ohne viel Aufwand realisieren.

G&B: Mit Wally hast du dir wieder einen Drummer und Perkussionisten als Partner ausgesucht. Warum z. B. keinen Gitarristen?

Lindley: Na ja, das hat sich eher zufällig ergeben – wobei mir das Duo mit Hani Naser (ein jordanischer Perkussionist, mit dem Lindley fünf Jahre tourte; d. Verf.) sehr viel Spaß gemacht hat. Hani hatte zur Zeit andere Verpflichtungen, doch als ich Wally Ingram kennenlernte – wir spielten beide in der Jackson-Browne-Band auf der letzten Tour – und ihn spielen hörte, dachte ich sofort: Wow, mit dem muß ich unbedingt mal etwas zusammen machen! (lacht) Schon wieder ein Drummer...

G&B: Seit einigen Jahren verwendest du viele Elemente der sogenannten „World-Music". Was reizt dich daran? Ist es vielleicht das unverdorbene, kommerzfreie Aufspielen von Musik, die noch deutlich näher am Herzen der jeweiligen Bevölkerung liegt als z. B. unsere angesagte Pop-Musik?

Lindley: Ja, das stimmt schon. Aber unsere heutige Volksmusik ist schon OK – Rap, HipHop usw. – das ist die Volksmusik der 90er, und die ist zumindest in ihrer ursprünglichen Form genau so nah am Volk dran wie jede andere Weltmusik auch. Ich mag einfach ungewöhnliche Melodien, und ich mag den irgendwie unschuldigen Anspruch solcher Musik. Hier geht es wirklich nur um Musik und das, was damit ausgelöst wird: Freude, Trauer, Tanzen, Zuhören usw. – was willst du mehr?

G&B: Und du verwendest Elemente von überall her, aus allen Ländern der Welt?

Lindley: Richtig – wobei klar ist, daß ich nicht alles nachspielen kann, was ich da höre. Ich könnte z. B. niemals dieses kolumbianische Akkordeonzeugs nachspielen – aber ich liebe es, und wie! Du hörst einfach so viele gute Musik in den fernen Ländern, und fast unmerklich verwendest du auf deinen Instrumenten Melodien und Rhythmen, aber auch Gefühle dieser Musik – und was dabei herauskommt ist einfach wundervoll. Was meinst du, was die Leute in Madagaskar gedacht haben, als sie zum ersten Mal ein Akkordeon gehört haben, das von einem Seemann oder Pirat mitgebracht wurde? Die waren völlig perplex, denn ein Akkordeon klingt ja völlig anders als das Harmonium in der Kirche, und zu einem Akkordeon kann man zudem wunderbar tanzen: Die Afrikaner haben sicherlich genau so europäische Elemente in ihre eigene Musik und auf ihre Instrumente übertragen, das ist einfach ein natürlicher Prozeß unter Musikern, die offen für fremde Kulturen sind. Ich habe da unten folgendes Erlebnis gehabt: Zusammen mit einigen afrikanischen Musikern habe ich in Madagaskar Aufnahmen gemacht, und die – unter ihnen zwei Gitarristen – hatten wohl noch nie vorher eine akustische Slide-Gitarre à la Weissenborn gesehen. Als ich mit den Aufnahmen fertig war, ging ich raus und sah dann diese beiden Gitarristen, wie sie vor dem Studio saßen und ihre Kabussis, viereckige, sechssaitige Instrumente, mit ihren Taschenmessern slide-mäßig spielten! Genauso – nur umgekehrt – geht’s mir, wenn ich Musik aus anderen Kulturen und mit anderen Instrumenten höre. Du hörst etwas, was dir gefällt – und baust es in deinen ganz persönlichen Rahmen ein! ...

David war sehr interessiert, als er hörte, daß ich eine Weissenborn-Gitarre aus Palisander mit Fichtendecke zu den meinen zähle und will sie unbedingt sehen, wenn er in Deutschland ist. Ich verabredete gleich eine 3-Tage-Tour zwischen München und Bielefeld mit David, Wally und der gesamten Crew. Drei Tage mit dem King Of Polyester on the road – und die Gitarre & Bass-Leser können exklusiv hinterher lesen, wie es uns dabei ergangen ist. Ist das nichts ...?

Lindley Facts!
David Lindley hat eine Menge Platten aufgenommen. Hier eine Discografie zu seinen Solo-Alben:

  • El Rayo-X (1981, Asylum)
  • Win This Record (1982, Asylum)
  • El Rayo Live (1983, Asylum)
  • Mr. Dave (1985, Warner)
  • Very Greasy (1988, Asylum)
  • World Out Of Time (1992, Shanachie)
  • World Out Of Time II (1993, Shanachie)
  • Song Of Sajajawea (1993, Rabbit)
  • Live in Tokyo/Official Bootleg! (1994 Pleemhead)
  • Playing Even Better/Off. Bootleg II (1995 Pleemhead; die letzten beiden CDs sind 1998 auf Ulftone/IRS in Deutschland erschienen und über den G&B-Shop zu beziehen – siehe Anzeige in dieser Ausgabe oder Inhaltsverzeichnis!

Hier noch kurz David Lindleys Biographie in Stichworten!

  • 1967 – 1970: Kaleidoscope war Lindleys erste erfolgreiche Band und gleichzeitig die erste, die „world music" mit Country- und Pop-Einflüssen verschmolz.
  • 1971 – 1981: Lindley wurde einer der meistbeschäftigsten Sidemen der Rock-Geschichte und lieferte nicht mehr wegzudenkende Beiträge auf unzähligen Produktionen von u. a. Jackson Browne, Linda Ronstadt, Rod Stewart, David Crosby, Graham Nash, Ry Cooder ...
  • 1982 – 1990: Lindley gründete die Band El-Rayo-X, mit der er sogar einen richtigen Hit, Warren Zevons ,Werewolves in London‘, landete, und spielte drei LPs und eine Live-EP ein. Dann setzte ihn ein Rechtsstreit mit seiner Plattenfirma einige Jahre schachmatt, zumindest was neue Aufnahmen anging.
  • 1991 – heute: Lindleys wegweisende Reise nach Madagaskar fand 1991 statt. Danach spielte er fünf Jahre mit dem jordanischen Perkussionisten Hani Naser. Ab 1998 heißt Lindleys neuer Partner Wally Ingram, der Insidern durch seine Drum-Arbeit für u. a. Tracy Chapman, Blues Traveller, Sheryl Crow und Jackson Browne bekannt sein dürfte – und die anstehende Tour trägt den vielversprechenden Titel: „Twango-Bango-Deluxe".

Und hier die Tour-Termine:
Gitarre & Bass präsentiert vom 6. bis zum 30. Mai DAVID LINDLEY & WALLY INGRAM 06.05. Mannheim, Feuerwache

  • 7./8.05. Berlin, Quasimodo
  • 09.05. Erfurt, Rotplombe
  • 10.05. München, Muffathalle
  • 12.05. Bielefeld, Hechelei
  • 13.05. Hannover, Pavillon
  • 14.05. Hamburg, Fabrik
  • 15.05. Leer, Zollhaus
  • 16.05. Glauchau, Spinnerei
  • 17.05. Bochum, Langendreer
  • 18.05. Göttingen, Blue Note
  • 20.05. Bremen, Breminale
  • 21.05. Nürnberg, Hirsch
  • 22.05. Freiburg, Jazzhaus
  • 23.05. A-Salzburg, Rockhouse
  • 24.05. A-Innsbruck, Treibhaus
  • 25.05. Halle, Easy Schorre
  • 27.05. CH-Bubikon, Scala
  • 28.05. CH-Schaffh., Kammgarn
  • 29./30.05 CH-Rubigen, Mühle
  • 31.05. CH-Locarno, P. Grande
  • 02.06. Regensburg, Thon-Dithmer-Hof

Infos: 030 – 394 6970

 

Text: Heinz Rebellius
Fotos: Glen LaFerman/2x zwei

Das vollständige Interview kann man in Gitarre & Bass 05/98 nachlesen. Ab Freitag, den 17. April im Handel!

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